Eine Olympiade für Fesselflieger
Vom 14. bis 19. Juli hat in Landres, Frankreich, die Fesselflug-Weltmeisterschaft stattgefunden. Mit rund 320 Konkurrenten und noch mehr Supportern aus 45 Ländern war es wohl die weltweit grösste Modellflug-Meisterschaft 2018. Und es war ein Anlass der Superlative. Alles hat gestimmt: Das Wetter, die perfekten Fluganlagen, die Rekordbeteiligung, die Organisation der Wettbewerbe, das Rahmenprogramm, die Atmosphäre. Es war wie eine Olympiade für Modellflieger.
In Landres wurden alle gängigen Fesselflug-Kategorien geflogen: Speed F2A, Aerobatics F2B, Team Racing F2C und Combat F2D. Auch fünf Schweizer Konkurrenten waren am
Start: Lauri Malila, Peter Germann, Dani Baumann in Aerobatics sowie Gina und Cesare Saccavino im Team-Racing. Die Schweizer Konkurrenten waren für die Wettkämpfe gut vorbereitet. Alle absolvierten sie vorher unzählige Trainingsläufe und nahmen nach Möglichkeit an internationalen Wettbewerben teil.
Die Eröffnung der Weltmeisterschaft begann mit einem Paukenschlag. Die französischen Organisatoren hatten den Termin dafür perfekt gelegt, nämlich auf ihren Nationalfeiertag, den 14. Juillet. Somit war ein grosses Fest garantiert mit dem absoluten Höhepunkt am Schluss: ein gigantisches Feuerwerk – eine halbe Stunde lang! Das nächste Fest folgte gleich am Tag danach: das Fussball-

WM-Endspiel zwischen Frankreich und Kroatien. Der Match wurde auf Grossbildschirmen auf dem Wettbewerbsgelände übertragen. Der Jubel nach jedem französischen Tor – vor allem aber nach dem Sieg – war grenzenlos, und die Hupkonzerte in den Strassen dauerten die ganze Nacht hindurch.
Doch in Landres wurde nicht nur gefeiert, sondern auch auf höchstem Niveau geflogen. Und wenn gerade kein Wettkampf stattfand, wurde unermüdlich trainiert. Die Leistungen der Konkurrenten aus der ganzen Welt waren sehr beeindruckend.
Auch die Schweizer Teilnehmer zeigten ihr Können. Nach anfänglichem Pech konnten sich die Aerobatics-Piloten Peter Germann und Daniel Baumann von Durchgang zu Durchgang verbessern und belegten schliesslich Plätze im Mittelfeld.
Lauri Malila verpasste den Final der besten 15 gar nur um wenige Punkte und blieb in der Rangliste unter den besten 20. Ein erfreuliches Resultat gab es für die Schweizer Aerobatics-Piloten auch bei der Mannschaftswertung. Sie erreichten den guten 15. Platz und lagen damit in der ersten Tableau-Hälfte!
Im Team Racing sorgte das Schweizer Team für viel Aufmerksamkeit. Ein Team aus Tochter und Vater hat es in der Szene noch nicht oft gegeben. Gina als Team-Racing-Pilotin ist derzeit auch die einzige Frau, die sich auf internationalem Parkett an diese fast unlösbare Aufgabe wagt. Für sie war es der erste grosse Auftritt an einer Weltmeisterschaft. Vater Cesare als Team-Racing-Mechaniker betreibt diese Sportart hingegen schon seit Jahrzehnten auf höchstem Niveau. →

Die Spannung vor dem ersten Rennen war denn auch gross, und das Publikum aller Nationen rund um die Piste fieberte mit dem Schweizer Team mit. Das Rennen startete – und zur Freude aller setzte sich Gina mutig und gekonnt gegen ihre Gegner durch. Ihr Rennen endete schliesslich mit der Superzeit von 3.17,1. Es war das schnellste Rennen, das Gina je geflogen hatte – und das ausgerechnet an der Weltmeisterschaft. Spätestens jetzt war Gina zum Liebling der internationalen Team-Racer-Szene geworden.
Doch beim Team-Racing braucht es immer zwei. Auch Cesare erledigte seine Arbeit als Mechaniker perfekt. Als ehemaliger Weltmeister hat er nichts von seinem Können verlernt. Die Zeit von 3.17,1 reichte schliesslich knapp nicht für den Halbfinal der besten Zwölf. Mit Schlussrang 16 waren die beiden jedoch mehr als happy.

Die Fesselflug-Weltmeisterschaft in Landres ist mittlerweile Geschichte. Es war ein Anlass, der lange in bester Erinnerung bleiben wird und kaum zu überbieten ist. Und obwohl die Schweizer Teilnehmer nicht zuvorderst in den Ranglisten erscheinen, so haben sie doch alle sehr gute Leistungen gezeigt und dürfen mit dem Erreichen zufrieden sein – vor allem natürlich Gina Saccavino, die 19-Jährige, die mit ihrem beherzten, professionellen Auftritt als Team-Racing-Pilotin die Achtung und Sympathie der weltweiten Team-Racer-Szene wahrlich im Fluge erobert hat.
Link zu den Schlussranglisten:
http://www.f2cml.org/index.php/fr/wc2018
*Ursula Borer,
Team-Managerin*


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