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Fesselflugmodelle für Kunstflug

von Peter Germann
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Fesselflugmodelle für Kunstflug sind hochspezialisierte Modellflugzeuge für das Fliegen von verschiedenen Manövern an zwei 20 m langen Stahldrähten. Dabei steht der Pilot im Zentrum seines halbkugelförmigen Flugraumes und steuert seine Maschine über ein Hebelwerk im Innern des Modells und durch Handbewegungen um die Querachse des Flugzeuges. Dies bei einer Geschwindigkeit von ca. 85 km/h, was bedingt, dass er sich dabei fortwährend um seine eigene Achse drehen muss.


Was, in Bezug auf Drehschwindel, nach einer kurzen Gewöhnungsphase in aller Regel gar kein Problem ist. Sicher deutlich anspruchsvoller ist es, dass dabei die vorgeschriebenen Flugwege in den 14 standardisierten Manövern mit einer Toleranz von +/- 30 cm einzuhalten sind und die verlangten Abfanghöhen aus dem senkrechten Sturzflug gerade einmal bei 1,5 m liegen. Diese Kriterien bei einer Geschwindigkeit von 25 m/sec und über eine Flugdauer von 6 Minuten zu erfüllen ist eine ganz spezielle, und damit durchaus faszinierende, Herausforderung. Voraussetzungen dafür sind ein technisch möglichst perfekt ausgelegtes und eingestelltes Modell und ein über viele Jahre sehr fleissig trainierter Pilot. Heute, mehr als 60 Jahre nach

der Anerkennung des Fesselfluges als Modellflugsport im Rahmen der FAI, betreiben weltweit mehrere Hundert Modellflieger die Kategorie Kunstflug F2B sowohl als Wetbewerbsport bis auf Stufe Weltmeis-

terschaft als auch als anspruchsvolle, mehr oder weniger intensive Freizeitbeschäftigung. Ein kurzes Video dazu gibt es hier:

https://www.mycloud.ch/s/S00F572C10969F3214A34AA0A0A6C15994E575CF879


Die Flugzeuge

Mit einer Spannweite von in etwa 1,5 m und einem Startgewicht in der Grössenordnung von 1,8 kg sind F2B-Modelle einerseits Leichtgewichte und andererseits äusserst stabile Konstruktionen, welche Lastvielfache von 15 G über viele Hundert Flüge aushalten müssen. Dass es dabei durchaus

üblich ist, die Modelle form- schön zu gestalten und attraktiv in professioneller Qualität zu lackieren, macht die Konstruktion und den Bau zwar nicht gerade einfach, ist aber immer wieder ein guter Grund, um einmal mehr das «ultimative» Modell zu bauen...

Mit der Verfügbarkeit von Composite-Bauweisen ist der Einsatz von fertig gebauten und wettbewerbsfähigen Modellen sehr weit verbreitet. Die hochpräzisen und dennoch leichten Modelle haben dem Fliegen von F2B-Modellen einen deutlichen Schub verliehen und sie sind heute mit einem Anteil von ca. 50% an den Euro- und



Aufbau C2.

Weltmeisterschaften vertreten. Die Modelle werden nach Kundenwunsch entweder mit einem speziellen F2B-Verbrennungsmotor oder dann mit einem elektrischen Antrieb geliefert. Die aktuellen Beschaffungskosten für so ein flugfertiges Modell liegen bei einer Grössenordnung von 2500– 3500 €, bei einer Lieferzeit von bis zu 1 Jahr.

Eine weltweit verbreitete Version der Composite-Modelle ist der über viele Jahre und über eine erhebliche Flotte ausgereifte Shark. Das Flugzeug wird in der Ukraine von Spitzenpiloten gebaut, nach Wunsch in ausgezeichneter Qualität lackiert und vor dem Versand professionell eingeflogen und justiert. Die sehr leichte Ma-

schine kommt, vollständig zerlegt, in ihrer Transportbox und kann sofort eingesetzt werden. Ein zuverlässiger Reparaturservice gehört zum Lieferumfang.

Nach wie vor ist es jedoch seit vielen Jahrzehnten so, dass die halbe Freude darin besteht, ein Flugzeug zu entwerfen und es in hoher Güte bei geringem Gewicht zu bauen. So ein Projekt dauert dann schon einmal ein halbes Jahr, was den Vorteil hat, dass dann auch die halbe Freude genauso lange dauert.

Am Beispiel meines Citation Two obenstehend der prinzipielle Aufbau des Rumpfes:

Die zugehörige Tragfläche ist mit einem symmetrischen Profil von 18% Dicke und einer

Spannweite von 1470 mm in Rippenbauweise gehalten und mit Polyspan-Vlies und Papier bespannt. Beachtenswert sind die gegenläufig mit dem Höhenruder gekoppelten Wölbungsklappen. Diese erzeugen den in scharfen Ecken benötigten erheblichen Zusatzauftrieb. Das Modell ist vollständig aus ausgesucht leichtem Balsaholz gebaut. Es ist mit 2-Schicht-Autolacken gespritzt und wiegt startbereit 1800 Gramm. Damit liegt die Flächenbelastung bei 40 g/m².


Die Antriebe

F2B-Antriebe laufen während der ganzen Flugzeit von ca. 6 Minuten völlig autonom, d.h., ihre Leistung darf vom Piloten nicht beeinflusst werden. Da

nun aber der Leistungsbedarf zur Einhaltung der Geschwindigkeit und damit des zur Steuerbarkeit unverzichtbaren Zuges der Zentrifugalkraft auf den Steuerleinen je nach der Position des Modells auf der Flughalbkugel unterschiedlich ist, resultiert daraus die Forderung nach der automatisch richtigen Leistung im richtigen Moment.

Die Hersteller von ganz speziellen F2B-Verbrennungsmotoren haben in langjähriger Arbeit ihre Triebwerke so konstruiert, dass sich deren Leistung lastabhängig und selbsttätig dem Flugzustand anpasst.

Durch geeignete Dimensionierung der Bauteile, durch ausgesuchtes Material sowie durch exakt passende Propeller, Schalldämpfer, nicht zuletzt auch durch die Zusammensetzung des Treibstoffes wird so der Leistungseinsatz dem Flugprofil eines F2B-Modells angepasst.

Seit einiger Zeit stellt uns die Industrie leichte und sehr leistungsfähige Elektromotoren und geeignete Batterien zur Verfügung. Nachdem die F2B-Gemeinde solche Antriebe zuerst mit konstant geregelter Drehzahl einsetzte, sind fortschrittene Systeme heute in der Lage, durch das Messen der Beschleunigungen im Flug die an der jeweiligen Position auf der Halbkugel notwendige Leistung zu bestimmen und verzögerungsfrei einzusetzen.

Ein nahe des Schwerpunktes im Flugzeug waagrecht eingebauter Sensor von 25 × 25 mm enthält sowohl einen 2-Achs-



Beschleunigungsmesser als auch einen frei programmierbaren Rechner zur Erzeugung der Steuersignale für einen zwar modifizierten, aber weitestgehend handelsüblichen Regler (Jeti Spin 66). Mit der über eine Jeti-Box frei programmierbaren, vollautomatischen Leistungsteuerung elektrischer Antriebe stellen elektrisch betriebene F2B-Wettbewerbsmodelle heute den Stand der Technik dar.


Weiterführende Information:

Zum Flugzeug «Citation Two» gibt es Detailzeichnungen, Zusammenstellungen und eine sehr ausführliche Bauanleitung mit Angaben zu allen Materialquellen. Die vollständige Dokumentation ist frei verfügbar auf:

https://www.mycloud.ch/sS000CA232F1DD053AA0362EEE8DE257AE1EF2C533E5

Die Website der Fachkommission F2 des Schweizerischen Modellflugverbandes (SMV) illustriert das Fesselfluggeschehen in der Schweiz und enthält viel Wissenswertes, so wie Reglemente, Termine und technische Tipps:

https://www.fesselflug.ch/

Ein täglich aktualisiertes Forum zum Thema in englischer Sprache und vor allem aus Sicht der sehr aktiven Kunstfluggemeinde in den USA gibt es hier:

https://stunthanger.com/smf/index.php#8

Auch auf Facebook sind unter dem Begriff «Control Line Flying» zahlreiche «Groups» aus allen Teilen der Welt zu finden.


Wo fliegen?

Fesselflugmodelle benötigen ein ebenes, wirklich tief gemähtes Flugfeld von ca. 50 x 50 m. Ist das Feld dann auch noch frei von Hindernissen und der Platzhalter einverstanden, dann kann sowohl auf geeigneten Modellflugplätzen als auch beispielsweise auf Fussballplätzen geflogen werden.



Elektrisch angetriebene Modelle sind leise. Deswegen und durch die maximale Flughöhe von 25 m stellt ihr Betrieb in aller Regel kein wirkliches Problem dar. Aus Sicherheitsgründen ist es allerdings immer sehr sinnvoll, einen fachkundigen Flughelfer dabei zu haben.


Worum es wirklich geht

F2B-Modelle zu entwerfen, zu bauen und sie dann im Training und an Wettbewerben im Kreis von Kameraden zu fliegen ist eine schwierige, anspruchsvolle und auch durchaus aufwendige Sache. Dazu gehören endlose Überlegungen technischer Art, ständiges Lernen und Aus-

tauschen unter Freunden und nicht immer problemloses Beschaffen von Material und Bauteilen aus aller Welt. Dazu gehört aber auch das oft lebenslange Erleben von Freundschaften unter Gleichgesinnten. Ja, F2B ist wirklich nicht einfach, dafür aber nachhaltig wirklich gut.



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