Editorial

Toys for Boys oder ernsthaftes Hobby?

von Emil Ch. Giezendanner
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Toys for Boys oder ernsthaftes Hobby?

Liebe Leserinnen, liebe Leser

Es sind doch schon wieder ein paar Jährchen vergangen, seit der Aero-Club der Schweiz sein Zentralsekretariat mit einem richtigen Direktor am Hirschengraben in Zürich geführt hat. Dunkelblaue Blazer mit irgendeinem goldenen Fliegerabzeichen – und natürlich schon damals Krawatten – waren das unverkennbare Markenzeichen der Herren der Lüfte. Wir Modellflieger konnten auf die tollen Dienstleistungen von Oberexperte Arnold Degen zählen, dessen Stelle innerhalb des hohen AeCS wir ganz eindeutig der Schweizerischen Stiftung Pro Aero zu verdanken hatten. Manche Gruppengründung, manches Bau-lokal und auch viele Wettbewerbe bis hin zur Entsendung von Nationalmannschaf-ten unterstützte unser Oberexperte viele Jahre lang mit Rat und Tat. Wir waren wohl auch deshalb stolz auf unseren Aero-Club. Doch mitten in dieser Idylle trat eines Tages die grosse Katastrophe ein: Da soll doch der Herr Direktor die Abteilung Modellflug – heute würde man Ressort sagen – mit «Spielwarenabteilung» bezeichnet haben. Beinahe hätte diese Entwürdigung von

uns Aktiven zu einem fliegerischen Klas-senkampf geführt, wenn da nicht ein paar Mutige die sich abzeichnende Krise im Keime erstickt hätten ... «Spielwarenabtei-lung» war damals ein ganz böses Schimpf-wort. Wir Modellflieger wollten genauso ernst genommen werden wie die «Gros-sen». Dabei blieb es längst nicht bei den dunkelblauen Blazern und Krawatten. Unser Sport und Hobby wurde mit Liebe und grossem Engagement zu dem aufge-baut, wie wir vor noch wenigen Jahren den Modellflug gekannt haben. Anspruchs-volle Werkstatt- und Flugstunden, Wett-kämpfe und Plauschfliegen, attraktive Anlässe für das Publikum und gescheite Jugendförderungsprogramme sowie die unermüdliche Information der Öffentlich-keit waren das erfolgreiche Rezept dazu. Dies alles geschah nicht ohne ein gewisses Mass an Ernsthaftigkeit – was nichts zu tun hat mit Sturheit –, denn es geht ums Flie-gen (nicht um die «Fliegerei»). Dankbar hat die Bevölkerung unseren Einsatz für sinn-volle Freizeitbetätigung für Jung und Alt wahrgenommen, und die Politik erkennt in

unserem Tun durchaus auch eine präven-tive Wirkung. Die Eroberung des Modellflug-Himmels durch die Spielzeug-Billigstindustrie wird leider nicht so spurlos an unserem Hobby vorbeigehen, wie manche von uns zu wis-sen glauben. Die Gesellschaft neigt dazu, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen: Weshalb sich im Hobbyraum ab-mühen, wenn ich doch für ein paar Fran-ken ein «Modell» samt Steuerung kaufen kann? Weshalb mühsam das Helifliegen lernen, wenn es doch Helis gibt, die sich mühelos selber in der Luft halten? Verlie-ren wir Aktiven ein Stück Glaubwürdig-keit? Kommt – nachdem wir das Lärm-problem im Griff haben – ein neues Imageproblem auf uns zu? Direkte Auswirkungen auf unsere Vereine sind weniger zu befürchten; denn der Spielzeugtrend geht an ihnen vorbei – oder kennt jemand von euch einen Spielzeug-Verein?

Freundliche Grüsse Emil Ch. Giezendanner



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