MG Einsiedeln: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Es begann vor 60 Jahren
Markus Nussbaumer
Die MGE wurde am Samstag, dem 14. Januar 1961, gegründet. Zwölf Flugmodell-Interessierte schlossen sich zusammen, um dem AeCS der Schweiz beizutreten. Schon ein Jahr später baute man ein Probestück einer Piste auf dem der Landkooperation Binzen-Einsiedeln gehörenden Parzelle. 1963 wurde mit dem Bau einer Piste von 100 × 8 Metern begonnen. Anfänglich bestand die Fluggpiste aus einer Art Pfahlbauersystem, so lagen die über 3500 quadratischen

Platten auf einem Holzgerüst. Wohlverstanden, alle Betonplatten wurden per Schubkarren zur Piste geschoben. Spä-
ter wurden die quadratischen Platten durch fertig gegossene Betonelemente ersetzt, diese wurden in einer «Transportübung» von der Schweizer Luftwaffe per Helikopter auf den Platz geflogen.
Während 47 Jahren betrieb die MGE einen Modellflugplatz auf der einmalig schönen Hochebene zwischen Rothenthurm und Biberbrugg. Zur Infrastruktur gehörten nebst der Betonpiste ein Clubhaus, Parkplätze für ca. 70 Autos, Tische für die Piloten sowie Sitz- und Stehplätze für die Zuschauer. Es entstand ein Mekka für Modellflugbegeisterte. Der Mitgliederbestand wuchs stetig, so dass die MG Einsiedeln eine der grössten Modellfluggrup-
pen im AeCS wurde. Bemerkenswert: Nebst den 75 Mitgliedern flogen noch etwa 40 Piloten aus anderen Regionen, gegen eine Gebühr. Es war demnach möglich, als Nichtmitglied, eine Tages- oder Jahreskarte zu erwerben, um das Gastrecht auf dem Fluggelände der MG Einsiedeln zu geniessen.
Der Zuschauerbereich war nahe bei den Tischen der Piloten, wo sie ihre Modelle startklar machten. Die Piloten gaben stets gerne Auskunft, manchmal durfte man sogar in den Pilotenbereich ganz nahe zu den Modellflugzeugen. Nicht selten wurde aus einem interessierten Zuschauer ein aktiver Modellflugpilot.

Zahlreiche Jungpiloten, aber auch Erwachsene lernten in der MGE dank den erfahrenen Fluglehrern das Geheimnis der Fliegerei kennen. Das gemütliche Zusammensein wurde stets sehr gepflegt, so könnte die damalige Klubhütte viel erzählen, wenn es sie noch geben würde. Auch im Winter trafen sich die «hartgesottenen» Piloten zum Winterfliegen.
Die MG Einsiedeln veranstaltete auch verschiedene Schaufliegen. Da pilgerten jeweils sehr viele Zuschauer ins Mekka der Modellfliegerei in die Altmatt. Die Informationen und der Unterhaltungswert waren enorm. Nebst grossen Modellflugzeugen besuchten auch echte Flugzeuge die Veranstal-
tung, so landete auch mal ein manntragendes Segelflugzeug auf dem Modellflugplatz. Nach der spannenden Fuchsjagd am Ende der Veranstaltung reisten die Besucher mit besonderen Erlebnissen aus dem Modellflugsport nach Hause.
Ebenso organisierte die MGE grosse Modellflugausstellungen. Besonders erwähnenswert: Die ausgestellten Flugzeuge stammten alle von den Mitgliedern der MGE. So war das damalige «Dorfzentrum Einsiedeln» mit aussergewöhnlichen Modellflugzeugen gefüllt. Der Besucheraufmarsch war auch da überwältigend.
Am 6. Dezember 1987, mit der Annahme der Moorschutz-Initiative, wurde das Ende des

MFS: Wo sind die Mitglieder alle, ihr habt ja schon längere Zeit keinen Modellflugplatz mehr?
Albert präsentiert eine Liste mit den aktuellen Mitgliedern. Da warten noch sehr viele darauf, endlich wieder mal einen eigenen Fluggelände benützen zu dürfen.
MFS: Gibt es noch Aktivitäten, was Modellflug anbelangt?
Es gibt noch spontane Treffen am Fryherrenberg in Einsiedeln, wo gelegentlich mit Segelflugzeugen geflogen wird. Auch der Höck fand vor Covid-19 regelmässig statt.
MFS: Besteht nicht die Gefahr, dass der Verein vollends auseinanderbricht, wenn ihr nicht
endlich mal einen neuen Platz findet? Das Problem stellt sich auch mit dem Nachwuchs, der wegbleibt.
Das ist wirklich ein Problem, wo sollen die Jungen fliegen gehen? Der Verein droht zu verfallen, ohne Fluggelände. Es liegt auf der Hand, dass sie deswegen das Hobby Modellflug / Modellbau aufgeben könnten. Es ist nicht zu unterschätzen, was der Modellbau alles beinhaltet. So lernt man mit verschiedensten Materialien umzugehen, sei es Holz, Metall, verschiedenen Klebstoffen usw. Ein komplexes Hobby
MFS: Was ist die Hauptschwierigkeit, einen neuen Modellflugplatz zu finden?

Einerseits ist es Angst vor Lärm, oder dann verhindern die Umweltverbände mit ihren Einsprachen eine erfolgreiche Suche für einen neuen Platz.
MFS: Wie siehst du die Zukunft der MG Einsiedeln, geht es weiter? Siehst du keine Möglichkeit, dem Verein wieder Leben einzuhauchen? Eure Homepage zum Beispiel ist ja ziemlich eingeschlafen...
Das ist schwierig zu sagen, wenn wir einen neuen Platz hätten, würden die Mitglieder schnell wieder aktiv, denn sie warten ja darauf, dass es endlich weitergeht. Sollten wir im «Mösli» auch nicht fliegen dür-

fen, dann bleibt es schwierig, eine Lösung zu finden. Irgendwann stirbt die Hoffnung auf ein Happy End, was sehr zu bedauern wäre. Vor allem für die Jungen wäre das tragisch, ihnen würde die Basis zu diesem schönen Hobby entzogen.
MFS: Andere Sportvereine nutzen Trainingsanlagen wie Fussballplätze, Leichtathletikanlagen, Skipisten etc.
Die MG Einsiedeln hätte es verdient, nach der langen Suche den Modellflugplatz «Mösli» realisieren zu können! Dies wäre für viele Modellflugpiloten und Zuschauer eine grossartige Sache.

einmaligen Modellfluggeländes in der Altmatt eingeläutet. Was mit viel Herzblut und Eigenleistungen entstanden war, musste am 31. August 2010 endgültig aufgegeben werden. Wer aber jetzt denkt, die MG Einsiedeln habe das alles verschlafen, der täuscht sich. Es wurden verschiedene neue Orte gesucht und getestet, um wieder einen Flugplatz zu haben. Aber wie heute so oft, wurden diese Standorte durch Einsprachen verschiedener Umweltverbände, Jagdgesellschaften oder Private verhindert. Einmal war man nahe dran, einen neuen Standort gefunden zu haben. Im «Cholmattli» in Rothenthurm war man sich mit der damaligen Schiessplatzleitung von Armasuisse so gut wie einig. Man fühlte sich sicher, endlich einen neuen Platz mit guter Infrastruktur ge-
funden zu haben. Durch einen Kommandowechsel löste sich diese Möglichkeit wieder in Luft auf. Dies war ein herber Rückschlag; denn in der Zwischenzeit hat man akzeptiert, dass die MGE sich aus der Altmatt zurückzieht.
Gegenwart
Mittlerweile ist die MG Einsiedeln fündig geworden. In Rothenthurm besteht die Möglichkeit, auf dem Gelände des Schäferhundeklubs eine Flugpiste zu betreiben. Nachdem die MGE mit einem Gesuch an den Schäferhundeklub um eine gemeinsame Nutzung des Platzes herangetreten ist, hat man nach der positiven Rückmeldung einige Testflüge unternommen. Das Gelände und die Infrastruktur eignen sich sehr gut für einen neuen Modellflugplatz «Mösli». Am 12. Okto-
ber 2012 hat der Gemeinderat Rothenthurm eine befristete Flugbewilligung bis zum 15. Dezember 2012 erteilt. Zu diesem Fluggelände «Mösli» ist aktuell ein Bundesgerichtsentscheid hängig. Denn auch
da haben die Umweltverbände Einsprache erhoben. (Umweltverbände: Pro Natura Schweiz / Schwyzer Kantonaler Vogelschutzverband / WWF Schwyz).
- 2003 Die MG Einsiedeln kann mit dem Schäferhundeverein einen Vertrag für die Mitbenutzung des Hundetrainingsgeländes abschliessen.
- Die Gemeinde Rothenthurm bewilligt das Modellfliegen auf dem Trainingsgelände.
- Das Amt für Raumentwicklung des Kantons Schwyz lehnt das Gesuch der Modellfluggruppe Einsiedeln für einen Flugbetrieb auf dem Gelände des Hundevereins ab.
- Die MGE reicht beim Regierungsrat des Kantons Schwyz einen Rekurs gegen das Amt für Raumentwicklung ein.
- 2016 Der Regierungsrat hebt die Verfügung des Amtes auf.
- 2018 In einem Gespräch mit Vertretern der MGE, dem Amt für Raumentwicklung sowie dem Amt für Wald und Natur wird nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht. Insbesondere sollen die Einwirkungen auf die Vogelwelt im Bereich des geplanten Modellfluggeländes genauer erforscht werden. Dies soll während zwei Jahren einmal mit und einmal ohne Flugbetrieb geschehen. Dieser Entscheid konnte leider nur sehr kurzfristig umgesetzt werden.
- Die Suche nach einer Fachperson gestaltete sich schwierig. Die Vogelwarte Sempach liess schriftlich verlauten, dass sie dieses Projekt als nicht
- zielführend betrachte. Man habe doch mit dem Modellflugverband eine Abmachung getroffen, dass die Distanz zu den geschützten Plätzen mindestens 500 m betragen müsse, und der geplante Flugraum überlappe – was wollt ihr eigentlich noch?
- Durch die Vermittlung des kantonalen Amtes kam es dann doch zu einer Vogelzählung (leider nur ohne Flugbetrieb).
- Dieser Akt wurde allerdings durch die fünf Natur- und Vogelschutzverbände mit Weiterzug ans Verwaltungsgericht zunichte gemacht. Damit wurde die Abmachung mit dem Regierungsrat des Kantons Schwyz, dass auf der Basis sachlicher Erkenntnisse darüber entschieden werden soll, ob auf dem Gelände Modellflug zugelassen werden dürfe, «versenkt».
- 2019 Die MGE sah sich gezwungen, die Abmachung mit dem Kanton Schwyz via Bundesgericht einzufordern. Der Entscheide, des Verwaltungsgerichts soll angefochten werden.
- 2021 Am 26. März (Versand 27. Mai) hat das Bundesgericht die Beschwerde der MG Einsiedeln abgewiesen. Die Linie der Hauptargumentation zieht sich entlang des komplizierten Moorschutzgesetzes (gemäss diesem soll militärische oder sanfte touristische Nutzung möglich sein). Die «Schutzdienlichkeit» sei im Falle eines Modellflugplatzes nicht gegeben.

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