Zwischen Tradition und Fortschritt
Zwischen Tradition und Fortschritt
Ein Besuch bei der Firma Graupner, Kirchheim-Teck
Ein gerne und viel gehörtes Wort in unserer modernen Gesellschaft ist der Ruf nach «Chancen-Gleichheit». Würde man aber dieses Schlagwort in seiner ganzen Breite und mit all seinen Konsequenzen beleuchten und verstehen lernen, würde das «Heer der Rufer» um alle diejenigen vermindert, welche dabei nur die eine Seite der «Gleichheit» verstehen, nämlich den Profit. Müssten alle gleichermassen an zäher und mühseliger Aufbauarbeit, an Rückschlägen und schmerzlichen Erfahrungen, an Verlusten und Stagnationen, an geduldiger, langfristiger Planung, an hohen, risikoreichen Investitionen sowie schliesslich am Gewinn beteiligt sein, könnte etwa dieselbe Ernüchterung eintreten, wie wenn die Entwicklungsländer von den Industrie-Nationen einen freien Zugang zum gesamten technischen Know-How fordern, ohne dabei zu beachten, dass eine Industrialisierung nicht nur Geld bringt, sondern zahlreiche mühsame und harte Begleiterscheinungen, wie grosse Investitionen, hartes, regelmässiges, zuverlässiges, genaues Arbeiten, ohne Platz für Revolutionen und Konterrevolutionen, denn der Kunde interessiert sich nicht so sehr, ob der Lieferant
Schiit oder Sunnit sei, sondern um Qualität und Termin – ganz abgesehen von der Umweltbelastung.
Die technische Entwicklung auf dem Modellbausektor ist enorm, dies kann jeder ermessen, der beispielsweise schon vor zehn oder mehr Jahren dieses Hobby gepflegt hat. Aber auch der Blick in ältere Zeitschriften, Kataloge und Fachbücher kann das bestätigen. Ein Produktionsunternehmen, wie das die Firma Graupner darstellt – ein Betrieb, der für schweizerische Verhältnisse eher zu den grösseren Unternehmen gerechnet werden müsste – kann sich deshalb nicht allein auf die Erschliessung neuer Absatzgebiete beschränken, sondern ist gezwungen, einerseits neue Märkte, eigentliche Marktlücken aufzuspüren und andererseits das bestehende Angebot laufend technisch und qualitativ zu verbessern und dabei die Produktionskosten so gering wie nur möglich zu halten. Beides, sowohl die Erschliessung von Marktlücken als auch die laufende technische Verbesserung, erfordert für einen Grossbetrieb eine systematische und aufwendige Forschung und Entwicklung. Zudem verlangt eine industrielle Grossproduktion eine weitaus gründlichere Planung. In der Serienproduktion kann man bekanntlich kaum ein Detail ändern, das nicht seine Auswirkungen wieder auf zahlreiche andere Gegebenheiten mit sich bringt. Diese minutiöse Vorbereitung und Planung muss

auch in bezug auf die Termine durchgeführt werden, da der ganze Ablauf mehr Zeit erfordert. Wo der Kleinbetrieb spontane Einfälle und Ideen aufgreifen und verwirklichen kann, müssen auch «Erfindungen» langfristig entwickelt werden. Keine Ideen mehr heisst keine Arbeit mehr.
Diese Überlegungen stellen sich mir beim Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen der Firma Graupner in Kirchheim-Teck. Ich bin mir dabei bewusst, dass man bei solchen Besichtigungen nur an eine Sache heransieht und kaum zu ahnen vermag, was alles dahinter steckt, bis eine Firma von dieser Grösse einwandfrei funktionieren kann. In den Betrieben selbst, in Kirchheim, sind 350 Angestellte beschäftigt. Dazu müsste man die zahlreichen Zulieferanten rechnen, vor allem auf dem Sektor Fernsteuerungen und Motoren. Würde man alles zusammenzählen, käme man wohl auf eine ganz schöne Zahl von Arbeitsplätzen. Graupner gehört somit zweifelsohne zu den grössten Modellbauherstellern der Welt. Herr Graupner meint dazu, dass er keine weiteren Ausbaupläne mehr habe. Sein Prinzip der Vergebung von Aufträgen an auswärtige Betriebe habe sich recht gut bewährt, so dass er sich bei diversen Produkten lediglich auf eine Endkontrolle beschränken kann. Dazu kommt, dass der Betrieb nach modernsten Gesichtspunkten durchrationalisiert ist. Dabei wird einem bewusst, mit welcher Geschwindigkeit die Entwicklung und Veränderung in einem Betrieb dieser Grösse vor sich gegangen sein muss, was auch vom Personal und der Geschäftsleitung ein hohes Mass an Bereitschaft zur Neuorientierung verlangt. Und wenn wir von Menschen reden, drängt sich auch gleich die Frage auf, wie es denn mit dem Praxisbezug stehe, wie sind die Verbindungen zu den Modellbauern, auf die Flugplätze und in die Bastelbuden?

auch in bezug auf die Termine durchgeführt werden, da der ganze Ablauf mehr Zeit erfordert. Wo der Kleinbetrieb spontane Einfälle und Ideen aufgreifen und verwirklichen kann, müssen auch «Erfindungen» langfristig entwickelt werden. Keine Ideen mehr heisst keine Arbeit mehr.
Diese Überlegungen stellen sich mir beim Rundgang durch die verschiedenen Abteilungen der Firma Graupner in Kirchheim-Teck. Ich bin mir dabei bewusst, dass man bei solchen Besichtigungen nur an eine Sache heransieht und kaum zu ahnen vermag, was alles dahinter steckt, bis eine Firma von dieser Grösse einwandfrei funktionieren kann. In den Betrieben selbst, in Kirchheim, sind 350 Angestellte beschäftigt. Dazu müsste man die zahlreichen Zulieferanten rechnen, vor allem auf dem Sektor Fernsteuerungen und Motoren. Würde man alles zusammenzählen, käme man wohl auf eine ganz schöne Zahl von Arbeitsplätzen. Graupner gehört somit zweifelsohne zu den grössten Modellbauherstellern der Welt. Herr Graupner meint dazu, dass er keine weiteren Ausbaupläne mehr habe. Sein Prinzip der Vergebung von Aufträgen an auswärtige Betriebe habe sich recht gut bewährt, so dass er sich bei diversen Produkten lediglich auf eine Endkontrolle beschränken kann. Dazu kommt, dass der Betrieb nach modernsten Gesichtspunkten durchrationalisiert ist. Dabei wird einem bewusst, mit welcher Geschwindigkeit die Entwicklung und Veränderung in einem Betrieb dieser Grösse vor sich gegangen sein muss, was auch vom Personal und der Geschäftsleitung ein hohes Mass an Bereitschaft zur Neuorientierung verlangt. Und wenn wir von Menschen reden, drängt sich auch gleich die Frage auf, wie es denn mit dem Praxisbezug stehe, wie sind die Verbindungen zu den Modellbauern, auf die Flugplätze und in die Bastelbuden?

Dies scheint mir eine wesentliche Sache zu sein. Gelingt es, die Wünsche der Modellbauer zu erkennen. Die Stärken und Schwächen eines fertigen Produktes schliesslich offenbaren sich im praktischen Einsatz. Gerade hier hat sich m.E. bei der Firma Graupner in den letzten Jahren eine Nahtstelle geschlossen. Die grosse Popularität, welche die Arbeit Fred Militkys mit sich gebracht hat, die überdurchschnittliche Qualität der Bausätze und der systematische Ausbau des Zubehörprogramms, verhalfen der Firma zu Weltruf. Ganz besonders muss die Pionierarbeit im Elektroflug gewürdigt werden. Natürlich bleibt auch eine derart erfolgreiche Firma nicht vor Rückschlägen verschont. Herr Graupner meint dazu, dass es besonders viele «Blindgänger» gegeben habe, wenn man die Pfade der praktischen Erfahrungen verlassen und zu sehr auf «Ingenieure und Professoren» gehört habe. Das will gar nicht heissen, dass man nur beim alten bleibt: Heute werden auch Modelle mit Epoxy-Rumpf und Styro-Flächen hergestellt und zwar sowohl Motor- als auch Segelmodelle. Epoxyd-Rümpfe sind in der Serienfabrikation aufwendiger als solche in andern Kunststoffverfahren hergestellte. Trotzdem werden die «klassischen» Graupner-Balsaholzbausätze nicht aufgegeben, im Gegenteil weiter perfektioniert. Ein firmeneigenes Balsawerk in Ecuador sorgt für eine ausgezeichnete Holzqualität und eine saubere und genaue Verarbeitung. Die Verarbeitung und wird heute grösstenteils im Balsawerk selbst vorgenommen, damit nicht zu viel vom erheblichen Abfall nach Deutschland transportiert und verzollt werden muss. gz.


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