Geschichte

Schweizer Meisterschaften Kreisflug (F2A/B/C) in Lausanne

von Georg Biber
5
Kreisflug – eine vergessene Sparte des Modellfluges in der Region 5?

Louis Bilat, MBZ Basel, mehrfacher Schweizer Meister und Vizeweltmeister 1978 F2A. Bild: Aero Modeller.

Vor rund einem Vierteljahrhundert begann die Blütezeit des Kreisfluges in der Schweiz. Klubs wurden gegründet, mehrere Kreisflugpisten wurden gebaut, überall wurde trainiert – abgestürzt – neue Modelle gebaut. Manch einer gab auf. Viele machten weiter und kamen zum Erfolg.



Und heute?

Mittlerweile sieht es zumindest in unserer Region so aus, als ob der Kreisflug eine antiquierte, ja vergessene Sparte der Modellfliegerei sei. Sicher gab es und gibt es genügend Gründe dafür, die zum praktischen Aussterben dieser Sparte in den meisten Regionen führten, aber ich glaube und hoffe, dass mit etwas Verständnis und gutem Willen der Kreisflug auch in unserer Region wieder an Aktualität und Aktivität gewinnt und wieder als vollwertige Sparte der Modellfliegerei gilt.


Was ist Kreis- oder Fesselflug?

Die Grundidee war die, ein mit einem Verbrennungsmotor versehenes Flugmodell, vom Boden aus gesteuert, fliegen zu lassen. Dies führte nach einer längeren Entwicklungszeit zu den heutigen Kreisflugmodellen.

Die offizielle FAI-Bezeichnung für Kreisflug lautet CL = Control Line (Kurzbezeichnung: F2). Der Kreis- oder Fesselflug F2 ist in vier verschiedene Sparten gegliedert, die den vier Sparten, die heute geflogen werden, entsprechen.

Modelle dreier Kreisflugkategorien: links Akrobatikmodell (F3B), rechts Speedmodell (F2A), unten Modell für Team-Racing (F2C).


1. Kategorie F2A Speed (Geschwindigkeitsflug)

Das ist die offizielle FAI-Bezeichnung für Geschwindigkeitsmodelle.

Definition des Modells:

Flugmodell durch ein oder mehrere Kolbenmotoren angetrieben, mit starren Tragflächen sowie einer Steuerklappe (Höhensteuer).

Leinenlänge (Kreisradius) 15,92 m.

Zweck des Modells: Durchfliegen einer genau definierten Strecke (10 Runden mit einem Radius von 15,92 m = 1 km) innerhalb kürzester Zeit, mit Hilfe des oder der Motoren.

Merkmale des Modells:

Maximaler Zylinderinhalt: 2,5 ccm.

Minimale Gesamtfläche: 2 dm2 pro ccm Zylinderinhalt.

Das Modell muss vom Boden aus gestartet werden.

Wertung: Jeder Konkurrent hat Anrecht auf drei Flüge, von denen der beste die Endwertung, respektive den Rang ergibt, vorbehältlich bestandener Modellkontrolle.

Ein Flug ist nur dann gültig, wenn:

  • der Konkurrent während der Dauer der Zeitnahme (10 Runden) den Griff in der Gabel hält (Gabel = drehbarer Mittelposten im Zentrum der Kreisflugpiste);
  • der Konkurrent während der Dauer der Zeitnahme die vorgeschriebene Flughöhe von minimal 1 m und maximal 3 m einhält.

2. Kategorie F2B Stunt (Akrobatik)

Das ist die offizielle FAI-Bezeichnung für Akrobatikmodelle.

Definition des Modells:

Flugmodell durch einen oder mehrere Kolbenmotoren angetrieben, mit starren Tragflächen ausser den Steuerklappen.

Leinenlänge (Kreisradius) minimal 15,00 m, maximal 21,5 m.

Zweck des Modells: Absolvieren von in der Regel drei Wertungsflügen mit 14 unterschiedlichen Flugfiguren innerhalb einer Zeit von 7 Minuten inkl. Start und Landung.


Schweizer Meisterschaften 1978 Rangliste (F2A)
1. Louis BilatMBZ Basel
2. Willy KühnisMBZ Basel
3. Heiner BorerBreitenbach
4. Martin GafnerMBZ Basel

Schweizer Meisterschaften 1978 Rangliste (F2B)
1. Toni SalathéMBZ Basel
2. Yves SedlatchekSion
3. Arthur KellerBreitenbach
4. Peter ThüringMBZ Basel
5. Heinz ChristenLa Côte
6. Hugo BorerBreitenbach
7. Peter HofackerMBZ Basel
8. Martin GafnerMBZ Basel

Schweizer Meisterschaften 1978 Rangliste (F2C)
1. Borer D. – StuderBreitenbach
2. Christen – SaccarinoMBZ Basel
3. Borer H. – SchranerBreitenbach
4. Sedlatchek – MinySion
5. Christen – BüchlerLa Côte
6. Keller – Borer A.Breitenbach

Schweizer Meisterschaften 1978 Rangliste (F2D)
1. Martin GafnerMBZ Basel
2. Michael DislerMBZ Basel
3. Walter Christen IMBZ Basel
4. Walter Christen IIMBZ Basel
5. Silvan BorerBreitenbach
6. Walter LehmannMBZ Basel
7. Edi PreiswerkMBZ Basel
8. Thomas GreberMBZ Basel
9. Peter ThüringMBZ Basel


Merkmale des Modells:

Maximaler Zylinderinhalt: 10 ccm.
Maximale Gesamtfläche: 150 dm2.
Maximale Flächenbelastung: 100 g/dm2.
Maximales Fluggewicht: 5 kg.
Der oder die Motoren müssen mit wirksamen Schalldämpfern ausgerüstet sein.
Das Modell muss vom Boden aus gestartet werden.
Wertung: Drei Punktrichter bewerten den Flug respektive die einzelnen Flugfiguren mit Noten zwischen 0 und 10, welche dann mit dem der einzelnen Figur zugeordneten Schwierigkeitsfaktor K (1–10) multipliziert werden.
Sodann werden die so erhaltenen Punktzahlen addiert, was zu einer Punktzahl für den absolvierten Flug führt.



Heiner Borer, Breitenbach, gilt als grösster Förderer der Schweizer Kreisflugbewegung.

Geflogen werden zwei Qualifikationsflüge sowie ein Finaldurchgang. Zum Finale zugelassen sind die ersten 15 aus den vorangegangenen Qualifikationsflügen, aufgrund ihres besseren der beiden Qualifikationsflüge.

Ein Flug ist nur dann gültig:

  • wenn das Modell die 14 Flugfiguren in der richtigen Reihenfolge fliegt;
  • wenn das Modell den, respektive die Wertungsflüge ohne Verlust eines Teiles beendet;
  • wenn das Modell den technischen Richtlinien entspricht.

3. Kategorie F2C (Team-Racing) (Mannschaftsrennen)

Das ist die offizielle FAI-Bezeichnung für Mannschaftsrennen (1 Pilot, 1 Mechaniker, 1 Modell = 1 Mannschaft).

Definition des Modells:

Flugmodell durch einen oder mehrere Kolbenmotoren angetrieben, mit starren Tragflächen sowie einer Steuerklappe (Höhensteuer). Eigenes Fahrwerk fest oder einziehbar sowie Kabinenhaube mit sichtbarer Pilotenfigur.

Leinenlänge (Kreisradius): 15,92 m.

Zweck des Modells: Fliegen eines Rennens von 100 bzw. 200 Runden innerhalb möglichst kurzer Zeit, inklusive den sich durch die vorgeschriebene Tankkapazität und Motorengrösse ergebenden Tankpausen.

Merkmale des Modells:

Maximaler Zylinderinhalt: 2,5 ccm.
Minimale Projektionsfläche (Tragfläche + Höhensteuer): total 12 dm2.
Maximales Fluggewicht (inkl. Brennstoff): 700 g.

Wertung: Primär gilt als Wertungszeit die Durchschnittszeit der beiden dem Team zugeteilten Zeitnehmer, aufgerundet auf die nächste Zehntelsekunde, sofern keine Disqualifikation durch das Kampfgericht vorliegt.

Eine Disqualifikation erfolgt durch das Kampfgericht (bestehend aus drei Kampfrichtern), wenn das gleiche Team dreimal verwarnt wurde. Gründe für eine Verwarnung (wird ebenfalls durch das Kampfgericht erteilt) sind:

  • Nicht regelkonformes Verhalten der Piloten während des Fluges.
  • Fehlerhaftes und fahrlässiges Manipulieren des Mechanikers während der Tankpausen am Boden.
  • Nichtbestehen der Modellkontrolle vor dem, respektive nach dem Rennen.

4. Kategorie F2D Combat (Fuchsjagd)

Über diese Kategorie werde ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten, da ich im Moment die definitiven Reglemente noch nicht habe.


Abschliessend möchte ich noch bemerken, dass die obigen Ausführungen, soweit sie die Erklärungen über die einzelnen Sparten betreffen, nur als Zusammenfassung respektive Kürzung der offiziellen technischen Reglemente zu betrachten sind.

Für weitere Auskünfte betreffend Kreisflug – oder, falls durch diesen kurzen Artikel das «Kreisfliegen» für Sie wieder aktuell geworden ist – setzen Sie sich mit mir in Verbindung. Nachstehend meine Adresse:

Georg Biber, Talweg 122, 8610 Uster
Tel. 01 / 79 76 49 (abends). Ab 22. 11. 78:
Tel. 01 / 941 26 49 (abends).



Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙