Ein Helikopter für das Herz
In der Region um Cincinnati in den USA sind sehr lange Wege zwischen dem erkrankten Patienten und den Krankenhäusern die Regel und bedürfen besonderer Transportmöglichkeiten. Seit 1984 ist Air Care & Mobile Care (ACMC) der Universität von Cincinnati damit engagiert, am Auf- und Weiterausbau zum Wohle der Patienten. Bei Herzerkrankungen spielt der Faktor Zeit in jedem Fall die Hauptrolle. In 25 Jahren hat man bei ACMC genau auf diese Faktoren hingearbeitet und im alltäglichen Betrieb immer weiter verfeinert. Die EC 145 baute Daniel Zbinden nach dem Vorbild der amerikanischen Air Care & Mobile Care des Medical Center der Universität von Cincinnati. Der Bausatz stammt von Helikopter Baumann aus Belp in der Schweiz, in unzähligen Stunden hat er den Helikopter bis ins letzte Detail dem Vorbild nachempfunden.

Bei einem Herzinfarkt benötigen Patienten sofortige ärztliche Hilfe. Die American Heart Association empfiehlt im Allgemeinen, zwischen dem Zeitpunkt, wo der Patient einen Arzt aufsucht, und dem Zeitpunkt, an dem seine Herzblockade mit einem Eingriff im Spital beseitigt wird, nicht mehr als 90 Minuten verstreichen zu lassen. Ein Verfahren, die perkutane Koronarintervention (PCI), ist die bevorzugte Behandlung für die meisten Herzinfarkt-Patienten. In den USA können aber relativ wenige Krankenhäuser diese PCI durchführen (etwa ein Viertel aller Krankenhäuser sind dazu in der Lage; in Kanada ist der Prozentsatz sogar noch niedriger). Folglich müssen viele Herzinfarkt-Patienten von den Diagnoseeinrichtungen in weiter liegende Krankenhäuser verlegt werden, wo sie dann behandelt werden können.
Um den 90-minütigen PCI-Standard der American Heart Association durchgängig zu erreichen, ist der Transport ein sehr wichtiger Faktor. In den meisten Fällen ist der Lufttransport erheblich schneller als der Transport auf der Strasse mit einem Krankenwagen.

Air Care & Mobile Care des Medical Center der Universität von Cincinnati nahm den Betrieb 1984 mit einem einzigen Krankenwagen und einem Helikopter MBB BO105 auf. Aber schon bald musste die BO 105 zwei Helikoptern vom Typ BK117 weichen, welche viele Jahre im Einsatz standen. Im August und Dezember 2012 wurden sie durch zwei zweimotorige EC145 mit Glas-Cockpit ersetzt. Heute verfolgt ACMC seine Mission mit diesen beiden hochmodernen Eurocopter-EC145-Helikoptern. Zwei gemietete BK117, welche in der Umgebung von Cincinnati auf Flugplätzen stationiert sind, runden die Lufttransporteinheit des Medical Center Cincinnati ab.
Um ein umfassendes Patiententransportprogramm in der Region Greater Cincinnati bereitzustellen zu können, bietet ACMC einen Transport mit Ambulanzfahrzeugen in drei Formen an: Basic Life Support, Advanced Life Support und Mobile Intensive Care Units. Im Jahr 2012 transportierten die rund 140 Transportspezialisten mehr als 1000 Patienten mit den Helikoptern und mehr als 10000 auf den Ambulanzfahrzeugen.
Der klinische Leiter Matt Grunderman erläutert sein Programm so: «Jeder ACMC-Helikopter hat auf jedem Flug immer Blutkonserven und hypertone Salzlösung dabei. Ständig werden neue Technologien zur Ausrüstung hinzugefügt, beispielsweise ein tragbares Ultraschallgerät, welches den ärztlichen Crewmitgliedern hilft, den Patienten in der Luft besser zu diagnostizieren und zu überwachen. Es gibt keinen Status quo für die Betreuung unserer Patienten. Wir führen Medikamente, die wir vor einem halben Jahr noch nicht mitgeführt haben, heute im Notfallkoffer mit, weil uns die Zeit gelernt hat, dass es ein Patient einmal brauchen kann.» Diese Fokussierung auf die Patientenversorgung hat jedoch auch dazu beigetragen, die Helikopterseite des Programms so zu gestalten, dass das Interesse des Patienten immer an erster Stelle steht.
Sicherheit und Patientenversorgung sind der Grund, warum ACMC seit vielen Jahren grosse zweimotorige Helikopter einsetzt. Die Sicherheit einer zusätzlichen Turbine sowie auch Platz für zusätzliche medizinische Ausrüstung und eine zusätzliche Pflegeperson oder ein Familienmitglied sind hier die zu erfüllenden Kriterien von ACMC.

Für den Erbauer des Modells, Daniel Zbinden aus dem freiburgischen Zumholz in der Schweiz, stand von Anfang an fest, dass das Modell seiner EC 145 nie in den Farben des Schweizer Betreibers REGA sein sollte. In seinen Recherchen im Internet stiess er auf die EC 145 von Air Care & Mobile Care im amerikanischen Cincinnati. Nach einem intensiven, über zwei Monate dauernden Mailverkehr mit dem damaligen Direktor Herrn Matthew hatte Daniel genügend Informationen zusammen, um ein Scale-Modell der Superlative nachzubauen.

Die Tankanlage, welche vom Hersteller für das Modell vorgesehen war, besteht lediglich aus zwei Kunststofftanks sowie aus einem kleinen Hoppertank, welche alle unterhalb der Mechanik im Rumpf für die Platzierung vorgesehen sind. Drei Tanks in Serie sind sicherlich nicht fördernd für die Lebensdauer der Kerosinpumpe. Nach reichlichen Überlegungen und auch ein paar schlaflosen Nächten stand für Daniel fest, selber eine neue Tankanlage zu entwerfen und auch zu bauen. Unterhalb des Turbinenaufbaues im Rumpfboden war genügend Platz vorhanden, um einen Tank mit etwas mehr als zwei Liter Fassungsvermögen zu platzieren. Da aber die Form des Tankes dem Rumpf angepasst sein soll, um das ganze Tankvolumen zu gewinnen, blieb nichts anderes übrig, als selber eine Tankanlage zu bauen. Wie aber, wenn jemand dies noch nie gemacht hat? Nach etlichen Nachfragen bei Modellbaukollegen und Recherchen im Internet entschloss er sich, mittels eines Styropormodells den Tank als Dummy herzustellen. Als der Styrokern genau die Form hatte und auch an dem vorhergesehenen Ort passte, konnte der Inhalt ausgerechnet werden, ob es dann auch vom Inhalt her für akzeptable Flugzeiten reichen würde. Mit etwas mehr als 2,2 Litern wurden die Anforderungen vollends erfüllt. Nach dem Überziehen des Kerns mit Glasgewebe und etwas Füller- und Schleifarbeiten konnte der Tank abgeformt werden. Im Nachhinein hat sich für Daniel herausgestellt, dass all seine Befürchtungen unbegründet waren. Der ein Deziliter grosse Hoppertank wurde ebenfalls unter dem Cockpitboden montiert. So ist nun beim Modell das ganze Tanksystem unterhalb des Cockpitbodens untergebracht.

Der EC-145-Rumpf von Helikopter Baumann weist eine glatte Oberfläche auf. Leider sind noch keine Details, wie Blechstösse, Nieten oder Lüftungsgitter, angebracht. Bei vielen Herstellern ist dies heute bereits Standard. Dafür macht ein grosses Zubehörsortiment, passend zum Rumpf, das eine oder andere wieder wett.
Viele Deckel und Verschlüsse wurden mit Folie aus dem Plotter hergestellt. Vielfach sind gerade diese Teile aus den Zubehörsortimenten vieler Hersteller einfach zu dick und tragen viel zu viel auf dem Rumpf aus. Eine normale 3M-Folie weist eine dicke von ca. 0,15 mm auf. Da dies aber dann im Verhältnis wieder zu dünn wäre, klebte Daniel zwei Teile aus Folie übereinander. So entstand ein tolles Relief, welches dem Vorbild sehr nahe kommt.
Beim Original können sämtliche Verschaltungen mit Klappverschlüssen verriegelt werden. Dafür wurden in extra dafür ausgenommenen Ausschnitten zahlreiche Imitationsverschlüsse als Dekoration eingeklebt. Am Heckausleger wurden die Verstärkungen aus ABS angebracht. Aber auch nicht fehlen am Ausleger durfte der Radarkasten, welcher ebenfalls mit ABS-Platten von Daniel selber angefertigt wurde. Genau positionierte Luft-hutzen, Blechstösse und Antennen runden das Gesamtbild ab. →

Bei der Beleuchtung wurde auf Leuchtmittel von bewährten Herstellern zurückgegriffen. Superhelle LEDs verhelfen dem Modell zu der entsprechenden Beleuchtung. Beim Original in den USA wurden aber durch den Betreiber selber am Heli-kopter mit zusätzlichen Scheinwerfern Modifikationen vorgenommen. So sitzt hinten oben zwischen den beiden Turbinenauslässen ein Scheinwerfer, welcher hinter dem Helikopter den Raum erhellt, wenn Patienten ein- oder ausgeladen werden müssen. Ebenfalls seitlich bei den Einlässen links und rechts ist ein Scheinwerfer angebracht, der bei Nacht auch für das Ein- und Aussteigen Licht spendet. Da diese Scheinwerfer aber ihr Licht nach unten spenden müssen, konnte nicht einfach durch Daniel ein Scheinwerfer in den Rumpf gebaut werden. Mit ABS-Platten baute er spezielle Halterungen für die Scheinwerfer, welche dann an den entsprechenden Stellen in den Rumpf eingebaut werden konnten.
Als gelernter Autolackierer war die sehr aufwendige Lackierung für Daniel das kleinere Problem beim Bau seiner EC 145. Nach den Füllern und dem Grundieren wurde zuerst der Rumpf weiss lackiert, dann alles abgeklebt, rot lackiert, wieder alles abgeklebt, grau lackiert, wieder alles abgeklebt, schwarz lackiert, dann alle Klebebänder und Folien entfernen und danach den Klarlack spritzen. Was sich hier relativ einfach anhört, ist aber in Tat und Wahrheit mit einigen Abend- und Nachtarbeiten verbunden, doch das Resultat vermag dann schon zu überzeugen. Ebenfalls musste die Beschriftung einige Male neu geplottet werden, weil erst nach dem Anbringen auf dem Modell die richtige Grösse zum Tragen kam. Alle Beschriftungen sind aber nicht geklebt, sondern mit dem Negativ lackiert. Darum spielte auch die Reihenfolge der Lackierung mit den Farben eine grosse Rolle. Nun, wie heisst es so schön im Volksmunde? «Gelernt ist halt gelernt.»
Nach der Fertigstellung der Lackierung konnte mit der Montage aller erforderlichen Komponenten begonnen werden. An der Mechanik mit der Turbine PHT 3 von JetCat wurden vier Servos vom Typ BLS 451 und am Heck ein BLS 251 aus dem Hause Futaba verbaut. Beim Stabilisierungssystem setzt Daniel auf den bewährten Bavarian Demon 3SX. Der 2-Blatt-Heckrotor wird über einen Starrantrieb angetrieben, alle Teile wie auch die passenden Kupplungen sind von Vario Helicopter. Das eingebaute Winkelgetriebe ist von Helikop-ter Baumann aus Belp. Der Scale-Rotorkopf kommt von SK-Rotorkopf, Mitnehmer und Taumelscheibe von BENDA. Der Vierblattsatz der Hauptrotorblätter in der Länge von 845 mm sowie der 2-Blatt-Heckrotorsatz mit 145 mm Länge kommen von M-Blades. Zwölf LEDs sorgen am Modell, bei Positionslichtern und Scheinwerfern für das nötige Licht. Für die Steuerung der gesamten Beleuchtung wird eine AURORA V2 eingesetzt. Nach den obligaten Programmier- und Einstellarbeiten stand dem Erstflug nichts mehr im Wege.

Auf Anhieb flog die EC 145 von Daniel nach seinen Vorstellungen. Nach einigen Minuten Schweben ging es in den Rundflug. «Wie auf Schienen», sein erster Kommentar nach dem Erstflug. Einzig die Hecksteuerung vermochte nicht zu überzeugen und musste umgebaut werden, zum einen wegen dem Spiel in der Umlenkung und zum anderen, weil sie nicht genug leichtgängig war. Im Verhältnis zu den vorangegangenen Arbeiten für den Bau des Modells, mit über 300 Stunden und knapp zwei Jahren Bauzeit ein Leichtes.
Leider aber schon beim dritten Flug gab es einen Heckausfall aufgrund einer geschmolzenen Kardankupplung beim Heckantrieb. Grund dafür war, dass das 45-Grad-Getriebe nicht zu 100% fluchtete. Die Antriebswelle lief nicht mittig im Führungsrohr, was für einen Druck auf das Gelenk sorgte, wodurch die höhere Reibung die Kunststoff-Kardankupplung zum Schmelzen brachte. Den Fehler zu beheben erforderte einiges an Arbeit, wie auch an neuen Teilen. Der ganze Antriebsstrang musste mühsam ausgebaut, überarbeitet und revidiert werden. Beim nachfolgenden Einbau achtete Daniel penibel auf die Flucht des Heckantriebes. Da der Heckausfall beim Start in unmittelbarer Bodennähe passierte, entstanden ansonsten am Modell zum Glück keine Schäden.
Nach diesen Umbauten konnte der Erbauer des Modells im Spätherbst 2017 noch etwelche Flüge machen und wurde auch immer vertrauter mit seinem ersten Scale-Modell. Eine grosse Umstellung für ihn war einzig und alleine das Gewicht von etwas mehr als 16 Kilogramm, flog er doch bis dahin nur Trainermodelle mit weniger als fünf Kilogramm.

Der Innenausbau lag Daniel sehr am Herzen und sollte auch zu 99,9% dem Vorbild entsprechen. In langen Recherchen im Internet ist er dabei auf die Firma FineScaleModela gestossen, welche Sitze, Pedale, Steuer- und Pitchknüppel in der geforderten Ausführung herstellt. Nach der prompten Lieferung stand im Winter 2017/2018 dem Innenausbau nichts mehr im Wege. Den Cockpitboden legte er mit einem Riffelblech aus, welches er am Rand mit kleinen Scale-Schrauben M 1,2 × 4 mm anschraubte. Das vorbildgetreue Modell entstand aus einem Bausatz, welchen Heli Baumann anbietet. Der Einbau der fertig lackierten Komponenten für das Cockpit war dabei die kleinste Arbeit.
Das besondere Highlight im Cockpit sind die beiden Piloten. Eine spezielle Elektronik, welche unabhängig von der RC aktiviert werden kann, steuert Kopf, Arme und Füsse der Piloten. So führen die Pilotenpuppen Bewegungen aus, welche die Realität dem Betrachter des tollen Modells noch näherbringen.
Dass er aber alles richtig gemacht hat, zeigte sich beim ersten öffentlichen Auftritt 2019 am Frühjahrstreffen in Leuggern. Die Begeisterung und Anerkennung der anderen Scale-Piloten war dabei der Lohn für drei Jahre Arbeit im Hobbykeller.
Von Anfang an stand Daniel Zbinden mit den Verantwortlichen von Air Care in Verbindung. Jederzeit konnte er über den Direktor Informationen und Fotos verlangen, welche immer sehr schnell geliefert wurden.
Wie sehr das Projekt mit der Zeit auch den Verantwortlichen von ACMC am Herzen lag, zeigte die Tatsache, dass ihm ein Original-Pilotenkombi mit einem speziell angefertigten Patch einfach per Post zugestellt wurde.
Den Bericht schliessen möchte ich mit folgendem Interneteintrag bei seinem Baubericht: «... ein kleines Update, was UC Health Air Care & Mobile Care in Cincinnati anbelangt:
Vorgestern Nacht hat der Direktor Matthew von Air Care beim Vierteljahresmeeting ein Video meiner EC 145 gezeigt. Bisher wussten nur 3 Personen bei ACMC, dass ich deren EC 145 gebaut habe. Laut dem Direktor waren die Leute etwas verwundert, weil sie die Region, wo der Helikopter flog, nicht kannten und es auch nicht nach der Region Cincinnati ausschaute. Als Erstes merkten die Mechaniker, dass es ein Modell ist, kurz danach die Piloten und dann auch die Krankenschwestern, die mit Air Care fliegen. Zuletzt habe man mich mit der RC-Steuerung im Hintergrund bei der Landung gesehen und die Leute lachten und jubelten. Die Überraschung ist wohl gelungen. Eine dieser Krankenschwestern hat mich über Facebook schon angeschrieben und ihr Verlobter will mir noch Fotos des Originals schicken.»
Was will ein Modellbauer denn noch mehr!
Das Modell steht im Moment zum Verkauf. Interessierte Personen können sich für die Kontaktdaten bei der Redaktion melden.
Fotos: Sylwia Richard, Daniel Zbinden, Heinz Rolli, Anton Laube
| EC 145 | Vorbild | Modell |
|---|---|---|
| Besatzung | Pilot, Notarzt, Sanitäter etc. | – |
| max. Startgewicht | 1340 kg | 17,3 kg |
| Triebwerk | Zwei Triebwerke Arriel 1E2, je 720 PS | JetCat PHT 3 |
| Treibstoffvorrat | 879 Liter | 2,7 Liter |
| Rumpflänge | 11,69 m | 1,65 Meter |
| Länge über alles | 13,17 m (Rotor drehend) | – |
| Rotordurchmesser | 11,0 m | 1,85 Meter |
| Höhe | 4,00 m | 0,6 Meter |
| Max. Reisegeschwindigkeit | 268 km/h | – |
| Reichweite | 663 km (ohne Reserve) | – |
| max. Steigrate | 8,4 m/Sek. | – |

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