Sud Aviation SE 210 Caravelle
Schon in jungen Jahren war mir bewusst, ein «richtiges» Scale-Modell, das schaffe ich nicht. Die Ehrfurcht vor unserem grossen Scale-Pionier Franz Meier war damals gross. Dazu kam, dass die Beschäftigung mit F3A mein Freizeitpensum vollständig ausfüllte.
Grössere Projekte in Angriff genommen
Mehr Zeit zu haben, gab mir die Möglichkeit, etwas aufwendigere Bauten zu planen. Es begann mit der viermotorigen Boeing 314 Clipper (1938), einem Flugboot. Zusammen mit Freunden baute ich zwei Exemplare davon ganz aus Holz. Sie sind an Wasserflugtreffen noch eher selten zu sehen. Der Appetit kam mit dem Essen. Ein weiteres Modell war die Candair CL-215 (1967). Ein Amphibienflugzeug, das vornehmlich zur Brandbekämpfung eingesetzt wurde. Auch von diesen bauten wir zwei Stück. Unterstützt wurden wir dabei von einem Hobby-CAD-Konstrukteur. Faszinierend an diesem Flugzeug ist für mich nach wie vor die Konstruktion des einziehbaren Fahrwerks. Dieses wurde von einem Mechaniker in unserem Verein in grosser Vollendung nachgebaut.
Der Nachbau von Verkehrsflugzeugen sah ich schon immer als besondere Herausforderung. Voluminöse Rumpfe und schmalere, stark gepfeilte Flügel.
Bereits sind auch Bausätze auf dem Markt. Die Caravelle konnte ich bei der Eröffnung des Flughafens Kloten (1948) erstmals im Flug bewundern (die Gespräche mit dem Tower wurden per Lautsprecher übertragen – sie waren auf Französisch). Die Sud Aviation SE 210 Caravelle (Erstflug 1955) brachte die völlig neue Anordnung der Triebwerke sowie 147 Bestellungen, was damals die grösste Fertigung in Europa war; etwas früher kam die De Havilland D. H. 106 Comet (Erstflug 1949), von denen nur 16 Stück produziert wurden. Eine Anzahl tragischer Abstürze verhinderte eine Weiterentwicklung). Für mich blieb die Caravelle eine schöne Erinnerung. 1967 konnte ich zusammen mit meinem Bruder mit einer Caravelle von Nizza nach Ajaccio auf Korsika an die F3A-WM fliegen. Ein in grossartiges Erlebnis. Die Piste endete am Meer – beim Aussteigen sah ich, dass die Piloten den Bremsfallschirm betätigt hatten. Vermutlich routinemässig, vielleicht waren auch Nichtschwimmer dabei... Die Caravelle gehört für mich zu den Kultflugzeugen des Luftverkehrs. Aufgrund des schlanken Rumpfs und der grossen Flügelflächen soll sie seinerzeit von den Piloten liebevoll mit «Segelflieger» bezeichnet worden sein. Die Flüge meiner Modelle bestätigen diese gutmütige Eigenschaft. Ein schöner Nebeneffekt: Die Caravelle ist im Moment auf Modellflugplätzen kaum vorhanden.

Wenn ich die Entstehung grösserer und aufwendigerer Modelle verfolge, sehe ich den klassischen «Einzeltäter», aber auch immer wieder Teamwork. Ein Team zusammenzuhalten ist schon an sich eine Leistung. Insbesondere wenn's nicht gut läuft. Ich habe mich mit guten Erfahrungen an den Einkauf von definierten Leistungen gehalten. Nicht billig, aber erfolgreich. Bei der Caravelle habe ich die Styro-Fräse- und die Heissdrahtarbeiten in Auftrag gegeben:
1. CAD-Konstruktion: Rumpf, Leitwerk Flügel
2. CNC-Fräsen der Heck- und Nasenpartie
3. CNC-Heissdrahtschneiden von Rumpfrohr, Flügel und Leitwerk
Das somit verarbeitungsfähige Rumpfmittelteil und die Flügel/das Leitwerk beplankte ich mit 1,5 mm Balsa und überzog es mit Glasgewebe. Heck- und Nasenpartie bereitete ich rudimentär für den Formenbau vor. Da ich seit meinen letzten F3A-Modellen weder Formen gebaut noch Rümpfe laminiert hatte, konnte ich solche Arbeiten an einen Kollegen und Kunststoffspezialisten vergeben. Wir hatten den Auftrag inklusive Bezahlung etappiert. →

1. Herstellung der Formen: Rumpheck, Triebwerksgondeln und Nase aus den von mir gelieferten Styro-Teilen
2. Laminieren der vier Teile
3. Montage und Finish-Arbeiten
Die Montage der sicheren Verbindung der drei Rumpfteile war mit dem «unsichtbaren» Magnetschraubensystem eine knifflige und hochpräzise Arbeit. Auch diese konnte ich meinem Kunststofffachmann getrost überlassen sowie auch der 3D-Druck der Fenster. Das Finish ohne Spritzkabine wäre heute nicht mehr zu verantworten. Auch das war Teil des Auftrags. Bei mir blieben schliesslich der Einbau von Fahrwerk, RC-Steuerung, Montage der Triebwerke und deren Stromversorgung.
Die Beplankung des Flügels an sich ist einfach. Allerdings muss beachtet werden, dass Partien rund ums Fahrwerk verstärkt werden müssen. Ich verwendete dazu Kohlegewebe. Die bereits fertigen Bohrungen für die Flügelverbindung wurden mit leichten 25-mm-Kohlerohren ausgekleidet. Für die Fahrwerksmontage verwendete ich immer 4 bis 5 mm dickes Birkensperrholz. Die Platte wählte ich gross genug, um die Kräfte auf den Styro zu verteilen. Die 6-mm-Styro-Wandung des Rumpfmittelteils wurde ebenfalls mit dem Heissdraht sehr präzise geschnitten. Auch hier wurden rund um Steckung, Bugfahrwerk und Rumpfverbindungen Reste von Kohlegewebe zur Stärkung verarbeitet. Der Deckel für den Zugang zur RC-Anlage musste gut geplant sein. Schlechte Zugänglichkeit und Dichtestress lässt sich so vermeiden. Auch die Verschraubung der Flügel sollte rechtzeitig beachtet werden. Sie muss mit der Hand erreichbar sein – denn der Rumpf ist lang.

Die Caravelle ist einfach im Aufbau, mit modernen Hilfsmitteln ohne übermässigen Aufwand machbar. Heute würde ich vermutlich für den Formenbau statt Styropor 3D-Druck einsetzen.
Jetzt darf ich's ja verraten: Ich habe zwei Caravelle gebaut. Die Erfahrung hat mich gelehrt, dass ich beim zweiten Anlauf aus den Fehlern gelernt habe. Diese wollte ich, wenn möglich, nicht wiederholen – dafür andere...
Als Pendenzen bleiben noch: das Anbringen der Grenzschichtzäune sowie die Nachrüstung des Fahrwerks mit Bremsen. Im Moment lasse ich das Ganze ruhen.
Das Flugverhalten ist gemäss Testpilot Matthias problemlos. Schwerpunktposition und Einstellungen haben überzeugt. Viel Arbeit hat somit einen schönen Höhepunkt erfahren. Ich danke allen für die Unterstützung.
Fotos und Video:
M. und R. Nussbaumer
| Masstab: | 1:10 |
| Spannweite: | 3,4 m |
| Rumpflänge: | 3,6 m |
| Fluggewicht: | 20,200 kg |
| Antrieb: | 2x Schubeler DS-51-DIA HST® (93 mm) |
| Akku: | 2x 10000 mAh, 6 S |
| Drehzahlregler: | 2x Jeti |
CAD-Konstruktion, Styro-Arbeiten:
Melchior GmbH, 8620 Wetzikon
Kunststoffformenbau,
Finish: HK modelltech, 4056 Basel
Impeller-Triebwerke: Schubeler,
33175 Bad Lippspringe, GER

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