Lasst doch bitte die Jugend in Ruhe!
Liebe Leserinnen, liebe Leser
Die grosse und teils unverschämte Buhlerei um unsere Jugend ist für mich ganz schön nervig. Nicht nur das ganze Business mit all seinen teuren Angeboten und Träumen ist da zu nennen, sondern immer mehr auch unsere Organisationen in Sport und Hobby. Dass wir uns Jugendmedien wie Facebook & Co. aus wirtschaftlichen Gründen oder zum Beispiel zur Anwerbung von Lernenden, Partei- oder oder Verbandsmitgliedern zunutze machen, ist beschämend und leider immer wieder dilettantischer Denkansatz verkalkter Greise. Denn statt sich mit der Jugend anzubiedern oder sie gar zu imitieren, müssen wir ihnen dringend etwas Positives entgegen stellen.
Seit einiger Zeit stelle ich mir die Frage, ob wir die zunehmende Konsumhaltung in unseren Vereinen – Infrastrukturnutzung und sonst gar nichts – nicht auch ein Stück weit unserer unermüdlichen Dienstleistungsbeflissenheit zu verdanken haben. Wir stellen alles zur Verfügung. Vom stets gut gemähten Rasen über den elektrischen Netzanschluss – noch ein Ladegerät gefällig? – bis hin zum Juniorentransport, wenn möglich auf Abruf durch die Eltern. Damit soll nichts gegen Jugendförderung gesagt sein. Diese wirkt jedoch ohne Eigenaktivität und Motivation des Jugendlichen selber sowie der Hauptverantwortung der Eltern etwa gleich wie das Pflanzen eines Baumes in der Wüste.
Jugend- und Nachwuchsförderung und Mitgliedermarketing ist nicht dasselbe. Ersteres ist unser Ziel und das Zweite kann ein Teil der Wirkung sein, die nie im Vordergrund zu stehen hat. So habe ich vor 30 Jahren bei der Gründung des Pro Aero Jugendlagers nie gesagt, dass es darum gehe, den beruflichen Nachwuchs der Luftfahrt sicherzustellen. Wenn aber der eine oder andere Teilnehmer später beruflich in der Aviatik landet oder Hobbyflieger wird, ist das sicher zu begrüssen. Wir müssen den jungen Menschen Wege aufzeigen, sie bei Bedarf unterstützen und helfen ihre Souveränität und Entscheidungsfähigkeit zu stärken. Marktpotenzial und Gewinnoptimierung haben hier nichts zu suchen – aber auch gar nichts!
Mit freundlichen Grüssen
Emil Ch. Giezendanner
Die auf dieser Seite durch den Redaktor – sowie andere Autoren dieses Heftes – zum Ausdruck gebrachten Meinungen decken sich nicht zwingend mit der Verbandsmeinung des SMV. Offizielle Verbandsmitteilungen findet der Leser in der Rubrik «SMV».


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