Ein Nachbau mit vielen nicht alltäglichen Tücken – «Reben- und Aprikosen-Sprüher» der Air Glacier
In den letzten zwei Jahren konnte man an etlichen Flugtagen oder Treffen jeweils die Lama SA315B von Markus Lehmann aus dem bündnerischen Saas bestaunen. Aussergewöhnlich am Modell ist eine top funktionierende Sprüheinrichtung nach Vorbild der Air Glacier im Wallis. In unzähligen Versuchen und Arbeitsstunden hat er ein Resultat erzielt, welches dem Vorbild sehr, sehr nahekommt. Dass aber nicht immer alles von Anfang an so geht, wie sich der Erbauer das vorstellt, soll in nachstehenden Zeilen zum Ausdruck gebracht werden.
Der Bausatz sowie Mechanik, Rotorkopf und der Heckrotor stammen von Vario Helicopter aus Deutschland. Leider entsprechen die Bausätze von Vario nicht immer dem Vorbild, sodass während des Bauens des Modells Anpassungen und Änderungen für ein Scale-Modell unerlässlich sind. So
war auch für Markus klar, dass es die eine oder andere Anpassung brauchte, auf die hier im Bericht explizit eingegangen wird.
So hat er den markantesten Punkt am Bausatz, die Stege der Verglasung der Haube, von Anfang an schmaler ausgeschnitten. Da die Verglasung der Scheiben grösser geliefert
wird, konnten diese problemlos an die grösseren Öffnungen angepasst werden. Die Verglasung wurde aber nicht eingeklebt, sondern mit passenden Gegenstegen aus Polystyrol klemmend eingeschraubt. Der Schraubenkopf auf der Aussenseite der Kanzel dient gleichzeitig als Imitation der Nieten.
Im Bausatz sieht Vario blaue Flaschen für die Kerosintankanlage vor. Die erhältlichen Tankabdeckungen decken diese Tanks nicht vollkommen ab, was dann später an Scale-Modell sehr störend wirkt. Diese Sache wurde von Markus Lehmann gelöst, indem er die Kerosintanks in GFK selber baute und in diese Abdeckungen einlamierte. So konnte der Tankinhalt mit zweimal einem Liter noch etwas erhöht werden und die Tanks wurden unsichtbar.
Vielfach ist mit relativ wenig Aufwand im Endresultat viel zu erreichen, aber auch nicht immer verständlich, wieso Hersteller an solchen grundlegenden Ausführungen über die Jahre keine Änderung vornehmen, um den Modellbauer zu entlasten oder zu unterstützen. Viele 3D-Teile von Scale Print, welche montiert wurden, runden das Gesamtbild des Modells ab.
Oberste Priorität war für den Erbauer von Anfang an die Sprühanlage. Dass es der Knackpunkt am Modell wurde und viel Zeit kostete, unterschätze er ein wenig. Bei zwei Besuchen in Sion in den heiligen Hallen von Air Glacier konnte Markus unzählige Fotos von der Original-Sprühanlage machen sowie diese auch im Detail vermessen. Mit diesen Unterlagen wurde alles auf Papier (CAD) und in den richtigen Massstab gebracht.

Mit der Firma Scale Print von Stefan Radau wurde dann auch bald der richtige Partner gefunden, welcher die vielen einzelnen Teile dafür umsetzen konnte. Anschlüsse, Aufhängungen, Bögen, Düsenattrappen, Fittings und vieles mehr, für diese Sachen ist der 3D-Drucker in der heutigen Zeit der richtige Partner für vieles und kann auch viel Arbeit sparen.
Die Ausleger, woran die Düsen befestigt sind, wurden aus PVC-Rohren gefertigt. Im inneren der Rohre wird auch das Wasser zu den Düsen geleitet. Die beiden seitlichen Tanks für
das Sprühmittel (Wasser) wurden nicht im Handel gefunden und konnten somit nicht gekauft werden. Ein entsprechendes Urmodell wurde angefertigt und die Tanks entsprechend abgeformt. Die aufwendige Aufhängung hierfür wurde durch den Erbauer selber konstruiert und gefertigt. Einige Anläufe waren dafür nötig, bis die Vibrationen an den Tanks beim Fliegen beseitigt waren.
Da Markus Lehmann mit dieser Sprühanlage absolutes Neuland betrat und auch niemanden fand, der so etwas schon einmal umgesetzt hatte, wurde die komplette Anlage an einem Trainermodell installiert, um
die ersten Versuche zu machen. Nach dem ersten Flug war die Ernüchterung sehr gross, das Wasser erzeugte nicht den entsprechenden Nebel, der gewünscht war, sondern das Wasser schoss in einem Strahl aus den Düsen. Es wurde die Pumpenspannung reduziert, andere Pumpen eingebaut, Düsen von einem anderen Hersteller gekauft, aber es wollte einfach nicht werden.
Bei weiteren Recherchen im Internet stiess der Erbauer auf ein Video eines Drohnenher-
stellers, welcher Drohnen mit Sprühanlagen in Japan für die Bewirtschaftung von Reisfeldern anbietet. Nach einigen Mails hin und her trafen im Prättigau eine Elektronik für die Steuerung der Pumpen sowie eine Pumpe ein, welche noch am gleichen Tag montiert und ausprobiert wurde. Auf einen Schlag war das Resultat um Welten besser, aber noch nicht ganz befriedigend für den Perfektionisten Markus.
Manchmal liegt aber die endgültige Lösung, wie man so schön sagt, direkt vor der Nase. Von Anfang an wurden Düsen
| Massstab: | 1:4 |
| Rotordurchmesser: | 2,50 Meter |
| Länge: | 2,40 Meter |
| Höhe: | 0,85 Meter |
| Breite mit Sprühauslegern: | 2,20 Meter |
| Abfluggewicht: | 28 Kilogramm |
| Ausrüstung: | Servos 5x Futaba BLS 471SV, Flybarless System Bavarian Demon Axon, 2x PowerPak 2.5X2 PRO, Empfänger Jeti 301, Turbine Jakadofsky PRO 6000, Hoppertank INTAIRCO iTrape50, Beleuchtung UniLight, Haupt- und Heckrotorblätter Sitar |

der Marke Gardena in diversen Varianten aus dem Baumarkt eingesetzt. In seiner Gartenbaufirma setzt er aber Produkte der Traditionsfirma Birchmeier aus der Schweiz ein. Von einer Rückenspritze wurde eine solche Düse auf der Drehbank passend abgeändert und als Prototyp montiert. Beim folgenden Flug war das Resultat überwältigend und entsprach genau den Wünschen, sodass sofort beim Hersteller weitere beschafft wurden. Pro Seite hat die Anlage 18 Sprühdüsen, wovon aber nur vier mit Wasser funktionieren. Mit diesem Setup wurde der beste Effekt erzielt.
Nach diesen umfangreichen und zeitraubenden Versuchen, Dauer über ein halbes Jahr, konnte die Anlage endlich fertiggestellt werden und am Scale-Modell selber montiert werden.
Mit dem Air-Glacier-«Sprühhelikopter» ist Markus ein Modell gelungen, welches nicht alle Tage zu sehen ist. In rund 1½
Jahren Bauzeit ist ihm etwas seinesgleichen Suchendes gelungen. Mit dem imposanten Flugbild und der nötigen Entfernung ist es in der Luft kaum vom Vorbild zu entscheiden, wenn da vielleicht noch Reben oder Aprikosenbäume wären.
Fotos: Markus Lehmann,
Andreas Maier, MG Schöftland,
Hansueli Tschiemer


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