Freestyle Aerobatics – attraktiv, aber anspruchsvoll
Freestyle-Akrobatik ist kein Ersatz für die bekannten und weniger bekannten Kunstflugklassen des Kapitels F3 Kunstflug oder Helikopter des FAI Sporting Code. Freestyle ist eine willkommene Ergänzung und Bereicherung des RC-Kunstflugs.
1. Späte Fünfzigerjahre bis Ende Sechziger: Leichte Holzflugzeuge mit eher schwachen Antriebsleistungen führten zu langsamen und weichen Figuren in der Mitte des Feldes, vor den Punktrichtern.
2. In den frühen Siebzigerjahren kamen die schwereren Modelle mit wesentlich stärkeren Motoren, was zu einem schnelleren, rasanteren Flugstil mit sehr viel grösseren Figuren geführt hat. Dies wurde zusätzlich gefördert, indem die Modelle vor dem Einflug in die Figur links und rechts gigantische Abschwünge vollzogen. Die Flächenbelastung wurde auf 100 g/dm2 erhöht und die teilweise starken Flügelpfeilungen versprachen Speed und Stabilität.
3. Anfangs der Achtzigerjahre kam die grosse Wende bzw. die Wendefiguren. Das beschränkte Flugfenster 120 Grad Öffnung seitlich und 60 Grad in der Höhe sowie die Wertung der Wendemanöver rechts und links brachten eine neue Herausforderung in die Szene. Bei diesem Konzept ist es mehr als ein Viertel Jahrhundert geblieben.
Obwohl heute aufgrund neuer, hoch effizienter und feinst regelbarer Antriebe sowie stark verbesserter Flugzeuge andere Figurenprogramme oder Abfolgen möglich wären, sind im F3A-Kunstflug (ebenso F3M und F3P) die «Programme der Geraden» erhalten geblieben. Möglichst gerades Hin- und Herfliegen, wie auf Schienen, bringt Punkte. Diese allmählich in die Jahre gekommene Programmabwicklung ist nicht zwingend – trotzdem besteht, so wie es aussieht, keine Lust auf Änderung.
Das Fliegen von Figurenkombinationen und Abfolgen in Verbindung mit Musik ist schon aus oben beschriebener Situation eine ideale Ergänzung zu den F3-Kunstflugklassen inklusive Helikoptern. Die Vorführungen sind mehr Show und auf die Zuschauer orientiert. Der Wettbewerb ist ein interessanter «Nebeneffekt».
Kunstflug-Klassen, kombiniert mit Freestyle-Durchgängen (zu Musik) nach FAI Sporting Code, Section 4, Volume F3, Radio Control Aerobatics

Large Aerobatic Power Model Aircraft
(20 kg max.)
- a) Known schedule
- b) Unknown schedule
- c) Freestyle (to music)

Indoor Aerobatic Power Model Aircraft
- a) Schedule F3P-AP
- b) Schedule F3P-AF
- c) Schedule F3P-AFM
(Aerobatic Freestyle to Music)

Electric Aerobatics
(3 kg max.)
- a) Preliminary flights
- b) Final flight freestyle
(to music)

Artistic Aerobatics
Für Flächenflugzeuge (5 kg) und Helikopter (6 kg)
- a) Music compulsory flights
- b) Music free-style flights

AeroMusicals
- a) 120 sec duration
(preliminary rounds) - b) 240 sec duration
(final round)

Wir müssen immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass Freestyle-Fliegen zu Musik eine noch junge RC-Sparte ist. Die ganz verschiedenen Auffassungen, was Freestyle sei, hat unter anderem auch damit zu tun. Die neuen Regeln in den F6-Klassen sind noch immer stark im Fluss. Im Moment besteht in der CIAM die Tendenz, den Showeffekt bzw. die künstlerische Leistung gegenüber der Technik noch höher zu bewerten.
In der Heliszene wird unter Freestyle oftmals auch 3D verstanden, wo ein Figurenkatalog besteht. Die Figuren werden einzeln bewertet, wie z.B. die FAI-Klasse F3N-Helikopter. Leider hat sich die CIAM in diesem Zusammenhang selber ein Bein gestellt, indem man unter F3N eigentlich 3D-Helikopter mit festen Figuren und Koeffizienten versteht. Genauer wirds jedoch, die beiden Begriffe auseinanderzuhalten. Freestyle wird ohne Figurenvorgaben durchgeführt, wie z.B. in F3M-Freestyle, F3P-AFM, F5A-Freestyle oder F6A/B. Die Piloten müssen mit ihren Flugzeugen und Helis wenn möglich das ganze Potenzial an schwierigen Manövern vorführen. Dazu kommt der Faktor Musik. In der CIAM wird auseinandergehalten, ob die Vorführung «zu» Musik oder «mit» Musik gemeint ist. In allen bestehenden FAI-Freestyle-Klassen soll «zu» Musik geflogen werden. Das heisst, die Figuren und Übergänge müssen mit der Musik synchron erfolgen, die einzelnen Sequenzen mit Rhythmus und Tempi übereinstimmen. Mit Musik fliegen – oder mit einem Hintergrund-Sound fliegen – gehe eher in Richtung des «Freien- oder Amateurtanzes», wird argumentiert.
Während in F3M (Grossmodelle), F3P (Indoor) und F5A (Elektro-Kunstflug) Freestyle-Flüge reglementarisch als integrierender Bestandteil, das heisst jeweils als (Final-)Durchgänge der jeweiligen Klasse behandelt werden, sind die beiden Klassen F6A Artistic Aerobatics und F6B Aeromusicals reine Freestyle-Klassen. Leider hatte die CIAM – ähnlich wie bei F3N, wo von «Freestyle» die Rede ist, dabei handelt es sich um 3D – mit der Bezeichnung «AeroMusicals» eine Begriffsverwirrung geschaffen, indem im Indoor-Kunstflug F3P anfänglich der Freestyle-Durchgang zu Musik ebenso mit «AeroMusicals» bezeichnet wurde wie die F6B-AeroMusicals-Klasse. Dies ist mittlerweile korrigiert. Heute lauten die F3P-Runden nach Sporting Code 2010 wie folgt: F3P-AP, F3P-AF und F3P-AFM (Aerobatics Freestyle to Music). Ein wesentlicher Unterschied der beiden Indoor-Freestyle-Klassen besteht in den technischen Spezifikationen der Modelle.

Die AeroMusicals-Regeln sagen: «There are no restrictions on the number of control functions or auxiliary equipment. No other restrictions apply.» Die Technik ist somit grenzenlos und lässt hochinteressante elektronische Vorrichtungen zu. Wer die Bedeutung dieses Artikels unterschätzt, ist ziemlich stehengeblieben. So werden unter «Kreisel» – oder Sensoren – teilweise noch immer 5 g schwere Kästchen oder ähnliche Vorrichtungen verstanden ... Die Zukunft wird uns eines Besseren belehren. Wie dem auch sei, Freestyle-Fliegen zu Musik ist eine ganz tolle Herausforderung und wird sich seinen festen Platz in der vielfältigen Modellflugszene erobern.
Emil Ch. Giezendanner,
Bilder 1, 3 und 4 von
Hans Jürg Baum


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