Titelstory

Leicht muss es sein und fliegen

von Peter Ziegler
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Was ist ein Short Kit?

Peter (Pete) Ziegler


EKW C-3603: Ein Gruppenprojekt mit viel Gummi

September 2019, Antikmodellflugtag MG Bern: Christian Ott und ich sind als Teilnehmer vor Ort. Testen und Fliegen unserer Gummimotormodelle. Diskutieren mit den Kameraden über Gott und die Welt und neue Projekte. Chris hat Interesse, eine C-36 zu bauen. Irgendwann. Selber habe ich auch schon darüber nachgedacht, aber nicht den «fliegenden Fussgängerstreifen», sondern die Kolben-version.


Tage später ein Mail von Chris mit einem Link auf eine Website einer Modellvereinigung aus den Staaten. Da bietet ein Hersteller ein Short Kit der C-3603 an! Sogenannte Short Kits beinhalten lediglich bedruckte oder gelaserte Balsabrettchen mit Rippen, Spanten, Kleinteilen und einen Bauplan. Alle anderen Materialien, die normalerweise in einem Baukasten beiliegen, wie Bauanleitung, Beplankungsmaterial, Leisten, Hauben, Räder, Bespannungspapier usw. fehlen hier. Es ist daher jedem Modellbauer selber überlassen, woher und wie er sich dieses besorgt.


C-36 – wer kennt die Schweizer Eigenentwicklung dieses Mehrzweck-Flugzeuges nicht?

Herbsttreffen 2019 der Gruppierung gummimotor.ch: Neben vielen anderen Themen ist auch die C-36 eines. Roman Gröner macht den Vorschlag eines «Coo-kup». Am Ende des Tages ist die Gruppe, welche eine C-36 bauen wird, auf sechs Personen angewachsen. In den Tagen danach hat Chris mit dem Hersteller Kontakt aufgenommen und die Kits bestellt. Am Frühlingstreffen 2020, zwei Tage vor dem Corona-Lockdown, werden die Kits an die Besteller übergeben und der Bau der Modelle kann beginnen. Jahrzehntelang war ihre Silhouette am Himmel zu sehen und ihre Antriebe (Kolbenmotor und später Turbine) zu hören. Dieser Typ ist gut dokumentiert durch die Bücher von Hans Prisi und Georg Hoch. Auch das Museum in Dübendorf ist eine gute Quelle für Recherchen. Dazu, wie heute geläufig, das www. So werden wohl irgendwann sechs unterschiedlich bemalte C-36-Modelle in den Himmel steigen! Der Bau der Modelle ist klassischer Modellbau aus Holz, wie wir «alten» Herren es seit Jahren gewohnt sind, und doch wird jeder das Modell nach seinen persönlichen Vorlieben bauen und gestalten. Roman beschreibt seinen Baustart wie folgt: «Wie bei den meisten meiner Projekte habe ich auch bei der C-36 mit dem Rumpf angefangen. Die eine Seite ist mal auf dem Baubrett und wartet, bis sie von den Pins befreit wird. Das Schöne an den lasergeschnittenen Teilen ist, dass sie sehr passgenau sind. Allerdings haben sie immer diese dunklen Ränder, die bei einer hellen Bespannung unschön durchschimmern. Beim Rumpf sehe ich hier weniger Probleme, beim Seitenleitwerk könnte es zum Tragen kommen, da die Teilenummer im Holz eingebrannt ist. Je nachdem, wie tief die Zahl eingebrannt ist, kann sie rausgeschliffen werden oder nicht... Im Notfall werde ich die beiden Seitenruder laminieren und nicht die originalen Teile verwenden. Ich baue mal beide auf und sehe dann weiter...»



Persönliche Treffen nicht möglich

Wie Roman, hat auch Chris mit dem Rumpf begonnen; ich habe zuerst den Hinterflügel und die beiden Seitenleitwerke gebaut. Chris hat dann ein enormes Tempo beim Bau vorgelegt, und sein Modell war bald im Rohbau auf dem Baubrett. Ein Rohbau, der sich sehen lassen kann. Durch ständige Kontakte via Mail und Telefon wurde die Detaillierung besprochen. Persönliche Treffen waren durch die Pandemie und ihre Auflagen lange Zeit nicht möglich. Und nur einfach nach Plan bauen, war nicht unser Ziel. So änderten wir den Vorderrumpf anhand unserer Unterlagen entsprechend ab. Chris versah sein Modell mit vorbildgetreuem, steckbarem Fahrwerk und Propeller für Ausstellungen. Teile, welche beim Flugbetrieb entfernt werden. Beide bauten das grosse, gut einsehbare Cockpit aus und setzten Piloten (Oblt. Oskar und Oblt. Schluffi) auf den Vordersitz.


Viele Details bis zum Erstflug

Und was machen die Kameraden? Roman kam nicht über den Baustart hinaus. Berufliche Gründe bremsten ihn aus. Andreas Koch, Fredi Genther und Peter Hunn haben noch gar nicht begonnen.

Chris und Pete hinderte dies nicht, ihre Modelle weiter zu bauen. Beide haben ihre Modelle mittlerweile rohbaufertig und bespannfertig. Und so wurden die Modelle bespannt: Bei Chris mit einem Flies, bei Pete mit Papier. Beide Modelle erhielten die Bemalung ab September 1944, die sogenannte Neutralitätsbemalung. Während sich Chris um die Cockpithauben gekümmert hat und diese sauber tiefzog, befasste ich mich mit den Beschriftungen und Hoheitszeichen, damit wir auch hier möglichst nah an das Vorbild kommen. Es entstanden drei Decalbogen, welche mit dem Laserdrucker auf weisse und farblose Decalfolie gedruckt wurden. Für die Bemalung verwendeten wir die bereits sehr dünnflüssigen Farben von Tamiya, welche so weit weiter verdünnt wurden, dass sie noch gut decken. Während Chris nur Ruder und einige wenige Wartungsklappen aufgezeichnete, habe ich zusätzlich dazu Blechstösse und Lüftungsschlitze mit feinem, wasserfestem Filzstift aufgezeichnet.

Unsere Vorschritte haben offenbar Andreas Koch überzeugt, den Bau seines Modells in Angriff zu nehmen. Getreu seiner Philosophie «Leicht muss es sein und fliegen!» begann er den Bau seiner C-36. Werden bei uns 2-blättrige Plastic-Propeller verwendet, so baut sich Andreas gleich von Anfang an einen dreiblättrigen Propeller aus Holz. Bei Chris Ott und Pete Ziegler sind nun die ersten Trimm- und Testflüge angesagt, doch mussten diese nicht, wie geplant, zusammen, sondern einzeln durchgeführt werden. Corona sei...



Das Modell in Zahlen
Spannweite:640 mm
Länge:458 mm
Gewicht:ca. 50 g (Andreas)
bis 95 g (Pete, Chris)
Antrieb:2-4 Loop FAI Rubber Tan
Super Sport 1/8"
Massstab:ca. 1:20


Und sie fliegt

Am 8. November 2020 erhob sich die EKW C-3603 C-516 auf dem Modellflugplatz der MG Solothurn zum ersten Mal in die Luft. Und sie fliegt! Das Modell von Chris folgte wenige Tage später (21. November 2020) in Wolfwil, und Andreas? Am 27. November 2020 erhob sich in Huttwil die dritte EKW C-3603 in den blauen Herbsthimmel über dem Huttwilerberg. Andreas hat sein Modell nur mit farbigem Papier bespannt und auf jegliche weitere Farbgebung zugunsten eines möglichst geringen Gewichts verzichtet. Das Modell erreicht so Flugzeiten von bis zu 90 Sekunden.

Unter https://www.youtube.com/watch?v=G5305qMlpR8 kann das Modell im Flug betrachtet werden. Nun hoffen alle, dass die bereits fertigen und noch folgenden Modelle bald an einem gemeinsamen Treffen geflogen werden können. Mittlerweile sind jedoch zwei Kameraden aus dem Projekt ausgestiegen.



Gummimotortreffen Gheid

Endlich! Letzten Samstag (24.7.2021) hatten wir unser erstes Gummimotortreffen nach der Absage der letzten Veranstaltungen wegen Covid. Trotz der nicht sehr schönen Wettervorhersage freuten wir uns alle auf die Veranstaltung. Wir hatten uns schon lange nicht mehr getroffen; es gab viel zu besprechen, zu entdecken und zu plaudern. Zudem war es das erste Treffen im Sommer. Normalerweise haben wir unsere Treffen im Frühjahr und im Herbst. Aber dieses Mal hatten wir die Chance, es im Sommer abzuhalten, da die SG Olten im Segelfluglager war und wir wiederum auf ihrem Heimatflugfeld Gastrecht erhielten. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Verantwortlichen der SG Olten! Immerhin war das Wetter gar nicht so schlecht. Wir hatten alles... es regnete mehrmals am Tag, aber wir hatten auch sonnige Fenster für unsere Flüge. Und die Modellausstellung wurde im Clubhaus aufgebaut: Gummimotor- und CO2-betriebene Modelle, rund 30 an der Zahl, mit elf Teilnehmern eine beachtliche Flotte. Weiter waren alle drei fertigen EKW C-3603 unseres Cook-up gemeinsam zu sehen. Nicht nur zu sehen, sondern auch im Flug zu bewundern, und fliegen tun alle drei. Ein Gewitter beendete dann den Flugbetrieb, doch wurde noch im Clubhaus der Kameradschaft gepflegt und dann machten sich langsam alle auf den Heimweg. Zufrieden und mit vielen Eindrücken und Ideen und – der Vorfreude auf das nächste Treffen.



CO2-Modelle sind immer wieder an unseren Treffen zu sehen. Konstruktion und Bau entsprechen jenem der Gummimotormodelle, nur werden sie nicht von Gummisträngen, sondern von einem CO2-Motor angetrieben. Eine alte, aber zunehmend in Vergessenheit geratene Antriebsart für freifliegende Modelle.

Auf dem Bild werden Modelle bereitgemacht. René Butty (sitzend) ist ein Experte in dieser Kategorie. Die zu sehenden Modelle stammen von ihm und Georgios Kandylakis.


Spannweite:640 mm
Länge:458 mm
Gewicht:ca. 50 g (Andreas)
bis 95 g (Pete, Chris)
Antrieb:2-4 Loop FAI Rubber Tan
Super Sport 1/8"
Massstab:ca. 1:20



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