Doppelschlepp – so geht es!
Theorien über den Doppelschlepp gibt es so viele wie Wolken am Himmel an einem windigen Apriltag. Wir wollen auf keinen Fall behaupten, dass unsere Methode die einzig richtige ist. Aber über die letzten zwei Jahre intensiven Formationsfliegens auf zahlreichen Flugtagen in ganz Europa haben wir sie zusammen mit unserem Stammschlepper Thomas Hoffmann Schritt für Schritt so optimiert, dass wir damit sehr zufrieden sind.
Die Tatsache, dass man an zwei Seilen mit einer Schleppmaschine zwei Segler gleichzeitig hochzieht, birgt zwei substantielle Gefahren in sich. Erstens: Die Seglermodelle können kollidieren, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu grossen Beschädigungen und eventuell gar zum Absturz führen kann. Gerade der Leitwerksbereich ist hier besonders anfällig. Zweitens: Die Seile können sich in den Modellen verfangen, diese in der Folge beschädigen oder gar einen Teil des Modells abreissen, oder die Leinen können sich so verheddern, dass die Segler nicht mehr freikommen. Die beiden letzten Fälle enden meist böse.
Die Beobachtungsposition vom Boden aus bringt eine weitere Herausforderungen mit sich: Je nach Winkel und Position kreuzen sich die Modelle optisch hinter der Schleppmaschine und es sieht dann so aus, als würden sie kollidieren. Da die Nerven zu behalten, ist nicht ganz einfach. Schliesslich kann es je nach Schleppverlauf sein, dass es nicht nur so aussieht, sondern auch tatsächlich so ist. Was das heissen würde, habe ich oben beschrieben.
Unsere beiden Swifts sind je 20 Kilo schwer. Obwohl die Schleppmaschine 200 cm3 hat und der Schlepppilot sehr erfahren ist, hat er kaum eine Chance, uns sicher auf Höhe zu bringen, wenn wir schlecht und unkoordiniert hinterherfliegen. 300 bis 400 Meter würde man vielleicht noch hinbekommen. Für unsere Show benötigen wir aber 600–700 Meter Höhe. Nebst der schlechten Sicht kann es in diesen Höhen auch mal zünftigen Wind haben. Manchmal auch in ganz anderen Richtungen als am Boden. Da ist sauberes Fliegen unabdingbar.
Auf grossen Showfliegen kommt die nervliche Anspannung hinzu. Vor 30 000 Zuschauern den Doppelschlepp sicher zu absolvieren, stellt die Nervenstärke der Piloten auf die Probe. Dazu kommt, dass auch mal die Wetterbedingungen nicht optimal sein können. Es gilt also, eine Methode zu finden, die auch bei nicht ganz optimalen Bedingungen zuverlässig und ohne zu hohes Risiko funktioniert.
Das Wesentlichste an unserer Strategie ist: Wir separieren die Modelle nicht seitlich, sondern in Höhe und Länge. Wie geht das? Wir verwenden zwei unterschiedlich lange Seile. Als optimaler Abstand haben sich 15 Meter herausgestellt. Die Seile dürfen zudem nicht zu kurz sein. 30 und 45 Meter sind ideal. Die Taktik ist nun so, dass der Segler am kürzeren Seil möglichst hoch fliegt und der hintere Segler wesentlich tiefer. Allerdings nicht so tief, dass das Seil auf der Höhenruderflosse der Schleppmaschine aufliegt. Hier sind die richtigen Trimmstellungen entscheidend. Wir haben dazu separate Trimmstellungen über einen Flugzustandsschalter für den Doppelschlepp programmiert.

Durch diese Separierung ist es nicht notwendig, dass die beiden Seglerpiloten versuchen, den Abstand seitlich voneinander zu halten – im Gegenteil: Der hintere Segler muss möglichst exakt hinter dem vorderen Segler herfliegen. Dieser wiederum fliegt möglichst genau hinter dem Schlepper. Quasi wie Perlen an einer Schnur. Durch den Höhenversatz ist das längere Seil stets unter dem vorderen Segler

und kann sich so nicht darin verfangen. Und da beide Segler sauber in einer Reihe hinter dem Schlepper fliegen, kann auch ein Aufschieszen oder Abkürzen vermieden werden. Auf die 15 Meter Seilunterschied kann man sich auch bei optischen Kreuzungen verlassen – das beruhigt die Nerven. Während des Schleppfluges hat ein Pilot das klare Kommando. Bei uns ist das Tim, der am vorderen Seil hängt und durch diese Position den ganzen Schleppzug sauber im Auge hat. Er gibt die Anweisungen, wann der Schlepper die Kurven zu fliegen hat, ob er zu steil steigt und so zu langsam wird oder ob das Gespann zu schnell unterwegs ist.
Doch vor dem Flug kommt der Start. Es hat sich bewährt, die Modelle nicht mit zu viel seitlichem Versatz aufzustellen. Sie werden beim Rollen am Boden sonst zu stark zusammengezogen. So ca. zehn bis fünfzehn Meter haben sich bewährt. Nach dem Anrollen muss der vordere Segler so schnell wie möglich abheben, um vom Seil des hinteren wegzukommen. Die hintere Maschine wird am Boden gehalten, bis der vordere Pilot deutlich sagt, dass er abgehoben ist.
Sind wir erfolgreich auf der erforderlichen Höhe angekommen, separieren wir die Segler deutlich seitlich voneinander und klinken dann auf Kommando absolut zeitgleich. Auf keinen Fall darf der vordere Segler vorher klinken. Die 15 Meter Seildifferenz sind dann schnell aufgebraucht und es knallt. So, und nun wünschen wir viel Erfolg beim Üben.

Das Red Bull Team Schaerer besteht aus Vater und Sohn, Andi und Tim Schaerer. Nebst zahlreichen Erfolgen als Einzelsportler im Segelkunstflug auf nationaler (zusammen zehn Schweizer-Meister-Titel) und europäischer (zwei Titel als Europameister, mehrere zweite und dritte Plätze) Ebene, sind die beiden seit rund zwei Jahren als Synchronflug-Team auf zahlreichen Flugtagen und Events in Europa unterwegs. Seit 2012 gehört das Team Schaerer zusammen mit 18 weiteren Schweizer Sportlern dem Athleten-Team von Red Bull Schweiz an. Team Schaerer ist auch auf Facebook:

https://www.facebook.com/pages/Team-Schaerer/150171351816134?ref=hl
*Ein Film zum Thema: http://www.youtube.com/watch?v=1YPqP3OU1pg*


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