Lärmbekämpfung RC-Kunstflug (F3A) Wie geht es weiter?
RC-Kunstflug (F3A)
Wie geht es weiter?
Wie zu erwarten war, gab das neue FAI-Kunstflugprogramm in fliegerischer und organisatorischer Hinsicht einige Probleme auf. Die beiden Pflichtprogramme
(A + B) bewähren sich überhaupt nicht – da keine genügende Selektion erreicht wird. Die Finalprogramme (Kür) stellen die Punktrichter vor fast unlösbare Probleme, da sie die Leistungen der Piloten nicht miteinander vergleichen können.
International gesehen, läuft das neue Reglement auf ein Debakel hinaus. Gab die CIAM der Kategorie F3A mit diesem einmaligen Unsinn den Todesstoss?
Wenn man in eine Kommission kommt, ist man meistens alt und nicht mehr aktiver Sportler. Mit diesem Problem kämpfen auch die Subkommissionen der CIAM. Der ergraute Chris Olsen war in den Anfängen des RC-Kunstflugs ein guter Pilot – nie Spitze, aber doch zuvorderst mit dabei. Er wurde von der Entwicklung überholt. Kunstflugprogramme, welche am «Grünen Tisch» entwickelt werden, eignen sich selten in der Praxis. Zwar sitzen auch Praktiker in der Aerobatik-Subkommission. Z. B. Wolfgang Matt, er war aber schon seit Jahren nicht mehr in Paris an den entscheidenden Sitzungen dabei und nicht alles lässt sich schriftlich erledigen. Persönlich sehe ich eher pessimistisch mit an, wie der Kunstflug sich zutode läuft. Dabei sind auch wir Piloten nicht unschuldig. Die immer stärker forcierten Motoren mit Drehzahlen von 15000 U/min sind vor allem bei den Spitzenpiloten bald unerlässlich. Beliebig Reserve in den Vertikalen macht das Fliegen sehr viel einfacher. Und weil die Modelle zu derartigen Raketen (Flügelbomben) gezüchtet worden sind, dass eckige Figuren unmöglich werden, wird mit Klappensystemen nachgeholfen. Das zusätzliche Gewicht von Servos und übrigem Schnack natürlich wieder mit Motorenleistung kompensiert. Die Modelle von Wolfgang Matt sind heute dermassen schnell, dass sich in der Luft Ruder selbständig machen. Glaubte ich noch vor Jahren, dass der Trend zum Speed eindeutig sei – ganz entgegen meiner Idee vom Kunstflug –, so war das gegenüber den Geschwindigkeiten, wie sie W. Matts Modelle heute aufweisen, lächerlich überhaupt davon zu reden. Von der Lärmentwicklung ganz zu schweigen, die scheinbar nur bei uns eine Rolle spielt. Spitzenpiloten haben alle ihre Nachahmer. Ich nehme an, dass wenn nächstes Jahr der neue WEBRA-Motor auch vom gewöhnlichen Volk erstanden werden kann, alle auch in der Schweiz – zwar nicht so gut, aber fast so schnell – umherrschen. «Geschwindigkeit ist alles», soll einmal einer gesagt haben, und ich glaube daran, möchte lediglich den Satz noch vervollständigen und sagen, «... macht alles zum Teufel!» Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass auch Motoren mit wenig Leistung einen Saukrach machen können. Beispiele dafür gibt es genug. Doch kann nicht bestritten werden, dass die erhöhten Tourenzahlen das Lärmproblem verschärfen, da die Dämpfung auf beinahe unüberwindbare Hindernisse stösst. Die Abgas-Dämpfung ist eindeutig machbar, wenn ich an das Resonanzrohr von P. A. Meyer, Biel, denke (obwohl selbst das noch einigen lieben Kameraden Mühe bereitet). Das grösste Problem liegt bei der Dämpfung der Schwingungen, welche sich auf Zelle und Trag-
fläche übertragen und sich von da in die Luft fortpflanzen. Vibrationen könnten mit Masse aufgefangen werden (z. B. gusseiserner Motorblock, schwere Motorverschaltungen usw.), mit Masse kann jedoch aus verständlichen Gründen im Modellflug nicht operiert werden. Sicher können in Zukunft noch bessere Lösungen gefunden werden, diese Vibrationen so gering wie möglich zu halten.
Bleibt noch die Hoffnung auf Las Vegas: Grosse Semi-Scale-Modelle, welche mit grösseren Motoren ausgerüstet werden können. Schon jetzt befürchte ich, dass es sich dabei um eine Fata Morgana über der heissen Salzwüste handeln könnte, die sich beim Näherkommen in Nichts auflöst. Auch im deutschen Aero Club war man vor Jahren der Meinung, dass bei grösseren Motoren das Lärmproblem besser lösbar sei. – Bei Viertaktmotoren vielleicht, da fehlt mir die Erfahrung. Ein WEBRA-91 mit Originalschalldämpfer und vorgeschriebenem Propeller ist ganz schön laut – wir werden später darüber berichten. Grosse Motoren würden erst leiser sein, wenn man die Drehzahl heruntersetzen könnte und mit grösseren Propellern fliegen könnte. Hier sehe ich eine grosse Zukunft für den Viertaktmotor. Im Kunstflug ist jedoch der grosse Propeller nicht brauchbar, da beim Kunstflugmodell in den Figuren drin infolge hohen Drehmoments dauernd korrigiert werden müsste. Bliebe noch eine Lösung: Langsam drehender (ca. 8000 U/min), starker Motor mittels Getriebe (Zahnriemen) auf schnell drehenden Propeller wirkend. Das Propellergeräusch kann nämlich bei unseren Modellen vernachlässigt werden. Dies habe ich inzwischen mit meinen Elektro-Kunstflugmodellen gelernt. Selbst bei F. Geists Elektromodellen, wo die Motoren 13000 U/min drehen, ist praktisch kein Propellergeräusch zu vernehmen. Propellergeräusch ist nämlich nichts anderes als Verlust, und da nimmt man es eben im Elektroflug wesentlich genauer.
Noch ist im RC-Kunstflug nicht alles verloren. Ich appelliere aber an Piloten, Obmänner, Kommissionen, Wettbewerbsorganisatoren: Sorgt für leisere Flugmodelle, führt strengere Messungen durch, schickt Piloten, welche sich nicht an die Bestimmungen halten, nach Hause – zum Basteln ist an den Wettbewerben nicht mehr Zeit. Der Aero Club der Schweiz soll dafür sorgen, dass diese Bestimmungen auch international streng gehandhabt und durchgesetzt werden. Sonst sind wir in der Schweiz einmal mehr die Dummen.
Giezendanner

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