Editorial

Wir sind noch lange keine Helden

von Emil Ch. Giezendanner
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Liebe Leserin, lieber Leser

Kommt da einer auf den Flugplatz und programmiert sein Flugzeug am PC so, dass dieses von allein auf 100 Meter steigt und sodann eine Strecke schnurgerade abfliegt, selbstständig ein Feld von 10 Hektaren abkämmt und fotografiert. Auch die Landung erfolgt ohne Eingreifen des Piloten. Mit solchen Modellflugzeugen können zum Beispiel ganze Gebiete zwecks kartografischer Erfassung abgescannt werden usw. Arbeiten, die bis vor Kurzem allein Personen tragenden Flugzeugen vorbehalten waren. Die Elektronik hat bei uns längstens Einzug gehalten. Und der Trend wird weitergehen und uns immer wieder zum Erstaunen bringen. Trotz Interesse und Freude an diesen neuen Möglichkeiten haben wir allen Grund, am Boden zu bleiben. Denn was vollbrachte doch kürzlich der vor zwei Jahren im Calfeisental ausgewilderte junge Bartgeier Sardona? Er flog nicht nur ins Berner

Oberland, ins Wallis und ins Allgäu. Nein, eines Tages flog er über die Normandie bis zur Nordsee. Fachleute glaubten Sardona für unsere Alpenregion bereits verloren. Doch eines Tages tauchte das Tier wieder im Calfeisental auf, wo es mit einem «Kollegen» seine Kreise zog. Wie hat es den Weg nach Hause gefunden? Von Flughunden weiss man heute, dass sie nach einer im Hirn gespeicherten Landkarte fliegen, und das bis 25 km pro Nacht. Beobachte ich die Weissstörche am Lützelsee und stelle mir vor, wie die Jungtiere im August erstmals und ganz alleine das Mittelmeer und die Sahara überqueren, um ihre Winterquartiere in Ost- und gar Südafrika zu beziehen, komme ich nicht um ehrfurchtige Gefühle herum. Wie viel technischen Aufwand müssten wir betreiben, um dies alles einigermassen nachvollziehen zu können? Wir wissen viel und können immer

mehr. Trotzdem bleibt uns die Natur weit überlegen. Der ziemlich dumme Glaube, dass wir Menschen alles können, hat schon immer in die Katstrophen geführt. Die letzte ganz grosse fand bekanntlich vor 70 Jahren statt. Als begeisterter Modellflieger möchte ich deshalb bescheiden bleiben.

Mit freundliche Grüssen
Emil Ch. Giezendanner




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