Editorial

Wenn Reglemente Fortschritt verhindern

von Emil Ch. Giezendanner
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Wenn Reglemente Fortschritt verhindern

Liebe Leserin, lieber Leser

Regeln, Reglemente und Gesetze sollen sowohl im zivilen Leben als auch in der Sportwelt Chancen und Voraussetzungen für den Einzelnen einigermassen angleichen. Dass dies nicht immer und ganzheitlich gelingen kann, liegt in der Natur der Sache beziehungsweise in uns Menschen selbst. Die vielfältigen Reize und Versuche, für sich einen kleinen Vorteil herauszuholen, sind fast grenzenlos; eine Steigerungsform wäre dann die Kriminalität. Im Sport sind in den letzten Jahren leider mehr und mehr gigantische Dopingstrukturen ans Tageslicht gekommen – die hässlichste Fratze eines Sports, der viel zu sehr am Geldtropf der Sponsoren hängt. Die Regel, die leider noch zu wenig diskutiert wird, heisst: Je mehr Geld in den Sport fliesst, desto gefährdeter ist seine Unabhängigkeit.

Zum Glück ist der Modellflug bis jetzt vor dem zweifelhaften Segen der grossen finanziellen Zuwendungen verschont geblieben. Allerdings sind heute – besonders international – Kräfte am Werk, die den Modellflug in zwei Klassen teilen: Auf der einen Seite für Zuschauer attraktiver Sport, der Sponsoren und Geld generieren soll, sowie auf der anderen der idealistisch geprägte Ansatz, den ich kurz «Sport für Sport» nennen möchte; wo die Motivation aus Freude am Tun besteht – sei es nur zur eigenen Befriedigung oder im Wettkampf mit anderen. Die Welt des internationalen Modellflugsports wird zum weitaus grössten Teil durch den internationalen Luftsportverband FAI betreut, in dessen Modellflugkommission CIAM die Reglemente aktualisiert werden. Diese eher bürokratische Arbeit kann leider auch technische Fortschritte verhindern. So fürchten sich zum Beispiel die RC-Segelflieger – mit und ohne Schnüre – vor elektronischen Errungenschaften wie Vario, Stabilisierungssystemen usw. mehr als der Teufel vor dem Weihwasser. Ähnliches ist von der F3A-Szene bezüglich Gyros zu berichten. Während die RC-Elektro-Segelflieger eine lange Tradition im Einsatz elektronischer Systeme haben und im Verbot solcher eher einen musealen Weg sehen. Unsere Jugend wächst mit all den Neuerungen auf und die Miniaturisierung macht zudem eine Kontrolle fast unmöglich. Nun, letztlich müssen alle von ihren eigenen Regeln überzeugt sein. Ungemütlich wird's erst dann, wenn die eine «Fraktion» der andern ihre Weisheiten sozusagen aufzwingen will. Wer mit starren Regeln technischen Fortschritt verhindern will, soll dafür auch Verantwortung übernehmen müssen, insbesondere dann, wenn die Attraktivität für die junge Generation abnimmt.

Mit freundlichen Grüssen

Emil Ch. Giezendanner


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Die auf dieser Seite durch den Redaktor – sowie andere Autoren dieses Heftes – zum Ausdruck gebrachten Meinungen decken sich nicht zwingend mit der Verbandsmeinung des SMV. Offizielle Verbandsmitteilungen findet der Leser in der Rubrik «SMV».



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