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Phöbus – ein Modell erzählt aus seinem Leben

von Peter Hofer
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Meine Körpermasse

Bitte gestatten Sie mir, dass ich mich hier kurz einmal vorstelle. Mein Name ist Phöbus. Geboren wurde ich ungefähr vor 30 Jahren in Aarau. Meine Geburtsmasse betrug damals ca. 5 kg, eine Körpergrösse (Rumpf) von gut 2 Metern und eine Armlänge (Spannweite) von knapp 5 Metern. Mein Rumpf besteht aus GFK, hergestellt von meinem Besitzer in einer Negativform nach Originalunterlagen. Mein richtiger grosser Bruder war damals in den 60er-Jahren das erste Kunststoff-Segelflugzeug. Meine Tragfläche hat ein Worthman-Profil mit dem Strak FX 160 – 140 – 126. Der Kern besteht aus blauem Schaummaterial, hat drei Lagen Glasgewebe, Abachiholz-Beplankung und ist letztendlich mit Folie gebügelt. Gesteuert werde ich über Quer-, Höhen- und Seitenruder, sowie Schleppkupplung und Störklappen.


Die aktiven Jahre

In den ersten Jahren meines Daseins durfte ich mit meinem Besitzer oft unterwegs sein. Ich denke an die Schlepp-Treffen der IGG Gross-Segler, an die Vereinsausflüge aufs Hahnenmoos und und und ... Vor gut 26 Jahren zogen wir in den Kanton Uri. Mangels Flugplatz und Schleppmöglichkeit wurde es immer stiller um mich. Jahrelang fristete ich ein kümmerliches Dasein in einer Ecke der Garage und verstaubte mehr und mehr. Meine Haut wurde faltig, die Ruder fielen von mir ab und ab und zu hörte ich meinen Chef sagen: «Dieses alte Ding müsste ich endlich einmal entsorgen.» Ich kam mir langsam vor wie einer, der in der Todeszelle sitzt und auf sein letztes Stündlein wartet. so vergingen die Jahre und ich wurde immer unansehnlicher und trauriger, weil ich meinem Chef so viel Freude bereitet habe, und jetzt schenkt er mir keinerlei Beachtung mehr. Meine elektronischen Eingeweide sind auch Steinzeitalter. Meine Hoffnung schwand immer mehr, dass ich wieder einmal Luft unter meine Flügel bekomme.


Mein zweiter Frühling

Aber vor ein paar Monaten bekam meine Leben plötzlich eine andere Wende. Ich wurde aus meinem Dämmerschlaf geholt und hörte meinen Chef sagen: «Statt zu entsorgen, werde ich das alte Ding komplett restaurieren und wieder



auf Vordermann bringen.» Mein altes Herz zersprang fast vor Freude. Mir war aber auch klar, dass eine Restauration nicht ganz ohne Schmerzen ablaufen würde. Auf dem Flugplatz der MG OW, wo mein Chef seit vielen Jahren fliegt, steht in der Regel immer mindestens eine Schleppmaschine zur Verfügung. Dort zu fliegen, müsste unheimlich toll sein. Ab jetzt läuft alles rund, die runzlige Folie abgezogen, die alten Innereien und mechanischen Anlenkungen ausgebaut und durch moderne Flächenservos ersetzt, der vergilbte Rumpf weiss gespritzt und alle Gebrauchsspuren an meinen Teilen sauber repariert und ausgebessert und auch neu gespritzt. Nach vielen Stunden Arbeit stehe ich jetzt komplett neu restauriert in jungfräulichem

Weiss in unserer Werkstatt. Wegen des nassen und kalten Frühjahrs musste ich mich noch ein paar Monate in Geduld üben, bis ich endlich meine neue Schönheit und Flugtauglichkeit unter Beweis stellen durfte. Endlich, am Samstag, den 7. September 2013, war es so weit. Flugplatz, wir kommen! Edi Flecklins starke Wilga zog mich gekonnt in die Höhe. So, ausklinken und endlich wieder frei schweben, ein unbeschreibliches Glücksgefühl überkam mich. Auch mein Chef freute sich über den gelungenen 2. Erstflug, und wir beide hoffen, dass wir noch viele schöne Flüge absolvieren dürfen.

*Euer «Phöbus»,
alias Peter Hofer
Bilder: Hans Abächerli und
Peter Hofer*




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