Geschichte

London für Flugzeugfans

von Bert Merz
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London und Umgebung ist speziell für Oldtimerfans und damit für Scalemodellbauer eine Reise wert, denn viele der berühmtesten Flugzeuge lassen sich im Umkreis von 40 Meilen im Museum oder sogar im Flug erleben. Ich möchte Ihnen hier diese Museen und ihre Glanzstücke vorstellen und einen kleinen Überblick geben.



In Central-London finden sich das Science Museum und das Imperial War Museum. Zuerst zum Science Museum:

Es enthält innerhalb seines Querschnitts durch die technischen Errungenschaften des Menschen eine Luftfahrtabteilung mit über 20 Flugzeugen sowie Teilen und Modellen. Seine besten Stücke sind die Gloster E 28/39, das erste britische Düsenflugzeug, die Vimy, mit der Alcock und Brown 1919 zum ersten Mal den Atlantik überqueren, die Supermarine S6B Schneider-Pokal-Maschine, mit der Grossbritannien zum 3. Mal und damit endgültig die Schneidertrophäe gewann, und, für mich besonders überraschend, Prof. Piccards Stratosphären gondel von 1932.



Ebenfalls sehr interessant für Modellbauer dürfte eine Fokker E-III im unbespannten Zustand sein.

Das Imperial War Museum enthält neben anderem eine He-162 Salamander, eine FW-190 und ein paar andere Flugzeuge aus dem 1. und 2. Weltkrieg.

Der Hauptteil seiner Flugzeuge aber steht in der Luftfahrtabteilung des Museums in Duxford, auf die ich später zu sprechen komme.

Die bekanntesten Museen, das RAF-Museum und das Battle of Britain Museum, liegen im Londoner Vorort Hendon und sind mit der U-Bahn erreichbar.

Das Spektrum des RAF-Museums reicht vom manntragenden Beobachtungsdrachen bis zum Mach-2-Jäger Lightning. Aus dem 1. Weltkrieg sind neben den britischen Sopwith- und SE5a-Maschinen auch deutsche Fokker-Flugzeuge und französische Typen vorhanden.

Die Zwischenkriegszeit ist mit verschiedenen Hawker-Doppeldeckern vertreten, während aus dem 2. Weltkrieg selbst Grossbomber, wie die Wellington und Lancaster und auch seltenere Flugzeuge, wie die Beaufighter und die Meteor nicht fehlen.



Diese Maschinen werden ergänzt durch die britischen Standardjäger, ein grosses Flugboot vom Typ Short Sunderland Mk V und mehrere Verbindungsflugzeuge.

Auf dem Duxford Airfield lassen sich über 60 Flugzeuge des Imperial War Museum sowie einige private Maschinen bestaunen. An Düsenflugzeugen finden sich einige französische Mystère-Typen, eine Saab-Draken, ein riesiger Victor-Bomber, ein Prototyp der Concorde, sowie einige andere britische Prototypen. Ausserdem als besondere Seltenheit ein Saunders Roe A1 Flugboot-Düsenjäger, 1947 erprobt, der aber nicht in Serie gebaut wurde, da er zu langsam war. Dieses Flugzeug befindet sich momentan in Restauration, kann aber trotzdem besichtigt werden.



Die Nachkriegsabteilung enthält unter anderem den 1. Prototyp des Harrier-Senkrechtstarters und eine Canberra.

Natürlich gibt es nicht nur Flugzeuge, sondern auch Zubehör, Uniformen und vieles andere, was in den Bereich der Militärluftfahrt gehört, zu sehen.

Eine wahre Fundgrube für Scale-Fans dürfte der Museumsshop sein; ich habe noch nie ein so riesiges Angebot an Büchern, Postern, Zeitschriften und Publikationen über Oldtimer-Flugzeuge gesehen. Gleich gegenüber dem RAF-Museum liegt das Battle of Britain Museum. Seine Glanzstücke sind drei Nachtjäger: eine Me 110 und eine Ju 88, beide mit dem charakteristischen Antennengeweihe, sowie eine Defiant, mehrere Bomber, wie Ju 87, He 111, Blenheim und zwei besonders seltene, schon zu Kriegsbeginn veraltete Doppeldecker: die Gloster Gladiator und die Fiat Cr 42 Falco aus Italien.

Aus dem 2. Weltkrieg gibt es eine wunderschöne Mustang, eine seltene Seafire und amerikanische Bomber vom Typ B17 und B29 zu sehen. Daneben sind noch viele Trainer- und Verbindungs-Flugzeuge ausgestellt, während der 1. Weltkrieg ausser einer RE8 kaum vertreten ist.


Neben der offiziellen Ausstellung findet man in Duxford viele private Oldtimer. Einige davon sind flugfähig und werden oft an Flugtagen vorgeführt, so z. B. zwei Harvard-Trainer, eine Yak 11, eine französische Version des Fieseler-Storchs und eine Beech Staggerwing. Alle diese Flugzeuge gehören einer Gruppe von stark engagierten Oldtimerfreunden, die sich The Fighter Wing Display Team nennen. Sie haben es sich zum Ziel gemacht, nicht nur die schon vorhandenen Flugzeuge zu pflegen, sondern auch andere flugfähig zu machen. So hat man als Besucher die einmalige Gelegenheit, bei der Restauration einer Mustang und einer Hawker Hurricane zuzusehen. Auch eine Spitfire wird von Grund auf renoviert, während eine Me 109, einst Star im Fliegerfilm «Die Luftschlacht um England», beinahe fertig ist. Man kann zwanglos in den Werkstätten umherwandeln und findet sofort jemanden, der einem mit Freude alles zeigt und erklärt. Ausserdem finden in Duxford mehrmals pro Jahr Flugvorführungen statt.

Thorpe Park ist ein Freizeit- und Vergnügungspark, daher ist er als Ziel besonders geeignet für Flugzeugfreunde mit Familie. Eine der Hauptattraktionen im Park sind seine Flugzeuge, alles originalgetreue Nachbauten, sog. Replicas. Sie gliedern sich in zwei Themenkreise: 1. Weltkrieg und Schneider-Trophy.

Aus dem 1. Weltkrieg sind von alliierter Seite neben Camel, SE5a und Spad auch ein Gitterschwanzflugzeug D.H.2 mit Druckpropellern und ein Bristol M1C-Eindecker vorhanden.



Die deutsche Luftmacht ist durch Fokker-Dreidecker Dr 1, -Doppeldecker DVII, -Eindecker DVIII sowie eine Albatros Va vertreten. Die Schneider-Trophy-Kollektion ist eine in Europa einmalige Wasserflugzeug-Sammlung. Sie enthält in chronologischer Reihenfolge: einen Deperdussin-Eindecker von 1913, einen Sopwith-Tabloid-Doppeldecker von 1914 und aus dem Jahre 1923 eine Army Curtiss R3C-2.

1926 ist mit einer Macchi M39 vertreten und die Jahre 1927–1931 mit zwei Supermarine-Flugzeugen.

Die Flugzeuge sind meist in statischer Ausstellung zu besichtigen, werden aber ein paar Mal pro Jahr im Flug vorgeführt.

Am Schluss unseres kleinen Exkurses möchte ich Ihnen den absoluten Höhepunkt an fliegerischer Vergangenheit vorstellen: die weltberühmte Shuttleworth Collection aus Old Warden. Sie besteht durchwegs aus Originalflugzeugen, die noch flugtauglich sind und während des Sommers ein- bis zweimal pro Monat im Flug vorgeführt werden. Der Höhepunkt dieser Meetings ist jeweils der Military Air Pageant, an dem Militärflugzeuge vom 1. Weltkrieg bis zum Jet-Zeitalter im Flug präsentiert werden, wobei auch viele Maschinen gezeigt werden, die nicht zur Kollektion selber gehören. Zu den ältesten Sammlungsstücken



gehört eine Blériot vom Typ des Kanalbezwingers.

Gut vertreten ist der 1. Weltkrieg mit Camel und Pup von Sopwith, SE5a und Bristol F2B, sowie einer LVG II C als besondere Seltenheit, denn es ist dies das einzige flugfähige Exemplar deutscher Flugzeuge aus jener Zeit.

Hawker- und Bristol-Flugzeuge aus den 30er Jahren fehlen ebensowenig wie Spitfire und Gladiator aus dem 2. Weltkrieg. Alles in allem gehören über 30 Originalflugzeuge, die meisten lufttüchtig, zur Sammlung.

Besonders viel zu sehen gibt es, wie schon gesagt, am Military Air Day, da reicht der Überblick von den angeführten Typen um 1915 bis zu den Red Arrows. Besonders beeindruckend sind dabei die Battle of Britain Memorial Flight: eine Dreierformation bestehend aus Spitfire, Hurricane und Lancaster, sowie die Harvard-Trainer und Gladiator-Flugzeuge mit ihren dröhnenden Sternmotoren. Besonders angetan hat es mir die Gloster Gladiator. Es ist dies ein Kraftpaket von einem Doppeldecker, der noch in den Kriegsbeginn Jahren gegen die überlegenen Flugzeuge der Achsenmächte flog. Ebenfalls sehr interessant sind britische Düsenflugzeug-Veteranen und natürlich die Red Arrows.


Nachstehend möchte ich Ihnen die Adressen und Öffnungszeiten der erwähnten Museen angeben. Für die Daten der Flugtage in Old Warden, Duxford und Thorpe Park wenden Sie sich am besten direkt an die Organisatoren. Sehr empfehlenswert in diesem Zusammenhang ist der englische «Aeroplane-Monthly», der jedes Jahr einen kompletten Kalender aller fliegerischer Ereignisse sowie Adressen und Inhalt sämtlicher britischer Flugzeugmuseen publiziert.


The Science Museum
Exhibition Road, London SW7 2DD

Offen: Mo-Sa 10-18.00 Uhr, So 14.30-18.00 Uhr

The Imperial War Museum
Lambeth Road, London SE1 6HZ

Offen: Mo-Sa 10-17.50 Uhr, So 14.00-17.50 Uhr

The RAF Museum, The Battle of Britain Museum

Hendon, London NW9 5LL

Erreichbar per U-Bahn

Offen: Mo-Sa 10-18.00 Uhr, So 14.00-18.00 Uhr

The Imperial War Museum
Duxford Airfield, Cambridge CB2 4QR

Von London aus per Zug erreichbar mit der Liverpool-Street-Cambridge-Linie entweder Whittlesford-Station, ca. 2,4 km

entfernt oder Cambridge, von wo aus Busse direkt zum Flugplatz fahren.

Offen: Mitte März bis 1. November, täglich 11-17.30 Uhr

Thorpe Park

Staines Lane, Chertsey Surrey KT16 8PN

Erreichbar von London-Victoria-Station aus mit Green-Line-Bussen, die London mit der Umgebung verbinden.

Offen: Mitte April bis Ende September, täglich 10-18.00 Uhr

The Shuttleworth Collection

Old Warden Aerodrome, NR. Biggleswade, Beds.

Erreichbar von London per Zug von Kings Cross Station ist Biggleswade, 3 Meilen vom Flugplatz, wobei an Flugtagen durch British Rail ein komplettes Transfer-Programm von London direkt zum Flugplatz angeboten wird.




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