Wie Phönix aus der Asche
Umbau einer Hope Robin DR 400/180 von 1976 auf Elektroantrieb
Es war etwa 1976, als ich das Modellbaugeschäft Hope in Schöftland besuchte. An der Decke hing eine 1,9 m grosse Robin DR 400/180, die in mir helle Begeisterung hervorrief. Die musste ich unbedingt haben! Ein solches Modell war für die damaligen Verhältnisse schon ein richtig grosser Flieger.
Ich hatte mir dann innerhalb kurzer Zeit gleich zwei davon angelacht. Eine in Orange, die andere in Gelb. Das Modell war für 10- bis 12,5-ccm-Motoren vorgesehen, bei einem Gewicht von 4,5 kg. Die Entscheidung fiel dann aber auf einen 15-ccm-Webra-Motor. Dieser Antrieb reichte völlig für Rundflüge und einfache Kunstflugfiguren. Für das Schleppen von grösseren Segelflugmodellen war er aber doch zu schwach. Auf der Suche nach einem stärkeren Motor stiess ich auf den 2000 Super Tigre mit 20 ccm. Leider hat das Mehrgewicht die Mehrleistung praktisch fast wieder aufgefressen. Also musste der stärkere 3000 Super Tigre mit 30 ccm her. Dabei
nahm das Gewicht der Robin stetig zu. Vollgetankt war das Abfluggewicht nun bei 7,8 kg. Eine Zunahme von satten 3,3 kg. Der Motor hatte reichlich Leistung, und die Robin verkraftete das Mehrgewicht ohne Probleme mit immer noch sehr guten Langsamflugeigenschaften.
Mit der orangefarbenen Robin (Bild 1) flog ich dann einige Jahre, bis sie einem Bruch des Servohebels am Höhenruder zum Opfer fiel (die waren damals noch recht filigran mit Vierkantaufsatz).
Also machte ich die gelbe Robin flugbereit. Als Antrieb habe ich wieder den 3000 Super Tigre eingebaut, da sich dieser sehr gut bewährte. Im Laufe der Jahre wurden damit viele Segler in ihr Element befördert. Leider haben nach und nach viele Piloten ihre Segler mit Elektromotoren und Klapppropeller ausgerüstet, sodass meine Robin langsam arbeitslos wurde. Zudem hat sich auch noch ein Kugellagerschaden am Motor angekündigt, womit die Robin vorläufig ausser Dienst gestellt wurde. Dieser Zustand dauerte
dann allerdings über 20 Jahre. Dann kam die Corona-Zeit und mit ihr das Flugverbot, und das bei schönstem Flugwetter im April. Also blieb nur der Bastelkeller. Bald waren alle Flieger wieder flugtüchtig gemacht. Ein neues Projekt war nicht geplant. Nur vor dem TV rumhocken und Bier trinken ist nicht mein Ding. Da ich keine Lust mehr auf Methanol-Motoren hatte, entschloss ich mich, die über 40 Jahre alte Robin auf Elektroantrieb umzubauen. Vor 40 Jahren wäre dies nicht mal denkbar gewesen.

Wegen des Corona-Flugverbotes war ein Testflug zur Berichtszeit nicht möglich. Deshalb kann ich diesen Nachtrag erst jetzt liefern: Ab dem 11. Mai wurde das Fliegen auf unserem Flugplatz unter den bekannten Auflagen (max. fünf Personen, zwei Meter Abstand) wieder erlaubt. Am 13. Mai war es dann endlich so weit. Die auf Elektroantrieb umgebaute Hope-Robin konnte nach über 20 Jahren voller Spannung wieder ihrem Element übergeben werden.
Und ich darf sagen, der Umbau übertraf alle meine Erwartungen. Der Dualsky-Motor steht dem 30er Super Tigre in nichts nach. Der Start erfolgte problemlos mit zwei Drittel Leistung. Und es gibt noch weitere positive Aspekte. Im Gegensatz zum Kolbenmotor hat der Flieger keinerlei Vibrationen mehr. Sehr positiv überrascht hat mich auch die mögliche Flugzeit. Für normale Flüge sind mit 12 S Akku (2x6 S/5000 mAh) sieben bis acht Minuten Flugzeit möglich.
Die Elektrofliegerei überzeugt mich nun vollends. Schon aus Gründen des viel leiseren Flugbetriebes lohnt sich so ein Umbau.

Im Vordergrund stand die Wahl für einen geeigneten Antrieb. Mit fachkundiger Unterstützung von Ueli Amsler (Gloor und Amsler von Rupperswil), entschied ich mich für folgende Antriebskonfiguration:
Motor: Dualsky 190 kV
Regler: für 12 S-LiPo's und 100-A-Dauerlastbetrieb
LiPo's: 2 × 5000 mAh
Propeller: 18 × 10E

Der Umbau ging flott voran. Zuerst musste unter dem Rumpf ein Ausschnitt für den Akkuschaft angebracht werden (Bild 2). Das war einfacher zu realisieren, als gedacht. Die Akkus fanden reichlich Platz anstelle des ursprünglichen Tanks. Selbst das Instrumentenpanel konnte an seinem Platz verbleiben. Der Motor wurde mit vier parallel angebrachten 8-mm-Alurohren und 4-mm-Gewindestangen an seinen Arbeitsplatz gebracht.
Hätte ich einen entsprechenden Baubericht früher gelesen, dass die Stangen wegen der auftretenden Kräfte konisch angebracht werden sollten, hätte ich das natürlich auch so gemacht (Bild 3). Der Regler wurde vorne, im Fahrtwind am Motorspant angebracht. So braucht es den mitgelieferten Lüfter, wie ich hoffe, nicht. Jetzt mussten nur noch an der Motorhaube die vielen Befestigungslöcher der vorgängigen Motorisierungen zugemacht werden. Somit war nach der Neulackierung der Umbau beendet.

Pilot «Bartli» (Bild 4) hat viel Flugerfahrung. Er pilotierte damals schon das Schlüter-Helibaby, welches im Originalzustand im Keller seit über 40 Jahren vermutlich vergebens auf seine Wiederbelebung wartet.
Aufgrund der COVID-19-Pandemie und der geschlossenen Flugplätze muss der erneute Erstflug noch ein bisschen warten.
Nur schade, ist die schöne Robin von Hope schon lange nicht mehr erhältlich. Das wäre heute sicher ein interessantes und schönes Modell für Elektroantrieb.
Auf dem Titelbild von MFS, Ausgabe 1/80, ist die orangefarbene Robin zu sehen. Dahinter sitzend, der inzwischen ein wenig älter gewordene Autor.
Das Erfreuliche an diesem Umbau ist, dass die Robin ganze 250 Gramm leichter geworden ist und sich die Schwerpunktlage nicht verändert hat.
Selbstverständlich wurde im Anschluss die alte 40-MHz-Simprop-Empfangsanlage durch das Jeti-System abgelöst. Auch die betagten Contest-Servos wurden in ihren verdienten Ruhestand versetzt.
Der Umbau auf Elektroantrieb hat viele Vorteile. Kein Methanol, keine Starterbox und keine Putzlappen mehr mitschleppen, keine Putzerei am Ende jedes Flugtages und deutlich niedrigere Betriebskosten. Vielleicht ein kleiner Nachteil ist die etwas kürzere Flugzeit pro Akkuladung.

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