McDonaldisierung im Modellflug?
Liebe Leserin, lieber Leser
Wie wir alle wissen, kann ich heute in jedes Fachgeschäft – sorry, in jeden Spielwarenladen – gehen und mir einen Helikopter posten, der eigentlich ganz von selbst fliegt (übrigens ist in der Szene mittlerweile bekannt, dass ich konsequent das Wort «Helikopter» verwende, weil rund um den Erdball alle normalen Menschen wissen, was damit gemeint ist). Das monatelange Üben am Computer und auf dem Feld, beginnend mit vorsichtigem Schweben, ist für den Normalverbraucher passé. Klar, dass es Helis gibt, die mehr können und mehr verlangen. Insbesondere dann, wenn einzelne Cracks es mit 3D oder festen Figuren versuchen wollen oder gar Wettbewerbe fliegen – lasst sie leiden! Wir können uns statt eines gewöhnlichen Bikes auch ein Einrad kaufen ... Die Helikopter fliegende Volksbewegung hat vor einigen Jahren mit dem Koax-Heli von Hirobo begonnen. Heute stammen die
meisten dieser Geräte aus China. Sie sind fast alle gleich – nur das «Joghurtbächerli»-Gehäuse wird von Zeit zu Zeit verändert. Schon bald werden sie abgelöst durch völlig normal aussehende einrotorige Helis, die elektronisch so stabilisiert sind, dass sie sich genauso leicht in der Luft halten wie die koaxigen. Dazu kommen die 2,4-GHz-RC-Anlagen, die ebenfalls jedem Laien in die Hand gedrückt werden können, ohne die lästigen Merkblätter, worauf beim Einschalten geachtet werden müsse. Jede und jeder kann jetzt beliebig und überall Helis fliegen und erst noch zu Spottpreisen. Wir Konsumenten nehmen dabei in Kauf, dass auf der ganzen Welt alle Helikopter gleich aussehen werden – so wie die Hamburger in den Fastfoodketten und das dunkelbraune «Gesüff» dazu. Einheits-Modellflug, dafür billig? Diese Entwicklung findet übrigens nicht nur in der Heliszene statt, sondern auch in
den anderen Sparten unseres Hobbys. Bleibt die Frage: Wie gehen wir in unseren Gruppen und Verbänden mit Entwicklungen um, bei denen Flugzeug samt Steuerung billiger sind als unsere Jahresbeiträge? Neben uns etablierten Modellfliegern wird eine Modellflug-Konsumentengruppe heranwachsen. Vielleicht gelingt es uns, da und dort Einzelne für den Modellflug zu gewinnen. Viel Glück.
Ich wünsche euch, liebe Leserinnen und Leser, schöne Festtage und alles Gute zum neuen Jahr.
Freundliche Grüße
Euer Redaktor Emil Ch. Giezendanner

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