Editorial

Der Kampf gegen das Flugzeug

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser

Denken Sie jetzt nicht, ich komme schon wieder auf das Thema der «überaus lauten Anflüge» über Süddeutschland und der «umweltfreundlichen Lastwagenkolonnen» durch unsere Alpenländer zu sprechen. Nein, ich möchte darauf hinweisen, dass nun auch der Elektroantrieb in den hintersten Winkeln unserer Täler Einzug gehalten hat. Das ist an sich erfreulich. Wir müssen jetzt noch alle zusammen lernen, mit den gewaltigen und fast explosionsartig abrufbaren Leistungen in unseren Flugzeugen umzugehen. Elektroantriebe sind – ähnlich wie die Gasturbinen oder die neuen 2,4-GHz-RC-Anlagen – nicht einfach technische Verbesserungen, sondern eigentliche Revolutionen im RC-Modellflug. Sie stellen alle bisherigen Technologien und unsere damit verbundenen Gewohnheiten um Jahrzehnte in den Schatten. Der Elektroantrieb ermöglicht uns ohne Weiteres, eine Leistung von 5 kW(!) in die Nase eines 2,5 kg schweren Modells einzubauen. Logischerweise geht da

die Post ab! Steigleistungen von 60 und mehr Metern pro Sekunde setzen nicht nur eine entsprechende Statik im Flugzeug voraus, sondern auch ein hohes Können des «Steuermanns». Kommt dazu, dass auch hier gilt: Mehr Lärm ist nicht gleich mehr Leistung und Geschwindigkeit. Erinnere ich mich an die altbewährten Knalltreiberlinge, beim Einatmen der feinen Düfte aus verbrannten geheimen «Mostmischungen» werde ich noch heute euphorisch, wie beim Starten eine ganze Weile Geduld geübt werden musste, bis die volle Leistung da war, so spricht der Elektromotor sofort an und entwickelt ein gigantisches Drehmoment. Dies bedeutet für uns Anwender grosse Vorsicht und Sorgfalt. Wer der Elektronik voll vertraut, ist naiv. Die Devise heisst, ob ein- oder ausgeschaltet bei verbundener Batterie nie mit unserem Körper in den Bereich des Propellerkreises zu geraten. Einmal in der Luft, muss die Leistung so «gemagnagt» werden, dass der Flug nicht zu

einem einzigen Kampf gegen sein Flugzeug wird. Schiesst nur so lange senkrecht in den Himmel, als ihr mit eigenen Augen das Flugzeug erkennen könnt. Beim Kunstflug ist darauf zu achten, dass die edle Maschine nicht andauernd eine Figur weiter ist, als ihr zu fliegen glaubt. Schade um die wunderschönen Bemalungen der Maschinen, wenn das Auge ihnen nicht mehr folgen kann ... Beim Pylonrennen ist nur so viel Energie zu verbraten, dass die Runden acht bis zehn nicht zu einem Segelflugwettbewerb ausarten. Elektroflieger, die zum Laden tagelang den Motor ihres Wagens laufen lassen oder im Hintergrund irgendwo ein Aggregat betreiben, investieren besser in Batteriesätze oder Solargeneratoren statt in den teuren Saft aus Libyen.

Viel Erfolg und Freude
beim Elektrofliegen wünscht euch

Emil Ch. Giezendanner



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