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Schweizer Modellflugsportler an der Weltspitze

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Piloten der Schweizer Nationalmannschaften flogen auch dieses Jahr in diversen Modellflugsport-Kategorien an der Weltspitze mit. Die Bilanz der aktuellen Saison sind ein Welt- und Europameistertitel, sowie ein Junioren-Vize-Europameister.


Anfang August fanden in Spanien die Weltmeisterschaften der vorbildgetreuen, ferngesteuerten Modellflugzeuge F4C nach den Regeln der FAI (Fédération Aéronautique Internationale), der internationalen Luftsportorganisation mit Sitz in Lausanne, statt. Die Modelle werden von einer Fachjury zuerst am Boden mittels einer Foto- und Baudokumentation auf ihre Detailgenauigkeit gegenüber dem Original bewertet und anschliessend durch anspruchsvolle Flugmanöver gesteuert und die Präzision der Flüge bewertet. Andreas Lüthi (MG Burgdorf) als mehrfacher Welt- und Europameister konnte in dieser Disziplin mit seiner Bücker Jungmeister den WM-Titel 2012 wieder in die Schweiz holen. Dank der hervorragenden Leistung unserer Nationalmannschaft (Max Schildt, Andreas Lüthi und Markus Günter) ist es sogar gelungen, den 2. Platz in der Teamwertung zu gewinnen. Dies ist erneut ein sehr grosser Erfolg für die Schweiz.

Bereits eine Woche zuvor traf sich die Elite der Modell-Kunstflug-Helikopter-Szene in Deutsch-



land zu den alle zwei Jahre stattfindenden Europameisterschaften. Der Tessiner Ennio Graber nimmt seit 2001 regelmässig an den nationalen und internationalen Meisterschaften teil. Nach dem 2. Platz an der Europameisterschaft 2008 und dem 3. Platz an der F3C-WM 2009 in den Munice (USA) wurde er 2010 Europameister. Diesen Titel konnte er nun 2 Jahre später in Deutschland erfolgreich verteidigen. Unglaubliche Fingerfertigkeit und Steuerpräzision sind nötig, um die Hightech-Helikopter durch die anspruchsvollen Schwebemanöver und spektakulären Kunstflugfiguren zu steuern. Der sympathische Tessiner, der sich diese Fähigkeiten in jahrelangen Trainings hart erarbeitet hat und seine Modelle ständig im Detail und der Mechanik optimiert, liess seine Konkurrenten im hart umkämpften Feld



deutlich hinter sich. Mit der maximalen Punktzahl von jeweils 1000 Punkten gewann er jeden Flug der Vorläufe wie auch die Finalflüge. Eine sensationelle Leistung, welche Ennio dort abgeliefert hat. Dank den individuell guten Leistungen der F3C-Nationalmannschaft (Ennio Graber, Remo Hürlimann, Marc Emmenegger, Urs Herzog) konnte sogar der 6. Platz in der Teamwertung errungen werden.

Ebenfalls im August fanden in Frankreich die Europameisterschaften im ferngesteuerten Kunstflug mit Modellflugzeugen statt. Bei den maximal zwei mal zwei Meter grossen und bis fünf Kilogramm schweren Flugzeugen kommen heute meist Elektromotoren zum Einsatz. Junioren bis achtzehn Jahre fliegen im grossen Feld der Senioren mit und messen sich zusätzlich in einer eigenen Juniorenwertung. Dem erst achtzehnjährigen Sandro Matti aus Emmenbrücke (MG Luzern) ist es gelungen, den Junioren-Vizemeister-Titel in dieser sehr verbreiteten und hochkarätig besetzten Modellflugkategorie zu erfliegen.

Dominik Andrist (MG Bern) gewinnt dank seiner hervorragenden Leistung an der Europameisterschaft F1E für magnetgesteuerte Hangsegelflugmodelle in Turda, Rumänien die Bronzemedaille. In einem hochklassig besetzten Feld von 38 Piloten waren 13 verschiedene Nationen am Start. In der Teamwertung (Andreas Tschanz, Alfred Sigrist) belegt die Schweiz den sehr guten 7. Rang.

Im Oktober finden nun die ersten Weltmeisterschaften der Kategorie F3F (Hangflug) statt. Wir wünschen unserer Nationalmannschaft mit Stefan Bertsch, Reto Blumer und Martin Kopp viel Erfolg an der WM in Deutschland.

Piloten, welche an Welt- und Kontinentalmeisterschaften für die Schweiz teilnehmen, üben diesen Hochleistungssport als Mitglieder des Schweizerischen Modellflugverbands SMV aus, der als Spartenverband des Aero-Clubs der Schweiz auch Mitglied von Swiss Olympic ist.

«Sportliche Erfolge im Allgemeinen und solche Spitzenleistungen im Besonderen, sind für die Beachtung und Anerkennung des Modellfluges von sehr grosser Bedeutung», erklärt Peter Germann, Präsident des Schweizerischen Modellflugverbandes, und freut sich über die Resultate seiner Spitzensportler.


Interview mit Sandro Matti

SMV: Wie hast du diese Wettbewerbswoche erlebt?

Sandro: Für mich war meine erste F3A-Europameisterschaft eine super Erfahrung. Eine Europameisterschaft ist auch für uns Piloten sehr eindrücklich und nicht zu vergleichen mit einem normalen Wettbewerb. Das Ganze beginnt mit der Eröffnungsfeier; danach der wöchige Wettbewerb und schlussendlich das Abschlussbankett waren schon speziell. Es war besonders, dass wir

nicht nur für uns flogen, sondern mit der Nationalmannschaft für die eigene Nation startete. Aber auch der Austausch mit den anderen Teams und Piloten war intensiver als bei anderen Wettbewerben, da man sich auf Trainingsplätzen auch neben dem Wettbewerb gesehen hat.


SMV: War es für dich schwierig, diese Woche frei zu bekommen?

Sandro: Ich befinde mich zurzeit im letzten Lehrjahr meiner



Ausbildung zum Kaufmann. Dank der Unterstützung meines Arbeitgebers konnte ich im Sommer für die Europameisterschaft 4 Wochen am Stück frei nehmen. Auch sonst brauche ich praktisch alle meine restlichen Ferientage für das Modellfliegen und es bleiben nicht mehr viele Tage für «richtige» Ferien übrig.


SMV: Wie lange und wie oft trainierst du gewöhnlich, und vor einer solchen Meisterschaft im Besonderen?

Sandro: Ich bin praktisch jedes Wochenende auf dem Flugplatz, aber vor den Wettbewerben jeweils auch öfters unter der Woche, sofern es von der Arbeit oder von der Schule her passt. Dadurch, dass an den Wettbewerben das Wetter nicht immer gleich ist, gehen wir bei fast jedem Wetter trainieren. Auch Sturm oder Regen können uns nicht beeindrucken. An einem Trainingstag machen wir mehrere Flüge. Wir trainieren dabei die beiden Programme, welche an den Wettbewerben geflogen werden, oder nur einzelne Figuren, welche speziell schwierig sind.


SMV: Wie hast du dich sonst auf diesen Wettkampf vorbereitet?

Sandro: Speziell für die Europameisterschaft haben wir noch einen Back-up-Flieger gemacht. Das heisst, einen zweiten, genau gleichen Flieger mit denselben Komponenten. Dieser würde im Fall eines technischen Problems eingesetzt werden. Zum Glück hatten wir keine Probleme und mussten keinen Flug mit dem Back-up-Flieger machen.


SMV: Kannst du einige Angaben zu deinem Modell «Bravo» machen? Z.B. Antrieb, Gewicht, evtl. Modifikationen, Besonderheiten?

Sandro: Mein Wettbewerbsmodell Bravo ist ein Voll-GFK/Herex-Flugzeug von Wistmodel. Das Modell wird in Polen von Piotr Urbanski, ebenfalls ein F3A-Wettbewerbspilot, selber



gebaut. Die Bravo besticht durch die sehr gute Qualität und das geringe Gewicht. Ein F3A-Flugzeug muss unter 5000 g sein, damit es ins Reglement passt. Meine Bravo wiegt nur gerade 4750 g mit einem Akku 10S 5000 mAh 35C Fullymax. Als Antrieb verwende ich wie viele andere Piloten den neuen Plettenberg Advance 30-10, ein Innenläufer ohne Getriebe. Als Anlage verwende ich eine JR XG11 mit dem neuen DHSS-System.


SMV: Wie bist du zum Wettbewerbsflug gekommen?

Sandro: In meiner heimischen Modellfluggruppe Luzern ist das F3A-Wettbewerbsfliegen sehr verbreitet. Zwei Mal pro Jahr führen wir gruppenintern einen kleinen F3A-Wettbewerb durch. Dank diesen Wettbewerben und der Unterstützung der anderen Wettbewerbspiloten in meiner Gruppe habe ich bald den Reiz des F3A-Fliegens erkannt. Danach bin ich an regionale und interregionale F3A-Wettbewerbe gegangen und schliesslich kam vor drei Jahren der Aufstieg in die Swissliga und nun gehe ich regelmässige internationale Wettbewerbe.


SMV: Findest du, dass in der Schweiz genügend F3A-Wettbewerbe angeboten werden, um sich auf solche Wettkämpfe entsprechend vorzubereiten?

Sandro: In der Schweiz sind die Regional- und Interregionalwettbewerbe sehr verbreitet. Leider hatten die Wettbewerbe in den letzten zwei Jahren nur noch wenige Piloten, welche mitgeflogen sind und zum Bedauern der Piloten und der Organisatoren mussten auch einige Wettbewerbe wegen zu


wenigen Teilnehmern abgesagt werden. In der F3A-Szene gibt es europaweit einen Weltcup mit 15 Wettbewerben. Es ist sehr interessant an diesen Wettbewerben mitzufliegen und gegen die besten Piloten Europas, welche dann auch an einer Europameisterschaft teilnehmen, zu fliegen. Auch in der Schweiz, in Reichenburg, haben wir einen internationalen Wettbewerb, welcher zum Worldcup zählt. Und auch der traditionelle Wettbewerb in Lichtenstein zählt zum Worldcup.


SMV: Wie wichtig sind/wären Sponsoren bei diesem Sport für dich?

Sandro: Der wichtigste Sponsor ist und bleibt meine Familie. Ohne die wären die letzten Jahre nicht möglich gewesen. Es geht nicht nur um das Material, welches man haben muss. Auch die stundenlangen Fahrten an internationale Wettbewerbe und der ganze Trainingsaufwand ist enorm. Ich bin froh, dass ich von mehreren Firmen unterstützt werde. So fällt schon mal ein grosser Teil an den Kosten der Flugzeuge und des Materials weg.


SMV: Du wirst von deinem Vater sehr unterstützt. Begleitet er dich auf alle Wettbewerbe und wie wichtig ist die Unterstützung deiner Familie für dich?

Sandro: Mein Vater begleitet mich an jeden Wettbewerb. Dadurch, dass ich meine Autoprüfung noch nicht gemacht habe, muss er auch immer mit mir trainieren kommen. Ein enormer Aufwand, den er für mich betreibt! Ebenfalls ist er für mich eine enorme Hilfe im Training und am Wettbewerb.

Er liest mir das Programm und korrigiert mich, wenn ich Fehler im Programm mache, oder hat neue Ideen, was man noch ausprobieren könnte, um noch besser zu fliegen. Dazu baut er meine ganzen Flugzeuge über den Winter und unterhält sie während der Saison. Mein Onkel betreibt den Modellflugsport ebenfalls. Auch er unterstützt mich, wo er nur kann. Ohne diese beiden grossen Stützen wäre ich heute nicht da, wo ich bin.


SMV: Wie beurteilst du die Nachwuchssituation in der Klasse F3A?

Sandro: Die Schweiz hat wie unsere Nachbarn Deutschland, Österreich und Italien nicht einen breiten Nachwuchs am Start. In der Schweiz beschränkt sich die Situation auf drei, vier Nachwuchs-Piloten. Es ist schwierig, Nachwuchs für F3A zu finden, da die Klasse sehr trainingsintensiv ist und für Aussenstehende sehr langweilig ausschaut. Allerdings ist F3A zum Selberfliegen sehr spannend und interessant.


SMV: Was würdest du einem Nachwuchspiloten raten, wie er in diese Klasse einsteigen soll und an wen er sich wenden kann?

Sandro: Es lohnt sich auf jeden Fall, an einem Regionalwettbewerb einzusteigen und einmal mitzumachen. Nur schon die ganze Wettbewerbsatmosphäre muss man erlebt haben. Man braucht für den Einstieg kein teures 2-Meter-Modell, es reicht auch ein kleineres Kunstflugzeug. Einige Informationen und die aktuellen Flugprogramme können auf www.modellflug.ch angeschaut werden. Meine bisherigen Erfolge und die von mir geflogenen Modelle mit der spezifischen Ausstattung habe ich auch auf meiner Website <http://www.sandro-matti.com> dokumentiert


SMV: Herzlichen Dank für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg in deiner F3A-Karriere.


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