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Konzentriertes Know-how und Qualität

von Emil Ch. Giezendanner
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Die Massenproduktion von sehr preiswerten bis billigen Kunstflugmodellen aus chinesischer Produktion von der kleineren Elektroflugklasse F5A über die F3A-Klassiker-Disziplin bis hin zu den grossen F3A-X- oder F3M-Modellen ist mittlerweile bekannt. Es handelt sich ohne Ausnahme um mit Laser geschnittene Holzkonstruktionen, mehr oder weniger seriös mit Folie bespannt. Dass in China auch hochwertige Voll-GFK/CFK-Modelle für die F3A-Weltelite produziert werden, ist eine neuere Erscheinung in der Szene. Ich wollte es genauer wissen.


Oxai – ein Betrieb, der sich ohne Weiteres mit einem Schweizer KMU vergleichen lässt

Durch die freundschaftliche Unterstützung und die Geschäftsbeziehungen zu Oxai von Wolfgang Matt hatte ich im vergangenen Spätherbst die Gelegenheit, Oxai in Shanghai zu besuchen. Unsere kleine Schweizer Delegation, bestehend aus Felix Andres, Wolfgang Matt und mir, wurde am modernen und grosszügigen Flughafen von Shanghai von Firmeninhaber Roger Mao persönlich in Empfang genom- men und über gigantische Autobahnen, Brücken und durch Tunnels zum Hotel chauffiert. Am nächsten Vormittag würden wir von ihm abgeholt werden und zu seinem Betrieb geführt. Nach einer Nacht zwischen Tiefschlaf und Unterbrüchen fanden wir uns in freudiger Erwartung viel zu früh in der Hotellobby ein. Die anschliessende Fahrt zu Oxai war – wie alle nachfolgenden Fahrten durch Shanghai – ein Erlebnis besonderer Art. Erstaunlich, wie die Menschen die Verkehrs-



dichte einer Grossstadt konzentriert, aber nicht aggressiv bewältigen. Der Weg zu Oxai führt uns über eine lange Strasse zwischen Tausenden von kleineren und grösseren Betrieben schliesslich in ein typisches Gewerbeareal mit mehrstöckigen Werkstätten, Lagerhallen und Abstellplätzen. Die Produktion von F3A-Modellen der Firma Oxai nimmt den ganzen zweiten Stock eines schlichten Gebäudes in Anspruch. 37 Mitarbeitende stellen hier die viel bewunderten F3A-Modelle her – und zwar komplett von der Konstruktion bis zum Versand der fertigen Maschinen in alle Welt.


Es beginnt mit Zeichnungen der F3A-Profis

Bereits an den letzten Motor- kunstflug-Weltmeisterschaften



in Argentinien waren in den vordersten Rängen zahlreiche Maschinen von Oxai auszumachen. Die Besten lassen ihre Flugzeuge ohnehin bei Oxai bauen. Am Anfang eines solchen Bauprojekts steht meistens die Zeichnung – oft auch Skizze – des Bestellers, die dann in nur kurzer Zeit von Oxai in eine CAD-Konstruktion umgesetzt wird. Der Kunde hat dann die Möglichkeit, letzte Änderungswünsche vornehmen zu lassen. Nach seinem Okay erhält er wenige Wochen später den Prototyp einbaufertig für ausgiebige Testflüge. Die Produktion von Kleinserien wird erst dann und nur gegen entsprechende Bestellungen aufgenommen. Die Rumpfquerschnitte und Flügelprofile werden mit einer computerge-



steuerten Laserschneidmaschinen sehr präzis ausgeschnitten und dienen dann der Herstellung des Urmodelles aus Schaumstoff-Segmenten.


Konventionelle GFK-/CFK-Sandwichbauweise

Die mithilfe der Urmodelle erstellten Formen dienen der Produktion von Rumpf, Flügel und Leitwerk in konventioneller Sandwichbauweise. Als Stützstoff verwendet Oxai vornehmlich Balsaholz. Teilweise wird dieses durch Hartschaumplatten ersetzt. Im Gegensatz zur schnellen und auch billigeren Herstellung der Zelle mit Oberflächenharzen ohne Nachbehandlung, werden hier die Teile relativ roh den Formen entnommen, anschliessend mit einem Spritzspachtel überzogen, geschliffen und dann bemalt. Die Gewichtsveränderungen werden nach jedem Arbeitsgang überprüft und festgehalten.


Kunst kommt von Können

Bevor die sehr aufwendigen Lackierungen an die Hand genommen werden, wird das Modell fixfertig montiert und alle Passungen der Ruder usw. überprüft. Für mich erstaunlich ist die Genauigkeit und Sauberkeit, welche die angestellten Frauen und Männer an den Tag legen. Dies setzt eine hohe Konzentrationsfähigkeit und Ruhe voraus. Die ganzen sehr phantasievollen Dekors werden nach einem genauen Farbenplan eingemessen und anschliessend mithilfe transparenter Schablonen aus dem Plotter eine Farbe nach der anderen aufgetragen. Dazwischen werden die Übergänge wegpoliert. Wer ein Ersatzteil bestellt, kann sich auf die übereinstimmenden Farben verlassen. Zum Abschluss folgt ein Überzug mit einem Klarlack. GFK-Modelle oder zumindest Rumpfes sind heute nichts Besonderes. Aus meiner Sicht ist jedoch Oxai mit seiner hochpräzisen und in jeder Beziehung perfekten Fertigung bisher unerreicht.



Fliegen auf dem Formel-I-Areal von Shanghai

Dass uns die Oxai-Leute nicht allein ihre Produktionsstätte, sondern auch den Flugplatz zeigen wollten, wäre auch bei uns eine Selbstverständlichkeit. Allerdings würde bei uns die Fahrt auf das Fluggelände durch die halbe Schweiz führen. Schliesslich erreichten wir den Platz – einen riesigen Parkplatz direkt neben der Formel-I-Piste und Tribüne. Der Parkplatz kann vom einheimischen Klub während rund neun Monaten unbegrenzt genutzt werden. Auch das grosszügige Klubhaus fehlt nicht. Da das Gelände bewacht ist bzw. der Zugang nur durch die Öffnung des Tores durch den Wächter möglich ist, dürften dort auch die Vandalen wenig Chancen haben.


Gastfreundschaft gross geschrieben

Geschäftsführer Roger Mao hat uns viel mehr als seine Firma gezeigt. Mit viel Stolz auf seine Stadt hat er mit uns das Kulturmuseum besucht und uns zu vielen anderen Sehenswürdigkeiten von Shanghai geführt. Das pulsierende Leben dieser Stadt zieht dich in seinen Bann. Modernste Architektur und Technik neben Einfachem und Improvisiertem. Strassenverkäuferinnen neben riesigen Geschäfts- bauten. In Erwartung der Weltausstellung 2010 ist die Bautätigkeit noch gigantischer als sonst. In der Innenstadt wird der Verkehr über weite Strecken in Tunnels verlegt und den Fussgängern Platz geschaffen. Zehntausende von Elektrollern und -velos beleben Strassen und Gassen. Fazit: Wir haben mit dem Oxai-Team sehr liebenswürdige, hoch kompetente und trotzdem bescheiden gebliebene Menschen getroffen. Ich bin überzeugt, dass wir im Westen in dieser Hinsicht viel Nachholbedarf hätten.




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