Geschichte

Hubschrauberpraxis

von Ernst Bernet
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Modifikationen am Bausatz der Helikopter Bell 222 und Super-Heli-Baby von Schlüter


Baukastenmodelle für Helikopter sind in der Konstruktion durchdacht und erprobt. Der Hersteller liefert die Bausätze aber nicht nur zu unserer Freude, sondern weil er ein Geschäft betreibt, das ihm einen Verdienst ermöglichen muss. Daher sind verschiedene Teile so ausgelegt, dass sie ihre Funktion gut erfüllen, aber punkto Stabilität und Lebensdauer nicht das Maximum erreichen. Das würde die Kosten so hoch treiben, dass im Vergleich zur Konkurrenz Nachteile entstünden.

Ein Modellbauer mit Kenntnissen in der Metallbearbeitung kann sich einigen Ärger ersparen, wenn er Schwachpunkte einer Konstruktion kennt und sie ausmerzt, bevor ein Versagen auftritt. Beim Helikopter bedeutet ja ein Defekt fast immer zum mindesten einen Absturz, wenn nicht sogar eine Gefährdung von Pilot oder Zuschauern. Ich will hier zeigen, wo und mit welchem Aufwand was verbessert werden kann.

Da ist zuerst der Hebel für die kollektive Blattverstellung beim Super-Heli-Baby und beim Bell 222. Dieser Hebel ist mit der Blattachse vernietet – das ist die Schwäche. Unter dem Einfluss von Vibrationen, von Abstürzen oder einfach wegen den Blattverstellkräften lockert sich die Vernietung und dann hat ein Rotorblatt plötzlich einen völlig anderen Einstellwinkel. Die Steuerbarkeit wird dadurch stark herabgesetzt. Jeder Besitzer eines Super-Heli-Babys oder einer Bell 222 hat diese Situation sicher schon mehrmals erlebt.

Wegen der Verwendung von Kugellagern mit einem Innendurchmesser von 7 mm und Nadellagern mit einem solchen von 8 mm kann der Blattverstellhebel der Originalausführung nicht angeschweisst oder hartgelötet werden. Das Kugellager würde sonst zu heiss. Darum wird das Kugellager aufgeschoben und dann der Blattverstellhebel vernietet. Abb. 1 zeigt die Originalkonstruktion.

Die Verbesserung besteht darin, dass anstelle der Kugellager Ø 19/7 solche von Ø 19/10 verwendet werden. Sie entsprechen der Katalog-Nummer 456 von Schlüter und werden als Hauptrotorlager der Bell 222 verwendet. In der Schweiz sind sie von der Firma Miniatur Kugellager Biel unter der Type UL 1019 zu Fr. 6.50 (Juni 79) erhältlich. Eine neue Blattverstellachse nach Abb. 2 gestattet, einen Blattverstellhebel anzuschweissen und nachher das Kugellager aufzuschieben.

Wer ganz sicher gehen will, kann auch das Nadellager durch ein solches mit 10 mm Innendurchmesser ersetzen. Es ist mit den Abmessungen Ø 17/10 × 12 Breite unter der Type DKN 10/12 von der Firma SRO in Zürich zu Fr. 6.65 erhältlich. Diese Ausführung bietet die Möglichkeit, die Blattbefestigung modern und schwenkbar zu gestalten, wie dies beim Jet-Ranger von Kavan und auch beim Bell 222 von Graupner vorgesehen ist. Abb. 3 zeigt die dazu notwendigen Teile. Wer sich zu dieser Lösung entschliesst, soll gleichzeitig auch die Seitenplatten Nr. 551 im Schlüter-Katalog aus 1,5-mm-Stahlblech herstellen und die Abmessungen so wählen, dass anstelle der Befestigungsschrauben M3 für die Blattverstell-Lagerkörper aus Aluminium M4-Schrauben verwendet werden können. Eine weitere Schwachstelle an der Konstruktion des Bell 222 von Schlüter sind die



Abb. 3

Diese Ausführung bietet die Möglichkeit, die Blattbefestigung modern und schwenkbar zu gestalten, wie dies beim Jet-Ranger von Kavan und auch beim Bell 222 von Graupner vorgesehen ist. Abb. 3 zeigt die dazu notwendigen Teile. Wer sich zu dieser Lösung entschliesst, soll gleichzeitig auch die Seitenplatten Nr. 551 im Schlüter-Katalog aus 1,5-mm-Stahlblech herstellen und die Abmessungen so wählen, dass anstelle der Befestigungsschrauben M3 für die Blattverstell-Lagerkörper aus Aluminium M4-Schrauben verwendet werden können. Eine weitere Schwachstelle an der Konstruktion des Bell 222 von Schlüter sind die Klemmschrauben für die Heckrotor-Antriebswelle. Der Stahldraht von 1,5 mm Ø hat an beiden Enden eine angeschliffene Fläche. Eine Inbus-Madenschraube M3 in den Zahnradern klemmt durch die Naben den Draht fest. Vorne kann die Madenschraube mit Locktite oder einer ähnlichen chemischen Substanz gesichert werden. Hinten ist das nicht so leicht möglich, weil das geschlossene Heckrotor-Getriebegehäuse als Einheit in das Heckrohr eingeschoben werden muss. Und da es mit Fett gefüllt ist, wird auch die Madenschraube nicht mehr fettfrei sein und darum hält die chemische Sicherung nicht mehr. Früher oder später löst sich die Stellschraube etwas und der Heckrotor-Antrieb fällt aus. Das bedeutet nicht unbedingt einen Absturz. Wenn man die Nerven behält, kann man den nun wild, aber relativ stabil kreiselnden Heli noch retten. Durch die Drehung entsteht zusätzlicher Widerstand, der zu einem Absinken des Modells führt. Sorgfältig dosiertes Pitch-Erhöhen stoppt das Absinken und feines Pitch-Reduzieren lässt den Heli langsam absinken. Mit etwas Glück geht nichts kaputt, und sonst sind wahrscheinlich nur die Rotorblätter hin. Aber auch das ist ein Kostenpunkt. Mein Vorschlag zur Verbesserung ist in Abb. 4 dargestellt. Aus Silberstahl 5 mm Ø werden neue Achsen für die Kegelräder hergestellt. Die Kegelräder sind durch Inbusschrauben M3 und chemische Sicherung auf der Achse fixiert. Ausserhalb der



Verbesserter Heckrotor und Hecksporn des Bell 222. Mit neuen Achsen für die Kegelräder und aufgelöteten Stellringen ...

... und einem aus Federstahl gebogenen Hecksporn.



Verbesserte Befestigung des Landegestelles aus Alu-Verstärkungswinkeln und Kufenträgern aus Federstahl. Lagerstellen sind Stellringe aufgelötet, welche zwei um 90° versetzt angeordnete Gewinde M3 enthalten. Die Heckrotor-Antriebswelle wird mit zwei um 90° versetzten Schleifflächen versehen und der Rest dürfte klar sein. Zur Montage klemmt man zuerst die Schrauben beim Heckrotor fest und führt nachher den Draht in die Bohrung vorne am Heckrohr ein.

Schliesslich ist auch der Hecksporn des Bell 222 keine konstruktive Meisterleistung. Wenn er sich bei Belastung – und um diese aufzunehmen, wäre er eigentlich da – um seine einzige Befestigungsschraube dreht und dabei in den Heckrotor gerät, ist das zumindest unschön. Aber die bei dieser Gelegenheit beschädigten Heckrotorblätter kosten Geld, und das kann man sich sparen, wenn man sich einen Hecksporn aus Federstahl biegt, welcher etwa wie Abb. 5 aussieht. Er wird mit zwei Schrauben befestigt und kann einiges vertragen.

Auch die Befestigung des Landegestelles mit einer einzigen M3-Schraube ist eine auf die Dauer etwas wacklige Sache. Abhilfe schaffen hier Verstärkungswinkel 20/20/2 aus Aluminium, welche mit dem Chassis verschraubt werden.

Wer von den verbogenen Kufenträgern aus Aluminium-Flachprofil genug hat, stellt sich solche aus 5-mm-Federstahldraht her. Die Befestigung erfolgt über angelötte (hartgelötet) Messingstücke nach Abb. 6. Schliesslich noch eine Verbesserung am Super-Heli-Baby. Als Rotorblätter können einwandfreie «Unfallblätter»-Stücke vom Bell 222 verwendet werden. Die Blatattiefe ist grösser als beim Clark-Y-Profil des normalen Baby-Rotors. Das gibt mehr Auftrieb. Und da das Verhältnis von Auftriebs- zu Widerstandskoeffizient beim symmetrischen Profil des Bell 222 grösser ist, benötigt das so modifizierte Super-Heli-Baby erst noch weniger Leistung. Ausprobieren!



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