Pilatus SB-2 «Pelikan»
Titelstory

Pilatus SB-2 «Pelikan»

von Markus Nussbaumer
27
Titelstory

Pilatus SB-2 «Pelikan»

von Markus Nussbaumer
27

Mit viel Talent und Fleiss holt Markus das Schweizer Bergflugzeug PILATUS SB-2 zurück in unser Bewusstsein, indem er ein Modellflugzeug baut, wovon es nicht mal mehr ein Original gibt!



«Renaissance»: Am 30. Mai 2019, genau 75 Jahre nach dem Erstflug des Originals, steht das Modell von Markus auf dem PILATUS-Gelände.


Modellbau-Kunst von Markus Frey.



CAD von Rolf Fritschi.



Die gesetzten Spanten lassen die Grösse des Rumpfes ungefähr erahnen.



CNC-Fräse während der Arbeit.



Valach VM R5-420 mit Endrohren von Zimmermann Schalldämpfer.



Beim «Pelican» mussten auch die Piloten hinten einsteigen. Das Flugzeug besass auf der rechten Seite nur eine einzige Türe.



Tragfläche im Rohbau. Noch sieht man in den Flügel rein. Nicht zu unterschätzen das Gewicht der vielen Kabel.



Ansteuerung Vorflügel.



Panel von Noll Modelltechnik.



Bugfahrwerk – eine technische Meisterleistung.



Motorhaube gedrückt ab Holzmodell.


Alle «drei» Piloten sind zufrieden.



13 000 Nieten!!! Man stelle sich vor, Markus hätte pro Niete 5 Sekunden Zeit gebraucht: Er wäre etwa 18 Stunden mit dieser «abwechslungsreichen» Aufgabe beschäftigt gewesen.



Markus – ein Leben mit dem «Pelican».



Als Erinnerung waren diese Couverts während dem Flug mit an Bord.


Technische Daten PILATUS SB-2 Pelican
Massstab1:2,8
Spannweite5,5 Meter
Gewicht73 kg
MotorValach VM R5-420 mit 25 PS


Markus mit seinem «Pelican» an geschichtsträchtiger Stätte.



75 Jahre nach dem Original fliegt die PILATUS SB-2 Pelican wieder, diesmal als Grossmodell im Massstab 1:2,8 von Markus Frey.


Fragen an Markus Frey

Was um Gottes Willen hat dich bewegt, gerade dieses Modell zu bauen?
Markus Frey: Ich hatte 2017 drei Modelle in der engeren Auswahl. Eine Trojan T-28, eine Westland Lysander und die SB-2 Pelican. Bedingung war: Es musste ein Flugzeug mit Sternmotor sein. Schliesslich entschied ich mich für den Pelican SB-2. (Normal kann jeder, so kenne ich Markus Frey.)

Wie bist du das Projekt angegangen?
Die Pläne sind ja wohl eher schwierig zu bekommen?

Markus Frey: Erste Anlaufstelle waren die Pilatus Flugzeugwerke in Stans. Da sie aber über keinerlei Unterlagen verfügten, verwies man mich an die ETH Zürich ans Hochschul-Archiv. In mehreren Sitzungen grub dann Monica Bussmann mehr und mehr Unterlagen, Bau-, Test- und Erstflug-Dokumentationen, Fotos bis zu den Originalplänen aus. Ebenso fanden wir auch im Bundesarchiv in Bern diverse Pläne und Schriftstücke zu dem Flieger.

Wie bist du auf den gewählten Massstab von 1:2,8 gekommen?
Markus Frey: Da hat mich die Grösse des Motors, ein Valach VM R5-420 beeinflusst. Dieser harmoniert jetzt perfekt mit dem Grossmodell in Abmessung und Leistung.

Welches waren die grössten Herausforderungen, die du beim Bau zu bewältigen hattest? Du konntest dich ja nicht in einem Museum oder so an einem Original orientieren?
Markus Frey: Beim Fahrwerk wurde ich echt gefordert, soll es doch möglichst scale sein und trotzdem den Kräften bei Start und Landung standhalten... Dann braucht es sehr viel Geduld, die 13800 Nieten anzubringen. Das ganze Projekt ist ja sehr komplex.

Ich dachte schon, das grösste Problem bei deinem Projekt sei die Grösse deiner Wohnung. Wenn ich die Bilder anschau, wo der «Pelican» bei dir in der Stube steht, kann ich mir vorstellen, dass du oft auf den Knien zum Fernseher kriechen musstest, um ihn anzuschalten. Aber zum Glück gibt es ja die Fernbedienung.
Hast du sonst von irgendwoher spezielle Unterstützung erhalten?

Markus Frey: Rolf Fritschi CAD, ETH Zürich; Monica Bussmann, Julian Humml, Dr. Andreas Müller, Dr. Prof Rösgen und René Bolliger. Fräsen und 3D-Druck Walter Gloor, kleine Lackierarbeiten Patrick Trauffer, Mädchen für alles und Lastesel (40 kg Rumpf sind schwer alleine zu händeln) Rolf Ritter und René Baumer.

Was genau wurde von den Doktoranden Julian Humml und Dr. Andreas Müller im Windkanal der ETH getestet? Und konntest du die gewonnenen Erkenntnisse in dein Projekt einflussen lassen?
Markus Frey: Mit dem Probe-Flügelstück machen wir diverse Strömungsversuche. Dabei veränderten wir Anstellwinkel, Geschwindigkeit bei verschiedenen Klappen- und Vorflügelpositionen. Die ganzen Tests gaben mir unter dem Strich ein gutes Gefühl, denn der Flügel erwies sich als sehr gutmütig. Der Testflügel wurde nicht entsorgt, sondern an die ETH übergeben für zukünftige Studenten.

Wie nervös warst du beim Jungferflug? Es ist ja einiges an Geld und viel Bauzeit, die da in die Luft steigen. Und wie erleichtert warst du nach der Landung?
Markus Frey: Nach einigen Rollversuchen steigerte ich die Geschwindigkeit nach und nach, bis der «Pelican» von selber abhob... dann erstmal kurz die Ruderwirksamkeit überprüft – der Flieger macht das, was er soll, und als er sich beim Abriss test in Zeitlupengeschwindigkeit mit Voranmelden nach einer halben Umdrehung wieder fing, war ich voll relaxt ... nochmal ein kurzes Herzklopfen beim ersten Aufsetzen... aber dann... den Rest kennst du ja ;-)



Probeflügel im Windkanal.


Wie sind die Reaktionen auf dieses sonderbare Modell? Irgendwie ist es ja hässlich-schön?
Markus Frey: Ausnahmslos positiv! Die wenigsten Leute wissen, dass es das Schweizer Bergflugzeug jemals gab; da ist die Ehrfurcht vor einem solchen Modell schon da. Zudem ist das Modell mit seinen 5,5 Meter Spannweite schön gross und mit 73 kg auch recht schwer.

Würdest du dieses Flugzeug wieder bauen?
Markus Frey: (Er schmunzelt und sagt:) «Ich glaube eher nicht». Was in unserer Sprache Ja bedeutet!

Kuno Gross, ein Kollege von dir, hat ja ein Buch über die Geschichte der Original Pelican SB-2 geschrieben. Darin ist auch dein Modell beschrieben. Wie ist diese Idee geboren, ein Buch über das Schweizer Bergflugzeug zu schreiben?
Markus Frey: Irgendwie war Kuno, den ich bis dahin noch nicht kannte, zeitgleich auch mit der SB-2 beschäftigt. Als er auf Google weitere Infos zur SB-2 Pelican suchte, wurde er auf mein Projekt aufmerksam. Nach einem Telefonat ergab es sich, dass Kuno auch mit zur ETH kam, wo wir die wertvollen Infos und Dokumentationen erhielten. Da hatte Kuno «Blut geleckt»! Aus einem anfänglich geplanten zweiseitigen Bericht wurde nach und nach ein 252 Seiten dickes Buch.



Das Buch zum «Pelican».


Buch kaufen
Bei: www.desertstories.org oder bei mir persönlich, sofern ich welche an Lager habe. 30 Franken plus Versand.
Pilatus SB-2 Pelican
«Das Schweizer Bergflugzeug»
19 × 27 cm, Softcover
252 Seiten, davon 43 farbig
Ca. 180 Fotos
Ca. 30 Zeichnungen und Grafiken
Sprache: Deutsch




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