Griechischer Gott oder chinesisches Spassgerät?
Erfahrungsbericht mit Herakles von HEBU
Herkules, oder Herakles, war der Sohn des Göttervaters Zeus und der Alkmene, der Gemahlin von Amphitryon, dem König von Theben. Herkules war vor allem bekannt durch seine Stärke. Ihm kamen göttliche Ehren zuteil und er wurde in den Olymp aufgenommen. Ob es für diesen Voll-GFK Herakles aus fernöstlicher Produktion auch zu Ehren reicht und er sogar in den Modellflieger-Olymp aufsteigen kann, soll hier zumindest in den Grundzügen geklärt werden.
Dass die Chinesen Meister im Kopieren sind, ist hinlänglich bekannt. Dass sie mittlerweile auch sehr gut Modellflugzeuge bauen können, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Nicht wenige Modellflieger in der Schweiz nennen irgendeine Jet-ähnliche Schaumwaffel, oder so etwas in der Art, ihr eigen. Die meisten von ihnen sind davon durchaus angetan. Die Modelle fliegen gut, sehen recht gut aus, sind in den meisten Fällen komplett ausgestattet und dies alles zu Preisen, die einen staunen lassen. Ob dies nur Vorteile hat, sei dahingestellt. Was man aber
unumwunden sagen muss, ist, die Chinesen haben viel dazu gelernt und sie können es heute mit vielen High-End-Geräten aus bewährter Produktion aufnehmen oder wissen sie sogar zu übertreffen.
Auf den fernöstlichen Handelszug aufgesprungen ist vor einigen Jahren auch die Firma HEBU aus Entlebuch. Heinz Bucher, der Chef der Firma, hat sich schon seit langer Zeit auf den Verkauf, hauptsächlich übers Internet und dort über die Handelsplattform Ricardo, spezialisiert. Wichtig und ganz zuoberst auf der Leistungsfähne steht bei HEBU, dass der Kunde auch nach dem Kauf kompetent und zuvorkommend bedient wird. Dazu wird der Service stetig verbessert, das grosse Ersatzteillager ist gut ausgestattet und Problemfälle werden in der eigenen Werkstatt behoben. Eigene gemachte, durchwegs positive Erfahrungen mit der Firma HEBU haben den Autor dieses Berichtes dazu bewogen, es selbst einmal mit einem doch etwas kostspieligeren Modell zu versuchen. Das Fazit vorweggenommen: Ich wurde nicht enttäuscht.
Eine Tour durchs Entlebuch bot mir die Gelegenheit, das Modell bei HEBU gleich vor Ort abzuholen. Zusätzlich wurden auch gleich 6 Futaba-3151-Digital-Metallgetriebe «Servos» besorgt. Um das Modell möglichst überall einsetzen zu können, war der Umbau zum

Elektrosegler beschlossene Sache. Zu Hause angekommen, wurden die Teile erst einmal einer noch genaueren Sichtprüfung unterzogen. Es waren beim besten Willen keine Lunker, Dellen, Staubkörner oder andere Unschönheiten zu finden. Wer sich allerdings an der gut sichtbaren Rumpfnaht stört, kommt um eine Lackierung des Rumpfes nicht her-
um. Schnell wurden die Flächen probehalber angesteckt. Der mächtige Kohleverbinder passt saugend und die Passgenauigkeit am Flächen-Rumpfübergang weiss ebenfalls zu überzeugen. Dies gilt im selben Masse für das als Pendelruder ausgelegte Leitwerk. Die Hebeleinrichtung dazu ist ausgezeichnet, sauber funktionierend und absolut

spielfrei bereits im Rumpf eingebaut. Ebenfalls eingebaut ist die Anlenkung des Seitenruders über eine Kohleschubstange. Die Kabinenhaube ist fertig montiert. Ansonsten fin-
det man bei diesem Kit nur noch einige Servoschachtabdeckungen, Torsionsstifte für die Flächen, ein GFK-Servobrett und Gewindestifte mit Muttern zur Ruderanlenkung. Auch bei den hochglänzenden Flächen, die sich sehr druckfest, also auch alltagstauglich präsentieren, gibt es keine Fehler zu entdecken. Die verbauten Verbundstoffe lassen den Schluss zu, dass dieses Modell in der Luft nicht kaputtzukriegen ist, egal wie hart es drangenommen wird.
Wer den Herakles zum Elektromodell umbauen will, sollte sich zuerst Gedanken über den Einbau der benötigten Komponenten machen. Für einen erfahrenen Modellbauer dürfte das Ganze eine leichte Aufgabe
sein. Wer sich aber zum ersten Mal an einen Voll-GFK-F3B-Segler, wie dieses Modell klassifiziert ist, heranwagt, wäre froh um den einen oder andern Einbautipp und vor allem auch über die Angabe von Einstellparametern wie Schwerpunkt, EWD, Ruderausschlägen oder Position des Hochstarthakens. Leider war bei diesem Vorserienmodell noch gar nichts in dieser Richtung zu finden.
Ein «uralter», aber immer noch topfiter Kontronik-Fun 500/27 mit Getriebe 5.2:1, mit einem 14×9 Kohleprop, sollte, gefüttert von 4 Lipo-Zellen 2450 mAh, dieses Modell problemlos in die Höhe bringen. Für den Autor sollte der Herakles nicht zum Senkrechtstarter werden, obwohl dies heute re-
lativ einfach zu bewerkstelligen wäre. Vielmehr war ein Antrieb gefragt, der das Modell zügig, problemlos und möglichst mehrere Male auf eine gute Ausgangshöhe bringt, um etwas zu turnen, Thermik zu suchen oder einfach einmal spasseshalber über den Platz zu fegen. Platz ist zwar bekanntermassen in der kleinsten Hütte, trotzdem wird es mit 2 Servos, einem Regler, dem Motor und dem 4-zelligen LiPo recht eng im Rumpf des Herakles. Die Schubstangen für Höhe und Seite sollten frei laufen. Auch der mächtige Kohleverbinder und der noch dahinter versteckte Empfänger sollten in die Planung mit einbezogen werden. Ein Ziel war es, den Akku auch ohne Demontage der Servos oder anderer Komponenten aus dem Rumpf ent-

fernern zu können. Die sehr steife und leider nicht ganz genau in der Flucht zur Seitenruderanlenkung verlaufende Kohleschubstange ist neben den fehlenden Einstellangaben der 2. und zugleich auch der letzte Kritikpunkt bei diesem Modell. Beholfen hat sich der Autor hier mit einem Stahldraht, was problemlos funktionierte. Wie man Servos in den Flächen montiert, dürfte ebenso bekannt sein wie deren Verkabelung mittels Multiplexstecker. Diese wurden nur in der Fläche verklebt, so ist das Ganze alltagstauglich und kann bei Bedarf oder bei einem Defekt auch problemlos ausgetauscht werden.
Zugegeben, man hätte die Ruder völlig unsichtbar anlenken können. Zwei Gründe, warum der Autor die einfachere Version gewählt hat: 1. Die Bequemlichkeit. Die unsägliche Fummelei liegt mir ganz einfach nicht. Das Ganze ist in der
einfacheren Form auch viel servicefreundlicher, leichter abzustimmen und für jedermann machbar. 2. Ein nicht unerheblicher Grund: Angesprochen auf die offen unter dem Flügel laufenden Querruderanlenkungen und die damit verbundenen Leistungsverluste, hat mir ein mehrfacher F5B-Weltmeister erklärt, dass diese Verluste nicht messbar seien. Glücklicherweise ist dies so, ansonsten hätte der Autor womöglich die Anlenkungen wirklich unter Putz machen müssen.
3 Meter Voll-GFK-Pracht, hochglänzend und das Zebramuster auf der Unterseite des Modells auch für ältere Herren gut sichtbar, warteten nun auf den Erstflug. Bei leichtem Wind über die Hangkante geschoben, fragte ich mich nur ein paar Sekunden später, wofür der in der Nase sitzende Motor gut sei. Der Herakles offenbarte schon beim Erstflug seine unglaubli-
che Flugleistung. Fein, unaufgeregt, direkt reagiert er auf Quer- und Höhenruder. Er lässt sich problemlos kreisen und wird angestochen richtig schnell. Mit 2 mm nach oben gestellten Wölbklappen gehts noch einiges rassiger vorwärts. Die Wölbklappen 3 mm nach unten gestellt, kann man damit sogar Standübungen in der Luft machen. Die Thermikleistung überzeugt ebenso wie die «turnerischen» Fähigkeiten. Auch der eingebaute Antrieb weiss zu überzeugen und entspricht ziemlich genau dem, was der Autor angestrebt hatte. Den Schwerpunkt bei 102 mm, die EWD bei 1,3°, fliegt der Herakles schon mal gut. Bei den Querrudern 17 mm nach oben und 13 mm nach unten, das Seitenruder, was geht, fürs Höhenruder 15 mm nach oben und 15 mm nach unten – so eingestellt erwarten einem keine Überraschungen. Dabei sind bei meinem Herakles auf Quer und Höhe 30% Expo eingestellt. Die Wölbklappen 2°
nach oben ergeben zusätzlichen Speed, und 3 mm nach unten gestellt wird er zum Amigo. Mit der Flapperon-Einstellung landet sich der Herakles wie ein Anfängermodell, langsam und punktgenau. Alle Einstellung wurden nach Gutdünken und mangels Bauanleitungstipps nach Bauchgefühl eingestellt. So fliegt das Schalentier gut und sauber, etwas mehr Leistung wird mit noch etwas zurückgelegtem Schwerpunkt noch zu erwarten sein. Die Feinabstimmungen laufen noch, und sie sind zudem auch individuell für jeden einzelnen Piloten.
Der Herakles ist ein sehr einfach zu fliegendes und auch zu landendes Modell. Durch seine stabile und druckfeste Bauweise ist er alltagstauglich, mit einem sehr hohen Leistungs- und Spassfaktor. Jeder der etwas Querrudererfahrung hat, wird mit ihm problemlos zurechtkommen. Dass es sich beim Herakles nicht um einen Billigflieger handelt, ist klar. Gemessen an der Bauweise, der Verarbeitung, der Leistung und der Alltagstauglichkeit ein sehr günstiges Angebot. In meinen persönlichen Modellfliegerolymp ist er bereits aufgestiegen. Somit ist der Herakles genauso ein griechischer Gott wie ein chinesisches Spassgerät.
*Martin Zürcher*


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