Titelstory

Fesselflug Elektro-Speed erstmals über 300 km/h – das ist unsere Geschichte!

von Daniel Rota und Guy Ducas
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Eines Tages fliegen wir unter 12 Sekunden. Das war unser Ziel!

An der Schweizer Meisterschaft F2G Elektro-Speed in Breitenbach, am 19. September 2020, haben wir mit zwei perfekten Flügen – weltweit erstmals in dieser Kategorie – die magische Geschwindigkeit von 300 km/h erreicht.


Motor ON...! Der Propeller beginnt sich zu drehen, das Flugzeug wird losgelassen, es beschleunigt schnell und hebt dann ab.

Im Kreis, wenn wir mit Vollspeed 80 m/s erreichen, dann passiert es – die Augen des Piloten sind auf das Modell fixiert, der Rest verblasst und verschwindet in einer wirbelnden Landschaft. In genau diesem Moment gibt es keinen Spielraum mehr für Fehler, man muss atmen, fliegen und die 9 Runden (insgesamt 1 km) halten, damit die Stoppuhr, der einzige Richter, seine Antwort geben kann.

Eines Tages fragte uns jemand, warum wir Fesselflug betreiben. Wir haben geantwortet: «Beim Modellfliegen ist es die einzige Disziplin, die es uns erlaubt,



das Flugzeug im Flug zu spüren. Die Kabel übertragen uns seine Beschleunigung, seine Schwingungen, ja, es spricht zu uns.» Auf die weitere Frage, was uns bei der Geschwindigkeitskategorie so motiviere, war unsere Antwort «... 12 Sekunden – 300 km/h»!

An der Schweizer Meisterschaft 2020 war es so weit: Wir übertrafen mit zwei perfekten Flügen die magische Geschwindigkeit von 300 km/h: Die 12 Sekunden fielen. Guy Ducas mit 300,03 km/h (11,998 Sekunden für 1 km) und Daniel Rota mit 302,7 km/h (11,89 Sekunden) setzten eine neue Geschwindigkeitsmarke für die Kategorie. Diese Leistungen stellen den Höhepunkt der vor 7 Jahren begonnenen Arbeit dar und bedeuten für Elektro-Speed F2G eine neue Dimension.


Die Technik

Man denke nicht, dass elektrisch gleichbedeutend mit Einfachheit ist. Es gibt zu diesem Thema hundert Fragen zu beantworten, und wenn es um Geschwindigkeit geht, ist es noch heikler. Unsere Modelle sind die Formel 1 der Luft. Sie sind kleine Wunder, Konzentrate von Wissen und Expertise. Die Komponenten werden maximal ausgenutzt. Auch muss man an das Management der in den Batterien enthaltenen Energie denken. Denn am Ende – während dem Rennen – gibt es keinen Spielraum mehr!



Die Entwicklung

Die Entwicklung unseres täglichen Lebens führt uns jeden Tag zu neuen Lösungen, die elektrische Antriebe nutzen. Der Modellbau passt perfekt zum Aufkommen neuer Technologien bei Motoren und Batterien und bietet Anwendungen, die gestern noch unmöglich waren.

Vor 7 Jahren musste das kleine Team von Guy Ducas und Daniel Janan (F) alles von Grund auf neu erfinden. Zu diesem Zweck trafen sie sich mit Marco Cantoni (EPFL Lausanne), um die Grundlagen der Motoren kennenzulernen, und mit Patrick Constant (F) für die Mechanik und Konstruktion. Weiter haben sich Jon Mayo und Daniel Rota für die Disziplinen Elektronik und Aerodynamik dem Team angeschlossen – ohne dabei die Hilfe mehrerer anderer Personen zu vergessen. Eine echte Teamleistung.

Trotz der häufigen Rückschläge, verpassten Starts, beschädigten Motoren, explodierten Reglern, aufgeblasenen Batterien und Zeiten des Zweifels und der Entmutigung gelang es, 2018 endlich zu einer Grundausstattung zu gelangen, die uns mit Geschwindigkeiten von rund 270 km/h einen technologischen Schritt vorwärtsbrachte.

2019 arbeiteten wir weiter am Anlassmanagement der Triebwerke, um den Start und den Übergang in den Pylon zu erleichtern, zudem an der Erhöhung der von den Triebwerken aufgenommenen Leistung.



Komponenten für 270 km/h
MotorDiamètre: 29 mm; kV: 2600
Leo L3025 ou 3031
Batterien6S de 1100 à 1300 mAh
Minimum 70C
Tattu – Thunder-Power
ESCCastle Phoenix Edge Lite 50 A
Timing 0 à 5 Fréquence 8 kHz
PropelleAPC 4.75x4.50 = environ 230 km/h
APC 4.75x4.75 = environ 250 km/h
PC 5.0x5.0 = + 260 km/h

Eine Frage, die wir uns schon seit geraumer Zeit stellen, wurde nun entscheidend für den weiteren Fortschritt: Wie können wir die Flugqualität unserer Flugzeuge verbessern? Deshalb haben wir bei der Arbeit im Winter 2019 – und mit einem Taschenrechner in der Tasche – neue Einstellungen für die Flugzeuge der Saison 2020 definiert.

Wie von COVID-19 vorgeschrieben, haben wir die Flüge erst im Mai 2020 wieder aufgenommen. Und die Ergebnisse waren gut. Die während des Winters geleistete Arbeit hat sich gelohnt. Endlich flogen die Flugzeuge viel besser, sie hatten an Manövrierfähigkeit und Stabilität gewonnen, was zu einem sehr beachtlichen Flugkomfort führte. Grossartig!



Der Erfolg

Mit Elektronik im Kopf, Watt in den Batterien und schönen Geschwindigkeiten 2019 in Lugo (Italien) – 297 km/h – reisten wir am Ende der Saison 2020 dann an die Schweizer Meisterschaft in Breitenbach. Und der grosse Coup gelang!


Die Zukunft

Die F2G-Bewegung begann vor 7 Jahren mit einem Schweizer Team. Heute schliessen sich ihr verschiedene Länder an: Frankreich, England, Spanien, Deutschland, Österreich, Polen.

Hat der Fortschritt seine Grenzen? Wir denken nicht, und wir werden daran arbeiten, die Flugzeuge zuverlässiger zu machen, indem wir ihre Flugeigenschaften weiter optimieren und die Motoren robuster machen, um letztlich effizienter zu fliegen.

Wir denken auch an ein Projekt zur Förderung der Kategorie mit der Entwicklung eines einfachen F2G-Geschwindigkeitsmodells, das allen Piloten, die es ausprobieren wollen, zugänglich ist. Wir freuen uns darauf, Sie beim Fliegen im Fesselflug-Kreis zu sehen. Und vergessen Sie nicht, dass es bei mehr als 80 m/s nur noch magisch ist!


FAI-Rules

Section 4 – Aeromodelling/Volume F2/ Control Line Model Aircraft 2020 Edition/Annex 4K – Class F2G CL Electric Speed, Page 109




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