Der neue Bell-Hiller-Rotorkopf von Graupner
Unter der Bestell-Nummer 73/5 ist ein Rotorkopf lieferbar, welcher zum wohl Saubersten gehört, was im Angebot der Modellhelikopter-Branche erhältlich ist. Wollte man den für Autos üblichen Vergleichsmassstab anwenden, so müsste man hier von Mercedes, BMW oder SAAB sprechen, während die übrigen, häufig vorkommenden Rotorköpfe z.B. in der Klasse VW anzusiedeln wären. Damit ist bereits gesagt, was wesentlich ist: man kriegt durchdachte, erprobte, massive, konstruktiv aufwendige und deshalb auch teurere Lösungen bei Graupner. Das will nicht heissen, dass andere Rotorköpfe schlechter sind. Nein, sie sind nur einfacher und darum auch billiger. Wer aber bereit ist, für technisch anspruchsvolle und daher dauerhaftere Lösungen den entsprechenden Preis zu bezahlen, kann mit Graupner viel Freude erleben.
Wer einen Graupner-Heli besitzt, kennt diese Vorzüge bereits. Die Besitzer von Schlüter-Helis – und so einer bin ich – mussten bisher feststellen, dass ihr preislich günstiges Fluggerät wohl so perfekt durchkonstruiert ist, dass es auf allen Wettbewerben und auch bei den Sonntagsfliegern in der ganzen Welt bekannt und geschätzt ist. Wer es sich aber nicht leisten kann, zu jeder Saison einen neuen Helikopter zu kaufen, der versucht, Verschleisserscheinungen dadurch aus dem Wege zu gehen, dass er sich Spezialrotorköpfe, wie etwa denjenigen von Bärtschi Winterthur oder auch verstärkte Eigenbaulösungen, zulegt. Damit kann man dann auch länger fliegen, ohne dass Lagerstellen ausgeschlagen sind oder dass sich Nietungen lockern. Für Kollegen, welche unter diesen konstruktiv bedingten Erscheinungen leiden, habe ich nun eine Lösung gefunden, welche wohl das Maximum darstellt, das heute erreichbar ist: die einfache und aus wenigen Teilen bestehende Mechanik von Schlüter kombiniert mit dem neuen Rotorkopf von Graupner. Diese Hybrid-Lösung will ich nun beschreiben, und ich bin überzeugt, dass Ihnen die Einfachheit der Ausführung ermöglicht, den Versuch ebenfalls zu machen.
Beim Graupner-Kopf wird der Pitch erhöht, indem die zentrale Stange in der hohlen Rotorwelle nach unten geführt wird. Bei Schlüter hebt man den Stahldraht in der Nute zum gleichen Zweck an. Das bedeutet, dass bei der Verwendung des Graupner-Kopfes auf einem Schlüter-Heli der Kniehebel umgekehrt wirken muss. Das entsprechende Servo wird entweder umgepolt oder aber man hängt das Gestänge einfach auf der anderen Seite der Antriebsscheibe ein.
Der Stahldraht zur Pitchverstellung ist in
der bisherigen Form nicht mehr verwendbar. Man biegt sich aus 2-mm-Stahldraht nach Abb. 1 ein neues Gestänge. Oben auf das Gestänge lötet man hart ein Kupplungsstück nach Abb. 2 an. Dieses Kupplungsstück greift in das Plastic-Gabelstück (Betätigungsschieber Nummer 80/27
des Graupner-Kopfes) und wird dort mit einer M3-Schraube festgeschraubt.
Damit die ganze Geschichte schön in der Nute der Hauptrotorwelle auf und ab gleitet, ohne sich zu verdrehen, benötigen wir eine Führung. Zu diesem Zweck lötet man hart ein Stück 2-mm-Stahldraht an das Gestänge. Dieses Stück läuft dann als Keil in der Nute eines Stellringes, den wir von oben auf die Welle schieben. (Abb. 3)

Nun bleibt noch die Befestigung des Rotor- kopfes auf der Hauptrotorwelle. Das ge- schieht durch Klemmen des geschlitzten Zentralstückes. Die mittlere Schraube greift in ein Sackloch in der Rotorwelle. Wir schieben den Graupner-Kopf auf die Schlüter-Welle, bis das Ende oben bündig ist mit dem Zentralstück aus Kunststoff. Wenn man jetzt die mittlere M3-Schraube festzieht, hinterlässt sie eine Druckstelle auf der Welle. Dort bohren wir ein Sackloch 3 mm tief. Die mittlere Schraube dient nicht zur Übertragung von der Rotorwelle auf den Rotorkopf. Das geschieht ausschliess- lich durch die Klemmwirkung des ge- schlitzten zentralen Teils. Sie fixiert die Lage des Rotorkopfes in bezug auf die Welle sowohl in der Höhe als auch zur Nute der Pitchverstellung.
Der Rest ist für einen geübten Modellheli- kopter-Piloten kein Problem. Die Anpas- sung der Gestänge soll so erfolgen, dass bei mittlerer Pitchverstellung am Sender- knüppel sowohl die Mischhebel als auch die Blattverstellhebel und die oben in der Wippe gelagerten Pitchverstellhebel hori- zontal liegen. Der Blatteinstellwinkel soll bei Vollausschlag +5°, bei Leerlauf -1° ... -2° betragen.
Nun sind Sie soweit und ich wünsche Ihnen ebensoviel Vergnügen mit Ihrem aufgewer- teten Modell wie ich es empfunden habe. Die einstellbare Dämpfung gestattet die An- passung des Mastmomentes an Ihre Wün- sche und bietet zugleich die Möglichkeit, den Konus des Rotors sehr genau einzu- stellen. Dieser Konus ist bei Graupner im Ruhezustand des Rotors negativ. Im Flug, wenn die Auftriebskraft die Rotorblätter aufbiegt und die Fliehkraft nach aussen zieht, wird der Konuswinkel zu Null. Dies unterscheidet den Graupner-Rotor von al- len übrigen industriell hergestellten Rotor- köpfen. Der Grund für diese Abweichung ist mir nicht bekannt. Der Hersteller, die Firma Bernhard, gab mir auf Anfrage lediglich bekannt, dass dies auf Empfehlung von Herrn Professor Deerschmidt (MBB) ge- schehen sei und dass auch praktische Ver- suche gezeigt hätten, dass ein Konuswinkel von -1° im Ruhezustand optimal sei. Eine theoretische Begründung fehlt.
Zusammen mit den gewichtsmässig ge- paarten, lamellierten Rotorblättern (Bestell- Nummer 74) von 65 mm Breite (sie müssen um 60 mm gekürzt werden) werden Sie einen vibrationsfreien Lauf und damit eine Steuerpräzision feststellen, welche sie mit Ihrem alten Heli nur in dessen frühester Jugend erleben konnten.
Durch die leichten, hohlen Steuerpaddel ist die Reaktionsgeschwindigkeit hoch. Trotz- dem ist das Modell auch für den Amateur gut zu beherrschen, weil jeder Steuerim- puls sofort in einer Lageänderung des Heli- kopters sichtbar wird, bevor er abzuwan- dern beginnt.
Etwas zahmer wird die Sache auch durch die Tatsache, dass der Anlenkhebel an der Taumelscheibe kürzer sein muss, als es der Graupner-Ausführung entspricht. Er stösst sonst am Anlasskonus an. Wer für Akro- batik die sehr starke Auslenkung der Steuer- flügel benötigt, muss also die Anlaser- welle oben absägen und künftig den Motor
wie bei den meisten übrigen Helikoptern per Keilriemen anlassen.
Ein Durchschnitts-Helikopterpilot wünscht sich für seine Schwebeflugbewegungen eine noch mehr gedämpfte Änderungsgeschwindigkeit der Rotorebene. Je zwei Scheiben Blei von 25 mm Durchmesser und 2 mm Dicke auf der Stabilisierungsstange erhöhen die Masse jeder Seite um je 20 Gramm. Die Befestigung erfolgt durch ra- diales Aufschneiden der Bleischeiben bis zum Loch von 4 mm Durchmesser im Zen- trum. Die Scheiben werden dann über die
Stabilisierungsstange gedrückt und so mit Silikongummi gegeneinander verklebt, dass die radialen Schnitte 180° versetzt sind. Auch an der M4-Mutter innen an den Paddeln werden die Scheiben mit Silikon- gummi fixiert.
Mit dieser Änderung, die jederzeit und ohne Werkzeug rückgängig gemacht werden kann, wird das Modell lammfromm und anfängertauglich. Das will aber nicht heissen, dass es nicht dauernd und koordiniert ge- steuert werden muss. Es bleibt trotzdem ein Helikopter.
Ernst Bernet

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