Unfallverhütung und Einflussnahme im Modellflug

Dieser Text ist aufgrund verschiedener Erlebnisse und Diskussionen mit aufmerksamen Modellflugpiloten entstanden. Das Gemeinschaftswerk in meinem Namen als SMV-Präsident soll zu mehr Bewusstsein und aktiverem Leben der Sicherheit beitragen. Eigentlich ist ziemlich klar, was zu tun ist, damit keine Unfälle passieren und keine Unstimmigkeiten auf dem Hangfluggelände oder auf dem Modellflugplatz entstehen. Es gibt gute Grundlagen dazu, z.B. im Safety-Kompendium des SMV oder im Artikel «Faszination Hangflug» im Modellflugsport 3/2018. Und trotzdem geschehen Unfälle und es erhitzen sich in der Folge die Gemüter. Es geht also darum, dass wir die bekannten Grundlagen noch besser in die Praxis umsetzen, achtsam sind und die Grundlagen täglich leben.
Erforscht man die Literatur zu diesen Themen, stösst man auf den Begriff Airmanship. Es geht um Fähigkeiten, Urteilsvermögen, Situationsbewusstsein oder einfach nur um die «richtige» Einstellung in der Aviatik. «Airmanship ist die konsequente Nutzung von gutem Urteilsvermögen und gut entwickelten Fähigkeiten, um fliegerische Ziele zu erreichen.»
Einem Absturz oder gar einem Unfall mit beteiligten Personen geht oft Unachtsamkeit voraus, die rückblickend zum Ereignis beigetragen hat. Oft hört man im Anschluss danach Sätze wie: «Ich habe mir noch gedacht, dass das nicht gut kommt, er hat schon früher sein Modell vor dem Erstflug nicht sauber gecheckt, auch andere haben ihm schon gesagt, er soll nicht so nah an uns oder über die Köpfe von Wanderern fliegen.» Ein Teil der zum Glück meist geringfügigen Vorfälle könnte demnach vermieden werden, wenn rechtzeitig und mit Erfolg Einfluss genommen würde. Der Haken liegt im Zwischenmenschlichen:
Einflussnahme braucht Mut, weil mit Widerstand gerechnet werden muss, von Einzelnen oder von mehreren Anwesenden. Je besser die Vertrauensbasis ist, desto niedriger ist die Hürde, sich gegenüber Einzelpersonen oder in der Gruppe zu äussern. Wer damit rechnen muss, vor anderen abgekanzelt oder gar angefeindet zu werden, verschliesst sich. Damit ist die Chance vertan, eine Verbesserung anzuregen, das Miteinander aktiv zu leben oder einen möglichen Vorfall zu vermeiden.
Dazu einige Beispiele, welche gut gemeinte Interventionen rechtfertigen:
- Schnelle und nahe Vorbeiflüge werden nicht angesagt.
- Trotz angekündigter Landung wird weiterhin geflogen.
- Die Landebahn wird nach der Landung nicht unverzüglich freigegeben.
- Der Luftraum vor der Nase bleibt mit Speedwenden lange Zeit besetzt.
- Die Kreisrichtung des obersten Fliegers wird nicht übernommen.
- Piloten stehen so weit auseinander, dass die Ansagen bei Wind gar nicht gehört werden können.
- Nichtfliegende unterhalten sich lautstark zwischen den fliegenden Piloten.
Seit Anbeginn der Aviatik und seit unzähligen Generationen ist der Modellflug ein wichtiger Baustein, Talente und Leidenschaften zu fördern, ein Gewinn für die Gesellschaft.
Äussere Einflüsse, wie Gesetze und Verordnungen betreffend Nutzung des Luftraumes und des Bodens, sowie Naturschutz üben einen enormen Druck auf den Modellflug aus und lassen den Nutzen für die Gesellschaft hinterfragen. Der Dichtestress, verursacht durch Übernutzung von Naherholungsgebieten, durch das allgemeine Freizeitverhalten der Menschen und nicht zuletzt wegen Corona nochmals zugespitzt, kann den Modellflug in arge Bedrängnis bringen.
Unachtsame und rüpelhafte Modellflugpiloten, oft auch ausserhalb von Vereinsflugplätzen anzutreffen, ziehen den Fokus auf sich und bringen bei argwöhnischen Mitmenschen den Modellflug im Allgemeinen in Verruf.
Gerade heute, wo die äusseren Bedingungen uns Modellpiloten bedrängen, ist jeder Einzelne von uns gefordert, den Modellflug kultiviert auszuüben.
Je stärker wir alle den Modellflug von innen her kulturell festigen, umso besser können wir selbstbewusst dem Druck von aussen entgegentreten.
Unfallverhütung steht ganz zuoberst in unserem Kulturgut. Schwere Unfälle finden sehr schnell den Weg in die Medien und der angerichtete Schaden betrifft dann nicht nur die unmittelbar vom Unfall Betroffenen, sondern den Modellflug im Ganzen.
Ein Flugbetrieb mit aktiver Kommunikation untereinander führt automatisch zu mehr Sicherheit und letztlich auch zu mehr Freude am Fliegen.
Die These kann einfach belegt werden: Könntest du so gut fliegen, wenn du dir alles selber beigebracht hättest? Würdest du genauso oft und vergnüglich fliegen, wenn du immer alleine fliegen müsstest? – Eben.
Gerade das Fliegen an schönen Orten in den Ferien, im In- und Ausland, zusammen mit Freunden und mit neuen Leuten aus nah und fern sind unvergessliche Höhepunkte unserer vielseitigen Freizeitbeschäftigung. Beispielsweise die beidseitige Freude teilen, wenn wir einem weit gereisten Flachländer aufzeigen, wie man in den Bergen stressfrei und sicher fliegen kann. Oder sich anhören, was andere an ihren Fliegern begeistert, und erklären, wie der eigene alpentauglich gemacht wurde. Sich erklären lassen, wie Flugfiguren gelingen, die man selber nie so schön hinkriegt. Es beflügelt, sich gegenseitig technisch und fliegerisch weiterzubringen. Voneinander zu lernen erzeugt den Groove, um nach dem Fliegen anzustossen und in aufgeräumter Stimmung auch mal von den Fakten ins Fliegerlatein abzugleiten.
So oder ähnlich wächst eine kameradschaftliche Basis, damit Interventionen konstruktiv aufgefasst werden und Einsichten ins eigene Verhalten einfliessen. Sicheres Fliegen und ein offener Umgang schränken nicht ein, sondern erhöhen den Wert des Modellfliegens.
Es geht nicht nur um den geordneten Betrieb am Hang oder auf dem Flugplatz, sondern auch um den Modellflug als Ganzes.
Wir müssen uns bewusst sein, dass ein Modellflugzeug ein

gefährliches Gerät werden und Dritte gefährden könnte. Das sind sämtliche Personen im Umkreis eines fliegenden Modellflugzeuges, also andere Piloten und auch Passanten. Nachrichten über Unglücksfälle verbreiten sich heute innerhalb von Minuten in neuen und traditionellen Medien. Meistens stimmt derjenige Teil der Meldung, wonach etwas Gravierendes vorgefallen ist. Falsch wiedergegebene Informationen können jedoch nicht mehr aus der Welt geschafft werden. Ergo müssen wir auch deshalb alles daran setzen, dass keine Menschen zu Schaden kommen.
Wir wissen, was zu tun ist. Seien wir etwas mutiger und sprechen diese heiklen Themen bei den Kollegen beim Hangfliegen und auf dem Modellflugplatz an und lassen uns auch als Piloten dann und wann von anderen belehren. Es braucht etwas Mut und Überwindung, aber es funktioniert und es hilft uns allen. Vor allem steigert es die Freude am Modellfliegen, und das ist doch der Kern bei unserer schönen Freizeitbeschäftigung.


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