Geschichte

Sinus, ein Elektromodell der Hot-Klasse: Sowohl für den engagierten Wettbewerbs- wie auch den Wochenendpiloten eine feine Sache.

von Willy Böni
2
Vorgeschichte

Vor ca. zwei Jahren hatte ich plötzlich das Gefühl, mein altgedienter «Carrera-Primus» sei nicht mehr das Richtige für mich. Zu langsam, zu wenig Steigleistung, nicht akrotauglich; kurz gesagt, ein neues Modell musste her.

Kataloge wälzen, Entschlussfassung und Kauf waren eine Sache von wenigen Tagen, zumal der Vorfertigungs- und Ausstattungsgrad eine kurze Bauzeit versprach. Dies wurde dann auch mehr oder weniger bestätigt.


Bau

Ich will hier keine wortwörtliche Wiedergabe der Bauanleitung auflisten, sondern nur kurz auf die verschiedenen Baugruppen eingehen. Apropos Bauanleitung: Diese ist auf den in Frage kommenden Anwender zugeschnitten; trotzdem ausführlich genug und erst noch illustriert!


Rumpf

Schlanker, widerstandsarmer Epoxirumpf mit angeformtem Seitenleitwerk. Weiss einge-

färbt und äusserst leicht. Sowohl Höhenruderbowdenzug wie auch die Inserts zur Tragflügel- und Höhenleitwerksbefestigung sind bereits eingeharzt.

Es ist lediglich noch der Motorspant, je nach verwendetem Motor, einzukleben und dabei auf einen sauberen Rumpf-/Spinnerübergang zu achten. Als Spinner kam ein Produkt der Firma Graupner (Ø 38 mm) zur Anwendung. Nicht ganz befriedigen konnte die weisse Deckschicht des Rumpfes. Bereits nach wenigen (sanften!) Landungen zeigte diese diverse feine Risse auf.


Höhenleitwerk

Dieses besteht im wesentlichen aus vier Balsateilen. Die Randbogen sind an der Dämpfungsfäche anzuleimen. Im weiteren ist eine Sperrholzverstärkung (wegen der Schraubbefestigung) anzupassen und einzukleben. Danach kann das Höhenleitwerk gemäss den Schnittzeichnungen verschliffen werden.

Bei mir artete dies zu einer äusserst schweisstriefenden Arbeit aus. Das Balsaholz war knochenhart, spröde und verhältnismässig schwer. Nach Anpassen des Ruders war das Höhenleitwerk bespannfertig.


Flügel

Der erstaunlich leichte Flügel besteht aus Styropor mit einer

Balsabeplankung. Er ist an den richtigen Stellen gewebeverstärkt. Bei mir gab's mehr Arbeit als erwartet. Eine der Flächenhinterkanten war dermassen verzogen, dass sie eher einem Propeller als einem Flügel glich. Mehrmaliges Einlegen in heisses Wasser mit anschliessendem Einspannen auf einer geraden Unterlage und Erwärmen mittels einem Haarfön liess den Mangel fast verschwinden. Nach dem Bearbeiten mit einem ca. 120 cm langen Schleifklotz waren die Hinterkanten so, wie sie sein sollten: nämlich gerade!! Ansonsten sind die Servokabel vor dem Verleimen der Balsanasenleisten einzulegen, Befestigungsverstärkungen und Balsarandbogen einzuleimen sowie die Tragflächenhälften zu verschleifen.

Die Querruder sind bereits in Längsrichtung vorgefräst. Sie müssen nur noch fertig herausgetrennt, verkastet und eingepasst werden.

Die Spannweite kann, je nach Verwendungszweck, gewählt werden (180–200 cm). Ich beliess diese bei ca. 200 cm.

Nach dem Verleimen der Tragflächenhälften können der Flügel am Rumpf angepasst und die zwei Löcher zur Schraubbefestigung gebohrt werden. Danach muss die Flügelmitte mit einer GFK-Manschette verstärkt werden.

Das Anpassen und Ankleben eines Tragflügel-/Rumpfübergangsstückes aus tiefgezogenem Kunststoff schliesst den Bau der Tragfläche ab.


Antrieb

Diesen liess ich mir von R. Hersberger zusammenstellen. Meine Auflagen ihm gegenüber lauteten: Möglichst viel Power mit maximal sieben Zellen! Was er mir dann zusammenstellte, übertraf meine Erwartung bei weitem!! Der Motor, ein Keller 35/6, treibt eine Freudentaler Kohlelatte (RFM-150) an. Natürlich kommen da nur Sanyo-Cut off-Zellen (1200 mA/h) in Frage, alles andere wäre herausgeworfenes Geld. Dieses Antriebspaket wird mit einem Sommerauer-Schalter zum Laufen gebracht. Die Stromaufnahme beträgt, bei Verwendung eines Eisenmantels, ca. 40 A.

Der Sinus ist, gemäss D. Levin, der «Hot-Klasse» zuzuordnen; dafür ist dieses Antriebspaket geradezu geschaffen.

Schon manchem nicht eingeweihten F3A-Piloten blieb das Staunen ob der Steig- und Flugleistung des 1600 Gramm

schweren Sinus im Gesicht hängen.


RC-Anlage

Es ist logisch, dass bei einem Modell, welches kompromisslos auf Leistung und geringsten Widerstand ausgelegt ist, nicht mehr viel Platz für die Fernsteuerung vorhanden ist. Billigst-servos und vorsintflutliche Empfänger sind hier fehl am Platz.

Sowohl Tragfläche wie auch Rumpf schlucken gerade noch Servos in der Grösse eines IMP-400. Als Empfänger kam ein MPX-Mini 7 zum Einsatz.

Versorgt wird das ganze über einen 225 mA/h-Akku und einen Miniatureschalter. Da es überall ziemlich eng zugeht (ich frage mich, wo der Konstrukteur die versprochenen 10 Zellen unterbringen will), sollte der RC-Einbau äusserst überlegt und präzise vorgenommen werden. Nachträgliche Änderungen sind niemandem willkommen!


Finish

Der Rumpf wurde so belassen, wie er aus dem Bausatz stammt. Flügel und Höhenleitwerk wurden vorgängig mit «Balsarite» behandelt und anschliessend zweifarbig mit Oracover-Bügelfolie überzogen. Übrigens einer Folie, welche sich hervorragend verarbeiten lässt, selbst starke Rundungen (wie Randbogen usw.) gelingen mit etwas Übung problemlos.

Für die Flügelaussenteile wählte ich Leuchtorange, was mir auch bei schlechter Sicht eine gute Erkennbarkeit der Fluglage garantiert.

Die Ruder wurden lediglich mit dünnem weissem Scharnierklebeband befestigt. Dies hält bombenfest und ergibt erst noch einen spaltfreien Übergang.

Die Querruderanlenkungen wurden mit beiliegenden Kunststofftiefziehtteilen abgedeckt, so dass diese bei Landungen etwas geschützt sind.


Flugerprobung

Wenn man sich an die Angaben des Konstrukteurs bezüglich der Schwerpunktage und der Ruderausschläge hält, dürfte eigentlich nichts schiefgehen. Der Sinus ist mit einem kräftigen Stoss und laufendem Motor seinem Element zu überge-



ben. Auf ausreichende Geschwindigkeit ist stets zu achten. Faules Umhereiern straft er mit Strömungsabriss und anschliessendem seitlichem Abkippen, was sich besonders beim Landeanflug fatal auswirken kann!

Achtet man jedoch auf genügend Fahrt, ist der Sinus durchaus unkritisch zu fliegen und kann von einem Durchschnittspiloten wohl beherrscht werden.

Zur Landung empfiehlt sich, schon aus Sicherheitsgründen, das Hochstellen der beiden Querruder als Landehilfe. Gerne schiesst man sonst aufgrund der relativ hohen Fluggeschwindigkeit über das Ziel hinaus.

Diese Landehilfe ist im Bauplan vorgesehen, und die Inbetriebnahme derselben dürfte mit einer moderneren RC-Anlage keine Probleme aufwerfen.

Aufgrund der relativ hohen Grundgeschwindigkeit lassen sich Abwindzonen rasch durchfliegen. Im günstigen Geschwindigkeitsbereich geflogen, ergibt sich eine gute Streckenleistung.

Über Thermikeigenschaften kann ich mich nicht auslassen, da diese nicht getestet wurden. Diese sind, meiner Meinung nach, bei diesem Modell auch eher nebensächlich.

Immer wieder fasziniert mich die Ruderwirksamkeit des Modells (Ruderausschläge gemäss Plan). Diese ist zwar äusserst direkt und präzise, ohne jedoch giftig zu wirken.

Mit dem Sinus können, die entsprechende Fingerfertigkeit vorausgesetzt, alle gängigen Kunstflugfiguren problemlos geflogen werden. Sowohl gezogene wie gestossene oder gerissene Akrobatik sind von der Festigkeit her gesehen absolut problemlos.

In den seltensten Fällen vermisst man das fehlende Seitenruder.

Was wirklich im Sinus steckt, zeigt mir jeweils der versierte

F3A-Wettbewerbspilot H. Peyer, wenn er mit dem Sinus wieder einmal so richtig die Sau rauslassen will! Kein Wunder, es ist ja nicht sein Modell!!


Fazit

Dem Konstrukteur Werner Dettweiler kann zum Sinus nur gratuliert werden. Beherzigt man das wesentlichste, kann der Sinus vom Durchschnittspiloten an aufwärts jedem uneingeschränkt empfohlen werden.

Willy Böni



Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙