Editorial

Verlorene Balance

von Emil Ch. Giezendanner
4

Liebe Leserin, lieber Leser

Am Pfingstmontag, habe ich im Rahmen unseres geliebten Fliegerkafis meine Kollegen gefragt, ob sie mir einen Tipp fürs Editorial hätten. War vermutlich eher als Witz gemeint und wir retteten uns in ein anderes Thema. Zwei, drei Stunden später nach dem Abendessen habe ich mich am Tablet über den Stand der Space-X-Mission informiert und bin dann von dort u.a. auf bluewin.ch geraten. Schnell überfliege ich die Titel der Berichte übers Pfingst-Wochenende und muss feststellen, dass die pfingstliche Erleuchtung bei vielen Zeitgenossen leider nicht stattgefunden hat. Mord und Totschlag, Messerstechereien, Schüsse. Angriffe gegen Polizistinnen und Polizisten, Busfahrer und unbeteiligte Personen zuhauf. Was ist los mit unserer Gesellschaft? Aggressives Verhalten als Folge von Anonymität und Dichtestress? Nun, unsere Medien werden bestimmt die richtigen Experten finden.

An mir geht das Ganze nicht immer so leicht vorbei, und ich frage mich, ob all die gut gemeinten Konzepte und Lösungsversuche unserer Behörden zu wenig bringen würden? Ob nicht mehr getan werden müsste. Ich denke insbesondere an unsere Bildungseinrichtungen aller Stufen. Hier muss unbedingt mehr investiert werden; nicht in Akkumulation von Wissen, das ohnehin vom World Wide Web heruntergeladen werden kann, sondern in Menschenbildung. Wenn zum Beispiel an unseren Universitäten Redner, die nicht eine momentan allgemeingültige politische Richtung vertreten, niedergeschrien werden, ist das nicht nur intolerant, sondern dumm. Viele von diesen Leuten finden wir später in Ämtern und Behörden wieder. Klar, nicht alle werden mit den eingangs beklagten Zuständen konfrontiert. Wenn sie aber in ihrem Amt harmlose Mitbürger und Steuerzahler mit absolut unnötigen juristischen Schikanen belästigen,

leisten sie Illegalität und Staatsverdrossenheit Vorschub. Die aus der EASA-Juristenküche mit grossem Aufwand gebastelten Modellfluggesetze muss ich ohne Wenn und Aber als höhere Makulatur bezeichnen und gleichzeitig die Frage stellen: Haben wir, unsere Ämter und Politik, wirklich keine anderen Sorgen und nichts Besseres zu tun? Zwar lassen sich mit Modellfluggesetzen unsere gesellschaftlichen Probleme nicht lösen. Hingegen muss die Politik dafür sorgen, dass Stellenpläne und Budgets unserer Ämter nach gesellschaftlich Wichtigem und Dringendem von sinnloser bürokratischer Betriebsamkeit getrennt werden. So können wir auf die Dauer ein Gleichgewicht zwischen staatlicher Bevormundung und Förderung der Eigenverantwortlichkeit erreichen.

Mit herzlichen Modellfliegergrüssen

Emil Ch. Giezendanner



Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙