Weisch, was i meine? Sonnenenergie – aber ehrlich
Solarenergie ist momentan das grosse Zauberwort. Mich lässt der Verdacht nicht ganz los, dass es sich dabei um eine Beruhigungspille gegen das kollektive schlechte Gewissen handeln könnte. Wir sind alle Umweltsünder. Sogar grüne Politikerinnen und Politiker sollen ab und zu den Flieger nehmen. Im Modellflug haben ganz verschiedene Player erfolgreiche Versuche mit Solarflugmodellen gemacht. Eine wunderbare Sache. Die allerbesten von ihnen flogen auch bei eher trübem Wetter oder gar bei Regen. Ist das Modell mit einer Pufferbatterie ausgerüstet, kann der Spass weitergehen. Aber irgendwann ist fertig, weil die Batterie leer ist – oder zu klein bemessen, um bis zum nächsten Sonnenaufgang genug Energie für den Nachtflug zu liefern – diese Grenzen zeigten sich bei Weltrekordversuchen. Die manntragende Luftfahrt ist mit einer Reihe interessanter elektrisch betriebener Luftfahrzeuge ins Interesse der Aviatik gerückt. Mit Solarzellen bestückte Flügel und Leitwerke werden mehr oder weniger erfolgreich eingesetzt. Vergessen wir unsere Solarfluggioniere Bertrand Piccard und André Boschberg nicht, wie sie mit Solar Impulse die Welt umrundet haben. Ein längerer Aufenthalt auf Hawaii soll aufgrund der Akkus erforderlich gewesen sein. Die Details kenne ich nicht. Das Thema Akkus aber schon. Wenn eine Solar-Volksinitiative gemäss Text nur der «Produktion» dient und das Speicherproblem verdrängt, ist das spätestens seit Solar Impulse entweder ziemlich dumm oder doppelbödig. Denn die grossen Speicher sind unsere Stauseen, deren Ausbau teilweise über Jahre verhindert wird. Dazu müssen grosse Strommengen transportiert werden. Das benötigt Leitungen – auch diese sind nicht gerade landschaftverschönernd. Lokale Batteriespeicher – inklusive Akkus von E-Autos – sind erst im Kommen. Bereits im mit Freunden zusammen organisierten Solarflug-Jugendlager im Appenzellerland haben unsere jungen Konstrukteure gelernt, dass Solarenergie nur in Verbindung mit einem Stromspeicher wirklich funktionieren kann. Ich hoffe, dass sie heute als Botschafter dieser ehrlichen Erkenntnis helfen werden, die «politischen Solarinitiativen» durch realistische zu ersetzen.
Emil Giezendanner
redaktion@modellflugsport.ch

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