Peanuts im Einsatz
Ergänzend zu meinem Bericht in Modellflugsport 1/81 beschreibe ich jetzt meine Erfahrungen und Erlebnisse mit den kleinen Modellen an grossen Wettbewerben.

Da die Peanut-Wettbewerbe nicht zahlreich sind, lege ich Wert darauf, wenigstens an denjenigen teilzunehmen, die organisiert werden. So schickte ich das Fokker F VIIa-Modell in einer kleinen Kiste mit Feder-Aufhängung gegen Schläge, zusammen mit Baubewertungsunterlagen und Fluganleitung, per Luftpost nach den USA zur Proxy-Teilnahme. Der Wettbewerb wurde in der Lichthalle einer Hotelfachschule mit den gewaltigen Abmessungen von 60 m Durchmesser und 30 m Höhe durchgeführt. Es galten die üblichen Peanut-Bestimmungen: 13 Zoll Spannweite oder 9 Zoll Rumpflänge. Keine Gewichtsvorschriften. Es wurde in 5 Klassen gestartet-
Klasse 1: Pionier: Flugzeuge vor dem 1. Weltkrieg
Klasse 2: Kriegsflugzeuge 1.+2. Weltkrieg zusammen
Klasse 3: Goldene Zeit: Flugzeuge zwischen den zwei Weltkriegen
Klasse 4: Moderne Zeit: Flugzeuge nach dem 2. Weltkrieg
Klasse 5: Mehrmotorige, Helikopter und Flugboote
Für Klassen 1 bis 4 wurde Bodenstart vorgeschrieben. Die Baubewertung ist sehr sinnvoll gestaltet und musste teilweise vom Teilnehmer selbst ausgefüllt werden. Eine Kombination von Bau-Rang und Flug-Rang gab dann den Schlussrang. Bei Punktgleichheit zählt die bessere Baubewertung. Total wurden 79 Peanuts aus 5 Ländern angemeldet. Die meisten aus den USA. Mit 29 gewerteten Modellen wies die Klasse «Moderne Flugzeuge» am meisten Teilnehmer auf. Von diesen 29 waren 10 vom Typ Lacey M-10. Die Ränge 1 bis 3 ebenfalls Lacey M-10. Somit ist dieses Amateurbauflugzeug das populärste Vorbild der Klasse «Modern».
Eineinhalb Wochen nach dem Wettbewerb war die Kiste mit dem Fokker schon wieder bei mir zu Hause. Das Modell hat die beiden Atlantikflüge und 5 Wettbewerbsflüge unbeschädigt überstanden. Meine beiden USA-Proxy-Flieger John Adams und Jack Niederhauser beschrieben mir in einem beigelegten Bericht jeden Flug sehr genau. Mein Modell wurde sehr sorgfältig eingesetzt und erreichte für die 2 gewerteten
Flüge (von 9 möglichen Versuchen) optimale Zeiten (30,6 Sek. und 35,8 Sek.). Damit erreichte der Fokker (Klasse «Goldene Zeit») den 4. Schlussrang, entstanden aus 4. Baurang und 12. Flugrang. Ich bin angenehm überrascht, dass dieses Proxy-System so schön funktioniert. Man sieht da doch eine erfreuliche internationale Kameradschaft dahinterstecken. Viel schöner wäre es natürlich, selbst dabei zu sein. Dies war in Flémalle/Belgien der Fall. Der folgende Bericht beschreibt die dortigen Ereignisse.
Nach dem positiven Eindruck des 4. Indoor-Wettbewerbes 1980 in Flémalle war ich auch dieses Jahr wieder von der guten Organisation beeindruckt. Dass in einem kleinen Dorf wie Flémalle einige Idealisten den guten Willen haben, einen solch bedeutsamen Wettbewerb durchzuführen, muss lobend erwähnt werden.
In folgenden Klassen wurde geflogen:
Peanut-Anfänger: 7 Modelle und 1 Modell ohne Flugwertung
Peanut-Experten: 32 Modelle und 8 Modelle ohne Flugwertung
Sainte-Formel: 2 Anfänger und 12 Experten
F1D Microfilm: 5 Teilnehmer
F1D Papier: 1 Anfänger und 8 Experten
Penny Plane: 3 Teilnehmer
EZB: 1 Anfänger und 11 Experten
Am Samstag flogen die Klassen F1D und EZB, während die Peanuts die Baubewertung über sich gehen lassen mussten. So war der «Himmel» der Sporthalle dicht «bevölkert» mit den langsam dahinschwebenden Leistungsmodellen. Ein sehr schönes Bild. Am Boden, das heisst auf Tischen, machten sich die 3 Baubewerter hinter die aufwendige Bewertung der Peanuts. Das war keine leichte Arbeit, diese 48 massstäblichen Flugzeugmodelle zu bewerten. Die Spannweiten wurden mit einer speziellen Messvorrichtung kontrolliert. Am Sonntag galt es dann ernst. Flugtag für Peanuts und Sainte-Formel. Die Baubewertungsergebnisse standen schon am Morgen auf einer Tafel. Da wusste schon jeder, was er zu fliegen hatte. Alle schauten auf den Engländer Mark Hinton. Schon in der Baubewertung war seine Doppeldecker-Ente «Santos Dumont 14bis» an zweiter Stelle. Als dann das ca. 3 g leichte Modell im Zeitlupentempo viele schöne Runden flog, wussten alle, wer der Favorit war. Erfreulich war auch die Anwesenheit einiger deutscher Peanut-«Neulinge». Die Deutschen J. Weil und H. Heinrath brachten mehrere sehr schöne Modelle mit und starteten in der Peanut-Anfängerklasse. Da sind doch Aussichten auf neue, tüchtige Spezialisten festzustellen. Die Gattin des bereits zum zweitenmal teilnehmendem Siegfried Glöckner liess sich mit ihrem sehr sauber gebauten Lacey M-10 gleich bei den Experten eintragen. Da ist doch ein besonderes Lob am Platz: Diese nette Dame kann nicht nur schön bauen, sie kennt sich auch in der Aerodynamik bestens aus!

Da dieses Jahr der Franzose E. Fillon nicht anwesend war, war nur noch eines der «gefürchteten» Gossamer-Muskelkraftfluggeräte im Einsatz. C. Frugoli, Frankreich, erreichte damit den 3. Schlussrang. Sonst war eine bunte Vielfalt von verschiedenen Flugzeugtypen zu sehen. Eine grosse Sammlung aus allen Sparten und Zeitaltern der Aviatik. Da die Halle nicht sehr hoch ist, sind die leichten und langsamen Modelle im Vorteil. Benno Sabel, BRD, erschien mit einem brandneuen Enten-Doppeldecker Voisin 1911. Ganz super gebaut. 3. Rang in der Baubewertung. Leider war dieser Oldtimer noch nicht richtig eingeflogen. Anzeichen für gute Flugeigenschaften sind aber eindeutig vorhanden. Er erreichte den 16. Schlussrang. Ich machte es den Baubewertern und Zeitnehmern nicht leicht, denn ich setzte 7 Peanuts ein: C-3605, 2 Stück
Pilatus-Porter, Blériot XIb, Fokker F VIIa, Bébé Jodel und Bucker-Jungmann. Bucker und Fokker waren zu schwer, um im zur Verfügung stehenden Raum gute Kurvenflüge zu fliegen. Die C-3605 und der leichtere Porter zeigten brauchbare Flüge. Die C-3605 kam auf den 8. und der bessere Porter auf den 10. Schlussrang. Bis zum 7. Rang sind keine Wertungsflüge unter 60 Sekunden zu finden. Beachtliche Leistungen des Engländers Mark Hinton und einiger französischer Kameraden. Wenn ich auch fliegerisch keine Spitzenmodelle habe, so bin ich dafür mit dem Spezialpreis für die höchste Baubewertung zufrieden, der für den Blériot XIb vergeben wurde.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich die Faszination der Peanut-Fliegerei betonen. Eine interessante Möglichkeit, mit wenig Geld, aber mit viel Geduld und Können, etwas Sinnvolles zu betreiben. Die Schweiz als Land der Uhren- und Präzisionsindustrie sollte eigentlich ganze Scharen von Peanut-Fliegern an diese Wettbewerbe bringen. Wer macht mit?
Auskunft und Beratung:
Alfred Genther, Gumpisbuelstr. 35,
8600 Dübendorf
Tel. 01/8210434
Peanut-Anfänger
| 1. H. Heinath | BRD | Nesmith Coug. |
| 2. H. Heinath | BRD | Currie «Wot» |
| 3. J. Weil | BRD | Piper J3 |
| 4. H. Heinath | BRD | Luton Minor |
| 5. J. Weil | BRD | D. H. Gipsy M. |
| 6. J. Weil | BRD | Farman Moust. |
| 7. J. F. André | B | Nesmith Coug. |
Peanut-Experten
| 1. M. Hinton | GB | Santos Dum. |
| 2. C. Frugoli | F | Farman Moust. |
| 3. C. Frugoli | F | Gossamer |
| 4. F. Frugoli | F | Hirondelle |
| 5. P. Martin | F | Castaibert |
| 6. M. Hinton | GB | Farman |
| 7. J. Delcroix | F | SK 1 Trempik |
| 8. A. Genther | CH | C 3605 |
| 9. J. Delcroix | F | Pottier 100 T |
| 10. A. Genther | CH | Pilatus Port. |
| 11. A. Genther | CH | Blériot XI b |
| 12. R. Jossien | F | Leningradec |
| 13. A. Genther | CH | Pilatus HB-FF |
| 14. A. Genther | CH | Fokker F VII a |
| 15. J. Delcroix | F | Citabria |
| 16. B. Sabel | D | Voisin 1911 |
| 17. A. Genther | CH | Bébé Jodel |
| 18. J. Delcroix | F | Piper J3 |
| 19. A. Genther | CH | Bücker Jung. |
| 20. R. Lotz | D | Nesmith Coug. |
| 21. S. Glöckner | D | Lacey M 10 |
| 22. S. Glöckner | D | Nesmith Coug. |
| 23. Van Hauwaert | B | Alco-Sport |
| 24. M. Huybrechts | B | Loening M8 |
| 25. Van Hauwaert | B | Renard 31 |
| 26. D. Glöckner | D | Lacey M 10 |
| 27. M. Huybrechts | B | Wibault T 170 |
| 28. J. Kinon | B | L. S. 60 |
| 29. F. Begon | B | Lacey M 10 |
| 30. B. Sabel | D | Piper J3 |
| 31. B. Sabel | D | Waterman Rac. |
| 32. J. Kinon | B | Interstate Ca. |

Anfänger
| J. Weil | D | Siemens EI |
Experten
| G. Beaujean | B | DH9 |
| M. Huybrechts | B | Witt's V |
| G. Beaujean | B | Nieuport |
| M. Huybrechts | B | Shoestring |
| M. Huybrechts | B | Inronsides |
| A. Kinon | B | Ganagobie |
| F. Begon | B | Fokker 8 |
| J. Kinon | B | Huntington H |
| 1. J. F. André | B | |
| 2. J. Weil | D | Diabolo |
| 1. M. Frugoli | F | |
| 2. C. Frugoli | F | |
| 3. P. Martin | F | |
| 4. F. Frugoli | F | |
| 5. R. Lotz | D | |
| 6. F. Defourny | B | Noir/Vert |
| 7. R. Jossien | F | |
| 8. J. Delcroix | F | St. Etique |
| 9. J. Delcroix | F | |
| 10. B. Sabel | D | «Move» |
| 11. F. Defourny | B | Bleu |


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