Regionen & Vereine

Leserbrief

von E. Japichino
5

Sehr geehrter Herr Giezendanner

Als Obmann der Modellfluggruppe Rothrist ist mir das Weiterbestehen des Modellfluges sicherlich ein Anliegen. Leider stehe ich, so scheint es mir oftmals, alleine da. Viele Modellflieger haben das Gefühl, die Welt warte auf sie und könne ohne sie nicht sein. Dazu zwei kleine Geschichten.


Erste Geschichte, Segelflugwochenende auf der Grossen Scheidegg 2017

Da das Wetter nicht so zum Segelfliegen einlud, packten einige Modellflieger (keine Rothrister) ihre Elektro-Motormodelle aus und flogen im Bereich des Bergrestaurants um die Ecken, dass Gott erbarm. So kam, was kommen musste. Die Kollegen des Piloten stachelten diesen an, immer schneller und tiefer zu fliegen. Am besten zwischen dem Info-Häuschen und dem Wegweiser-Pfosten hindurch. Das Modell touchierte, zerlegte sich in seine Bestandteile und der Motor schlug nur Zentimeter oberhalb des Kopfes eines Kollegen des Piloten in die Hüttenwand ein und blieb dort stecken. Sie können sich selber ausmalen, was es für Folgen

haben könnte, wenn einmal der Motor etwas tiefer zu fliegen kommt.


Zweite Geschichte, auch wieder Segelflugwochenende auf der Grossen Scheidegg 2018

Die gleichen Piloten wie im Vorjahr kamen einfach auf die Grosse Scheidegg, obwohl die Wirtin, auf unser Bitten hin, diesen gesagt hatte, dass kein Platz mehr im Hotel sei. Ich bin nicht gegen Modellflugkollegen, aber nach den Erfahrungen vom Vorjahr waren wir gebrannte Kinder. Auf der Grossen Scheidegg muss man ca. 10 bis 20 Minuten zu den Fluggeländen laufen. Zusammen mit den in sehr grosser Zahl vorhandenen Touristen und Wanderern. Es gibt zwar eine Strasse, aber dort herrscht Fahrverbot für nicht Berechtigte. Ungeachtet dieses Verbotes und des guten Willens, die Touristen und Wanderer nicht zu ärgern, haben unsere «Kollegen» den VW-Transporter mit Modellen und eigenen Kollegen gefüllt und sind zu einem Startplatz gefahren. Darauf angesprochen, warum sie aus

Rücksicht auf den eh schon durch Wildflieger und Drohnen-Rowdies angekratzten Ruf auf solche Transportfahrten im Gebirge nicht verzichten, erhielt ich nur ein Schulterzucken. Der Gesichtsausdruck meines Gegenübers sprach jedoch Bände. «Du bist doch ein Knallkopf. Wir machen hier, was wir wollen, wir sind schliesslich Modellflieger und die Touristen und Wanderer haben ihre Freude an uns», sagte er zu mir. «Weisst du, bei uns auf unserem Modellflugplatz, da haben die Spaziergänger Freude daran, wenn wir fliegen.» Uneinsichtig!


Nun zu den Schlussfolgerungen aus diesen Geschichten. Ja, es sind nur kleine, punktuelle Geschichten und vermutlich nicht flächendeckend zutreffend, jedoch tendenziell sicherlich mit einem nicht geringen Quäntchen Wahrheit durchzogen. Durch die Anhäufung von Drohnen-Rowdies und das Aufbauschen von Zwischenfällen mit Drohnen durch die, oftmals, ahnungslosen Medien sowie mit Anflügen von Grössenwahnsinn gesegneten Modellpiloten gerät un-

ser Hobby in Gefahr, von der Nicht-Modellflug-Welt als nicht notwendiges Übel betrachtet zu werden. In einigen Gebieten wurde ja schon durchgegriffen und das Modellfliegen untersagt. Dadurch, dass es Modellflieger gibt, welche das Gefühl haben, Modellflug sei die wichtigste Sache überhaupt, und alle anderen müssten das akzeptieren, könnte das Ansehen der Modellfliegerei Schaden nehmen.


Ich weiss nicht, ob Sie diese Geschichten veröffentlichen wollen. Es würde jedoch sicherlich nicht schaden, der Modellfluggemeinde wieder in Erinnerung zu rufen, dass zwar für uns das Modellfliegen sehr wichtig ist. Wenn wir unser Hobby jedoch weiterhin betreiben wollen, werden wir je länger, je mehr auf den guten Willen von Behörden und, fast noch wichtiger, der Bürger angewiesen sein. Der falsche Bürger im falschen Moment am falschen Ort kann verheerende Auswirkungen auf unser Hobby haben. ■

Freundliche Grüsse
E. Japichino



Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙