SMV / FSAM

Sicherheitskultur auf Vereinsebene am Beispiel des MFV Kulm

von Daniel Ziegenhagen
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Das Thema Sicherheit begleitet, nebst weiteren brennenden Themen, die Arbeit des SMV. Auch wenn wir in den letzten Jahren von grösseren, von den Medien aufgenommenen Vorfällen verschont blieben, dürfen wir nicht in unseren Bestrebungen nachlassen, dieses hohe Niveau zu halten oder gar noch zu verbessern.

Um die Thematik der Sicherheit unseren Kollegen wieder näherzubringen, werden im MFS in regelmässigen Abständen mittels Artikeln die wichtigsten Verhaltensregeln in Erinnerung gerufen. Als Beispiel sei hier der Bericht über das Verhalten im Hangflug genannt. Im vorliegenden Bericht wollen wir nach dem Motto «Tu Gutes und berichte darüber» über Personen oder Vereine berichten, welche sich aktiv des Themas gelebte Sicherheit annehmen. Als die Frage im SMV-Vorstand auftauchte, welcher Verein oder Modellflugkollege zu diesem Thema befragt werden könnte, kam mir spontan Christoph Jaber in den Sinn. Christoph dürfte vielen von euch bekannt sein, ist er doch oft mit seinem grünen Fokker-Dreidecker oder Turbinen-Venom an Flugtagen anzutreffen oder als Schlepppilot für die Swiss Acro Connection oder IG Grosssegler im Einsatz. Neben all diesen Verpflichtungen betreibt er eine Modellflugschule oder bewegt den Triengener Piper Cub.

Beim MFV Kulm bekleidet er seit einem Jahr nun den Posten Flugleiter/Sicherheit Flächenflug. Oftmals konnte ich beobachten, wie Christoph auf den Modellflugplatz kam und gleich erkannte, dass sich Kollegen mit technischen Problemen herumschlugen. Uneigennützig griff er dem Kollegen sogleich unterstützend unter die Arme, was oftmals dazu führte, dass er gar nicht dazu



kam, seine eigenen Modellflugzeuge zu bewegen. Auch bei Problemen in der Luft wird gleich Christoph gerufen, wenn er nicht schon selber die Notlage erfasst hat. Seine ruhige und kompetente Unterstützung wird von den Kollegen sehr geschätzt.

Am Ende eines schönen Frühsommerflugtages auf unserem Modellflugplatz konnte ich Christoph einige Frage zum Thema Sicherheitskultur im Verein stellen:


Christoph, braucht es einen Sicherheitsverantwortlichen im Verein?

Ganz klar, ja.


Aber sind wir nicht alle selber für die Sicherheit, sei es im technischen wie auch im fliegerischen Bereich, verantwortlich?

Grundsätzlich, ja. In diesem Zusammenhang wird immer wieder auf den gesunden Menschenverstand verwiesen. Aber wie wir immer wieder ernüchternd feststellen müssen, deckt dieser einen weiten Bereich von sehr verantwortungsvol-
len Modellfliegern auf der einen Seite des Spektrums bis zum saloppen, nachlässigen Kollegen, dessen Verhalten in vermeidbaren Vorfällen münden kann.


Aber wieso braucht es dazu einen Vereinssicherheitsverantwortlichen, welcher oft als «Polizist» angesehen wird. Genügt es da nicht, dass die Mitglieder gegenseitig auf Mankos in der Ausführung unseres Hobbys hinweisen?

Es wäre schön, dieses System würde funktionieren, tut es aber leider nicht vollumfänglich.

Zu oft verhindern zwischenmenschliche Differenzen die Akzeptanz von konstruktiver Kritik. Oft wird einfach schmunzelnd oder kopfschüttelnd zugeschaut, ohne einzugreifen. Andere wiederum trauen sich nicht, einen vielleicht viel erfahrenen Kollegen auf ein Sicherheitsrisiko hinzuweisen. Dieses Verhalten ist natürlich alles andere als zielführend und kann in einem gravierenden Vorfall enden.


Somit wären wir bei den Anforderungen an einen Vereins-sicherheitsverantwortlichen. Was zeichnet einen solchen aus, was muss er mitbringen?

Da kommt einiges zusammen. Zum einen ist eine breitgefächerte Erfahrung unabdingbar. Diese sollte zumindest alle Sparten, die im entsprechenden Verein ausgelebt werden, beinhalten, sei dies im technischen wie im fliegerischen Bereich. Jede zusätzliche Luftfahrzeugkategorie ist natürlich ein Pluspunkt.

Nicht minder wichtig, wenn nicht sogar am wichtigsten, sind die Person selber, wie sie auftritt, und ihr Verhalten gegenüber Vereinskollegen, dies vor allem in Krisensituationen. Wenn das Zwischenmenschliche nicht passt, kommt die konstruktivste Kritik nicht beim Empfänger an. Es ist absolut kontraproduktiv, wenn ein Gespräch im Stile eines Vater-Sohn-Gesprächs geführt wird, dies ruft eine abwehrende Haltung beim zu Recht kritisierten Kollegen aus, die Wirkung verpufft. Das Gespräch muss auf Augenhöhe und in wohlwol-
lender Stimmung geführt werden, es darf nicht verurteilend sein. Der Fehlbare muss eingeladen werden, um über sein Tun und dessen Konsequenzen nachzudenken. Zusammen müssen Wege und Möglichkeiten, den Missstand zu beheben, erarbeitet werden. Die Art und Weise, wie diese Diskussionen geführt werden, entscheidet über Erfolg oder Misserfolg, man wandert dabei auf einem schmalen Grat. Der Betroffene muss zur Einsicht gelangen, dass man ihn nicht massregeln will, sondern ihm ein sorgenfreies Ausleben seines geliebten Hobbys ermöglichen will, mit dem Resultat, dass sich auch andere Personen auf dem Modellflugplatz und in unmittelbarer Nachbarschaft in Sicherheit wiegen können. Und notabene braucht es natürlich die Unterstützung respektive Rücken- deckung durch den Vorstand.


Selbst wenn alle oben genannte Punkte vom Sicherheitsverantwortlichen erfüllt werden, gibt es doch immer wieder die Unbelehrbaren oder Lernresistenten im Verein. Wie soll man mit ihnen umgehend?

Viele Möglichkeiten bestehen da nicht. Auch da gilt ruhig bleiben und an die Vernunft der Beteiligten appellieren, ganz nach dem Motto «Steter Tropfen höhlt den Stein». Bringt jedoch alles gut zureden nichts und ist die Sicherheit weiterhin besorgniserregend gefährdet, kommt man um härtere Massnahmen leider nicht mehr herum. Ein Flugverbot, zumindest bis der Missstand behoben ist, stellt da wohl die mildeste Variante dar. Aber das Vereinswohl steht hier an oberster Stelle.


Vor einiger Zeit fand in unserem Verein anlässlich einer Monatsveranstaltung ein Referat zum Thema Sicherheit im Modellflug statt. Sind solche Referate sinnvoll und kennst du auch andere Vereine, die auf solche setzen?

Durchaus sind solche Informationsveranstaltungen sinnvoll, auch wenn oft diejenigen, die

es betrifft, diesen fernbleiben in der Meinung, es würde sie nicht betreffen. Aber bei den Teilnehmern werden immer wieder Punkte in Erinnerung gerufen, die im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten können. Als eine Art Refresher sollten solche Anlässe regelmässig durchgeführt werden. Auch andere mir bekannte Vereine führen übrigens solche Events durch.


In unserer Verbandsstruktur ist jede Stufe mit einem Sicherheitsverantwortlichen besetzt oder sollte es zumindest sein. Was erwartest du von diesen?

Einen regen Informationsaustausch und natürlich Unterstützung. Dazu gehören regelmässige Erfahrungsaustausche und Workshops. Unabdingbar sind Besuche in den Regionen, Vereinen und auf den Modellflugplätzen, denn vier Augen sehen immer mehr als zwei.


Vielen Dank an Christoph Jäberg für das Interview.

* * * *


Ein paar praktische Beispiele

Und wie wird Sicherheit nun im alltäglichen Flugbetrieb beim MFV Kulm ausgelebt?

Als einziger finanzieller Punkt bezüglich Sicherheit kann die zusätzliche Pacht weiterer 50 m Land in südlicher Richtung erwähnt werden. Stand früher im Sommer das hochgewachsene Maisfeld bündig bis zur Pistenschwelle und beeinträchtigte vor allem die landenden Schleppflugzeuge oder erforderte gewagte, steile Anflüge oder «Anflüge um die Ecke» der Segelflieger, wurde diese Gefahr entschärft. Auch wurden Fussgänger verdeckt und tauchten urplötzlich direkt neben der Pistenschwelle auf. Als zusätzlicher Sicherheitszuwachs ermöglicht es, speziell beim Schleppstart in nördlicher Richtung, das höhere und dadurch sicherere Überfliegen des oft befahrenen Feldweges. Dies kostet uns einen zusätzlichen Batzen Pacht pro Jahr, ist es aber wert.

Wobei wir gleich beim Thema sind: Feldwege. Diese verlaufen einerseits direkt am Pistenende Nord und direkt neben dem Fluggelände parallel zur Graspiste. Diese werden rege benützt durch Spaziergänger, Hündeler, Biker und Reiter. Im Flugplatzreglement wird genau definiert, wie beim Flugbetrieb gefährliche Situationen in diesen Fällen zu vermieden sind, vor allem mit den Equiden. In diesem Zusammenhang ist die aktive Aufmerksamkeit der nicht fliegenden Kollegen gefragt, welche dem Piloten das Auftauchen dieser «Gefahren» unverzüglich melden, damit dieser seine Flugbahn anpassen kann. Oftmals stellt sich bei regem Verkehr auf den Feldwegen auch eine zweite Person direkt neben den Piloten, um unmittelbar und direkt diesen zu informieren und bei Notlagen unterstützend einzuwirken. Bei grösseren Veranstaltungen wird mit Trioplanen auf den Modellflugverkehr aufmerksam gemacht. Seit geraumer Zeit wird dies



von den Mitgliedern teils auch beim normalem Flugbetrieb gemacht, was zeigt, dass das Sicherheitsbewusstsein gestiegen ist.

Einhalten des Flugbetriebsreglementes: Damit alle über dieses informiert sind, werden Neu- und Probemitglieder jeweils zu Beginn einer Flugsaison zu einem Briefing auf dem Flugplatz eingeladen. Damit wird sichergestellt, dass die Neumitglieder dieses Reglement kennen und keine Fehlinterpretationen entstehen. Während in den letzten Jahren die Durchsetzung dieses Reglementes etwas schwächelte, hat sich dies in letzter Zeit verbessert. Dies vor allem durch das vorbildliche Verhalten von Christoph Jaber, welcher sich jeweils nicht scheute, fehlbare Piloten auf ihre Fehler hinzuweisen. Auch dies hat auf weitere Mitglieder abgefärbt.

Erfreulicherweise kann man beobachten, dass das vorbildliche Verhalten einiger Vereinsmitglieder in Bezug auf die Sicherheitskultur langsam, aber sicher auch auf andere Mitglieder abzufärben beginnt, ein Wandel also eingeleitet ist.



Einige weitere Massnahmen sind in der Schublade, doch müssen diese behutsam und zielorientiert eingeführt werden.

Daniel Ziegenhagen



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