Editorial

Da führt kein Weg vorbei

von Emil Ch. Giezendanner
2

Liebe Leserin, lieber Leser


Wer kennt sie nicht, ich meine die oft mühsamen und nervigen Diskussionen rund um die Mitgliedschaft in unserem nationalen Flugsportverband Aero-Club der Schweiz – kurz AeCS? Diese Diskussionen sind nur dann richtig ernst zu nehmen, wenn es nicht um die paar Dutzend Fränkeln geht – Gegenwert von drei Billig-Servos, einem mittleren sowie hälftig zu einem teureren –, sondern um die Positionierung des Flugsportes – wem's besser gefällt: «Flughobbys» – in unserer politischen Landschaft. Wer nach den dämlichen EU-Modellflugvorschriften glaubt, wir Modellflieger seien noch einmal davongekommen, ist ziemlich unbedarft oder naiv. Während politisch links-grüne Amtsvorstände öffentliche Demonstrationen relativ grosszügig tolerieren, muss sich gleich-

zeitig unsere Gesellschaft zusehends einer immer grösseren Flut von Vorschriften unterordnen. Eine Abkehr von der krankhaften Sucht nach staatlichen Eingriffen in die persönlichen Freiheiten – soweit es sie noch gibt – ist auch nach Corona nicht in Sicht. Das betrifft nicht nur, was wir nicht tun dürfen, sondern immer mehr, was wir zu tun haben – z.B. kein Fleisch essen. Pfui!

Wie in allen Lebensbereichen werden auch wir Modellflieger mit massiven Einschränkungen rechnen müssen; bloss weil wir keine Volksbewegung wie Fussball, Bike oder eine (Massen-)Parade sind. Dort stossen die eifrigen Gesetzesmacher an ihre Grenze, bzw. ihre Polizeikräfte. Uns braucht's nicht. Wir stören nur: zum Beispiel den Flugbetrieb, die Vogelwelt oder die «grossartig boomende Drohnenindustrie mit ihren über

3000 Arbeitsplätzen» ... Die Argumente bestehen aus Halbwahrheiten, Lügen und oft auch aus Märchen. Nachdem wir durch das Abwenden der EU-Vorschriften erstmals so richtig auf der politischen Bühne kämpfen mussten oder müssen, ist die Wahrheit nicht nur für Insider offensichtlich: Ohne unseren Dachverband AeCS werden wir keine Überlebenschancen haben – es sei denn, wir werden «Modellflugindianer», die sich um nichts kümmern. Dank intelligenter Politik des AeCS konnte für den schweizerischen Flugsport in jüngster Zeit einiges Ungemach abgewendet oder entschärft werden. Dies zeigt uns die politische Bedeutung eines nationalen Dachverbandes mit aller Deutlichkeit. Die drei Säulen «Politik», «Recht» und «Kommunikation» werden laufend verstärkt.

Unsere Modellflugorganisation allein wäre politisch harmlos und schon längst im Strudel

der Vorschriftenorgien untergegangen. Auch infantile Träume vom frohen Fliegen mit Schaumwaffeln auf irgendeinem von der Gemeinde bewilligten Mätteli werden uns nie an der harten Realität vorbeiführen. Ich bin je länger, je mehr davon überzeugt, dass wir einen starken Verband brauchen. Den müssen alle Flugsparteien gemeinsam tragen und auch finanzieren. Natürlich braucht der AeCS auch die Unterstützung der Fachverbände und – mindestens so wichtig – der Regionalverbände. Die Regionen sind die Botschafter unseres Hobbys in Kantonen und Gemeinden. Die von verkalkten Greisen von Zeit zu Zeit aus dem zentralistischen Verwaltungsmuseum herausgehobenen Vereinheitlichungssehnsüchte gehören in den Papierkorb. Denn die Digitalisierung erlaubt heute intelligenter Modelle.

Mit freundlichen Grüssen
Emil Ch. Giezendanner



Alle Kategorien anzeigen →

AKTUELL

Sortieren Nach:
Weitere Beiträge →



An error has occurred. This application may no longer respond until reloaded. Reload 🗙