Liebe Leserinnen Liebe Leser
Es gibt ein uraltes Naturgesetz seit es Menschen, ja, seit es Lebewesen gibt – das Gesetz der natürlichen Selektion, das Gesetz des Stärkeren, kurz gesagt: Die Grossen fressen die Kleinen! Keine Angst, ich möchte nicht zu sehr in der Entwicklungsgeschichte verharren, doch manchmal tut es gut, diese uralten Gesetzmässigkeiten zu studieren, um durch sie die Mechanismen unseres Verhaltens besser durchschauen zu können. So gesehen können wir mit mehr Distanz unsere Probleme betrachten und vorerst komplizierte, undurchschaubare Gebilde auf einfache Verhaltensmuster reduzieren. "Es mäschelet halt überall", könnte man dann sagen – und mit noch mehr Distanz ohne weiteres auf das "Tierische" kommen.
Wie ist das in der Fliegerei? Fressen grosse Umweltschutzorganisationen und Schutzverbände mit gewaltigen Budgets (man denke an Franz Weber) die Flieger auf, allesamt? Die Verkehrs- und Berufsluftfahrt opfert – weil es schliesslich ums Ueberleben geht – die Sport-Motorflieger, und die Motorflieger sagen, wenn es uns nicht mehr gibt, braucht es keine Segelflieger, und die Segelflieger schliesslich erreichen beim Luftamt ein Verbot des Hängegleitersportes. Glaubt jetzt ja nicht, dass wir Modellflieger, um aufgefressen zu werden, entweder zu gross oder aber zu klein wären. Wir stecken irgendwo in der aufgezeigten Hackordnung mittendrin, und, da in der Schweiz Gesetze und Verordnungen überborden, findet ganz bestimmt irgendein Winkeladvokat ein unscheinbares Paragräphchen, das den Modellflug praktisch verunmöglicht. Sollte dies nicht der Fall sein, empfiehlt es sich, schnellstens neben jedem Modellflugplatz einen Schrebergarten (Intensiv-Erholungszone) anzulegen, damit wegen "Verletzung der Nachbar- und Persönlichkeitsrechte" geklagt werden kann, was beweist, dass es auch eine Macht der Paragraphen, der Verwaltungen, der Zöllner und Pharisäer, sprich "kleinen" Beamten gibt. Wenn diese Beamten aber einmal ihre Ellbogenschoner übergezogen und ihre Goldrandbrille auf uns Flieger gerichtet haben, dann werden auch wir merken, wo bei uns die Mächtigen sitzen.
Lassen Sie mich nach diesen allgemeinen Ausführungen etwas präziser werden: Verfolgt man mit Aufmerksamkeit die jüngste Geschichte unseres Aero Club, so muss man allen Ernstes befürchten, dass dieser gegen die Hängegleiter arbeitet. Dass anlässlich der letzten Sektionspräsidentenkonferenz – nach hitzigen Diskussionen über den Hängegleitersport – nicht zu guter Letzt ein Verbot des Hängegleitens gefordert worden ist, könnte beinahe als glücklicher Zufall betrachtet werden, derart negativ scheint die Einstellung. Und wenn man hört, dass die Aufnahme des Hängegleiterverbandes in den Schweiz. Verband für Leibesübung schliesslich nicht ohne "Schuld" des AeCS gescheitert sei, wird diese negative Haltung bestätigt. Die Grossen fressen die Kleinen! Der Aero Club den Hängegleiterverband – ein auf die Einleitung bezogenes Naturgesetz. Doch darf man eines nicht vergessen: Auch in der Natur gab es von jeher Ausnahmen. Ganz besonders grosse Tiere, wie z. B. die Saurier, haben sich nicht behaupten können und sind ausgestorben. Es ist anscheinend auch Naturgesetz, dass der "Grösse" Grenzen gesetzt sind. Vielleicht hat der AeCS diese Grenze erreicht, und die hier geschilderten Vorfälle sind Symptome einer Krankheit. Der AeCS hat ein grosses Plus, das ihn noch zusammenhält – nicht die monopolistische Stellung bei der FAI (die ist noch kranker), sondern der wachsende Druck von aussen. Vielleicht kann der Kampf um unsere Flugplätze die Flieger trotz allem zusammenhalten. Das funktioniert aber nur, wenn wir nicht nach Naturgesetzen wie Tiere reagieren und einander auffressen, sondern menschlich miteinander umgehen. Primitive Auffressinstinkte haben heute nichts mehr zu suchen. Wenn wir überleben wollen, müssen wir all unseren Verstand und unser Wissen zusammenlegen und vernünftig reagieren.
Das ist eigentlich alles, was ich uns Fliegern wünsche für 1979 und die weitere Zukunft.
Mit freundlichen Grüssen
– und e guets Nöis –
Emil Giezendanner

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