Geschichte

Mit kritischem Blick: Was ist ein Testbericht wert?

von Ernst Bernet
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Mit kritischem Blick

Die Antwort auf diese Frage kann von «wertlos» bis «sehr grosse Hilfe» schwanken. Um einen vorliegenden Test beurteilen zu können, sind einige grundlegende Kenntnisse notwendig. In diesem Praxis-Tip sollen sie einem weiteren Kreis von Interessenten vermittelt werden. Wer sie berücksichtigt, kann die Aussagen in solchen Berichten besser abwägen und weiss auch, wie grosses Gewicht den Aussagen in der Werbung zukommt.

Wenn irgendwo ein Testbericht oder auch ein sogenannter Erfahrungsbericht erscheint, lohnt es sich, vor dem Lesen den Namen des Autors anzusehen. Da gibt es bereits verschiedene Möglichkeiten. Die erste ist zugleich die einfachste. Wenn nämlich kein Verfasser angegeben ist, dann dürfte es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um ein verkapptes Eigenlob handeln. Solche Artikel wollen den Eindruck eines Tests erwecken, sind aber nur auf die eigenen Interessen ausgerichtet. In ihnen findet man natürlicherweise nur positive Aussagen über das beschriebene Produkt. Damit ist der Verdacht auf Eigeninteressen begründet.

Bei der zweiten Möglichkeit ist wohl ein Verfasser angegeben, aber man hat den Eindruck, der Test sei im Auftrag geschrieben. Oft sind in solchen Berichten Ausdrücke zu finden, welche Prospekten oder Inseraten der Herstellerfirma entnommen sind.

Eine weitere Möglichkeit bilden die sogenannten Gefälligkeits-Gutachten. Da singt etwa ein vom Hersteller durch Gratislieferungen von Helikoptern und Bestandteilen unterstützter, weitherum bekannter guter Wettbewerbs-Pilot das Loblied der Marke X. Auch solche Tests oder Inserate sind nach der Natur der Sache subjektiv. Dazu muss sich der Normalverbraucher unbedingt die Frage stellen, ob er tatsächlich einen Helikopter mit den gleichen Eigenschaften braucht, wie sie der Landes- oder sonstige Meister für sein Können benötigt. Denken Sie da an Ihr Auto. Was nützt Ihnen ein McLaren oder ein Lotus der Formel-1, wenn Sie zum Vergnügen mit Ihrer Familie ausfahren wollen? Wer also mit Argumenten ficht, welche aus der Sphäre von Meistern kommen, kann sich naturgemäss damit auch nur an diese wenden. Also Vorsicht beim Übertragen solcher Ruhmesstrahlen auf uns Normalverbraucher.

Wenn die bis jetzt geschilderten Einschränkungen nicht vorhanden sind, oder

wenn man vom Autor eines Testberichtes bereits aus früheren Erfahrungen weiss, dass er auch negative Seiten eines Produktes erwähnt, hat man trotzdem noch keine absolute Sicherheit, dass der Test richtig wiedergibt, wie die tatsächlichen Verhältnisse sind. Um hier so nahe wie möglich an die Wahrheit heranzukommen, müssten Vergleiche mit gleichartigen Produkten anderer Hersteller angestellt werden. Auch sollten die Preise von Ersatzteilen und die Lebensdauer einzelner Komponenten miteinander verglichen werden. Um das tun zu können, ist ein grosser Aufwand an Zeit und auch eine lange Betriebszeit nötig. Wartet man die ab, so ist der Test nicht mehr aktuell; schreibt man ihn vorher, so ist er bewusst nicht vollständig.

Was soll man nun von all diesen sich zum Teil widersprechenden Angaben halten? Ich meine, dass der Name des Autors zusammen mit den Aussagen der Werbung das Bild gibt, welches einem den grösstmöglichen Wirklichkeitsbezug gewährleistet. Wenn also in der Werbung z. B. eine Super-Luxus-Lösung für ein mechanisches Teil herausgestellt wird und im Testbericht des einem vertrauten, kritischen Autors wird davon nichts erwähnt, dann ist das bereits suspekt. Denn das Beste, das Grösste, die Klasse für sich oder einfach und schlicht die Spitze müsste auch der Tester in der Praxis bemerken und dann mit entsprechendem Nachdruck darauf hinweisen. Tut er das nicht, so verhält er sich etwa wie der Arbeitgeber, welcher im Zeugnis eines austretenden Mitarbeiters nicht erwähnt, dass die Leistungen nicht seinen Erwartungen entsprachen, sondern formuliert: «Er gab sich stets Mühe, die an ihn gestellten Anforderungen zu erfüllen.» Man muss dann eben herauslesen können, dass der Erfüllungsgrad der Leistung überhaupt nicht erwähnt ist.

Mit diesen Überlegungen können Sie Testberichte und auch Inserate von Herstellern oder Händlern kritisch begutachten, und wenn Sie dann noch den alten Spruch, glauben solle man in der Kirche und wissen soll man im Geschäft (und im täglichen Leben), auf die Versprechungen in Inseraten anwenden, dann bleibt meist nur noch ein kleiner Rest übrig, der echte Informationen vermittelt. Aber dieser Rest ist wenigstens wirklichkeitsnäher als das schön frisierte ursprüngliche Ganze.



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