Editorial

Warum einfach, wenns kompliziert auch geht?

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser


Kürzlich meinte ein Fachhändler, dass viele seiner Kunden gerne einen Flugplatz benützen möchten, ohne jedoch einem Verein beitreten zu müssen. Das sei mühsam und kompliziert. So wie die Kunden mühelos für ein paar wenige hundert Franken ein Modellflugzeug oder einen Helikopter samt RC-Anlage erstehen können, soll auch das Benutzen des Flugplatzes ein ganz gewöhnliches Konsumgut sein.

Ich gebe gerne zu, dass grössere, nach Vereinsrecht organisierte Modellfluggruppen in den meisten Fällen neben Aufwand für Betrieb und Unterhalt der Infrastruktur auch in das möglichst gute Funktionieren ihrer Organisation investieren müssen. Zudem neigen demokratisch geführte Vereine eher zu komplizierteren und schwerfälligeren Entscheidungswegen. Auch bestehen manchmal Defizite zwischen Aufwand und Ertrag. Nur, Erfahrungen zeigen, dass auch der Betrieb firmeneigener Flugplätze nicht so einfach ist; denn sobald eine bunt gemischte Schar Modellflug-Individualisten auftaucht, wird es ohne gewisse Regeln und Einschränkungen – von behördlichen Vorschriften abgesehen – kaum gehen. Des Modellfliegers Freud kann schnell des Nachbars Leid werden. Dies mag einer der Gründe sein, weshalb es nur wenige Firmen-Flugplätze gibt – und leider einige Versuche kläglich gescheitert sind. Wer an einem schönen Wochenende unterwegs ist, kann ohne Mühe bekunden, dass wesentlich mehr Flugzeuge und Helis über den Ladentisch wandern, als sich Neumitglieder bei unseren Gruppen melden, obwohl sich viele in den letzten Jahren nicht über Mitgliederzuwachs beklagen müssen. Leider sind auch wir Modellflug-Individualisten Herdentiere, indem einzelne Vereine fast überrannt werden und andere am Minimum vegetieren. Die Spiralen können sich auf- oder abwärtsdrehen: Erfolgreich geführte Vereine leisten sich bessere Infrastrukturen, haben damit mehr Zulauf, können noch mehr in ihr Gelände investieren, was sie noch bekannter macht usw. – und umgekehrt. Sobald jedoch das Interesse am Verein nur

(noch) darin besteht, mit seinem Wagen möglichst ungehindert und jederzeit zum Flugplatz fahren zu können und möglichst trockenen Fusses zur Piste zu gelangen, dann fällt erfahrungsgemäss bei den geringsten Problemen mit dem Flugplatz das Ganze schnell auseinander. Ganz einfach deshalb, weil der andere, soziale Teil des Vereins, nämlich Kameradschaft, Solidarität und das gemeinsame Sorgetragen zu Hobby und Flugplatz, dem Konsum- und Nutzeregoismus geopfert wurden.

Die meisten sportlichen Erfolge bis hin zum Weltmeistertitel wurden erst durch das von einem Verein betreute und zur Verfügung gestellte Trainingsgelände möglich. Trotz aller Nachteile und Schwächen unseres Vereinswesens glaube ich an das Erfolgsmodell «Modellfluggruppe», ganz besonders wenn ich sehe, wie engagiert, modern und intelligent immer wieder auf gesellschaftliche Herausforderungen reagiert wird.

Freundliche Grüsse
Emil Ch. Giezendanner



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