Titelstory

From straight and level flight

von Emil Ch. Giezendanner
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Jet Scale Modellflug Schweiz ist international gut aufgestellt


Verschiedene Gespräche – insbesondere mit Reto Senn und Walter Gähwiler – ergeben ein positives Gesamtbild der Jet-Scale-Szene. Dazu passt auch die ausgezeichnete Bilanz des Schweizer Teams an den World Masters in Finnland mit Walter Gähwiler als Gewinner der 13,5-kg-Klasse. Weiter ist die Silbermedaille in der Nationenwertung zu nennen; der dritte Rang von Pascal Thoma in der 20-kg-Klasse sowie der fünfte Platz des jungen Adrian Senn.



Wunderschöne World Masters 2017

Die Teilnehmer – Piloten und Jet Fans – beurteilen die letztjährigen Jet Scale World Masters in Jämi Järvi, Finnland, als rundum positiv. Der eher bescheiden organisierte Anlass sei friedlich und ruhig verlaufen. Dafür bestand genug Raum für persönliche Kontakte, was der Kameratech in der internationalen Jet-Scale-Szene nur förderlich sein kann. Die Luftwaffe hat die Organisatoren während der ganzen Woche unterstützt. Für die Piloten waren die herrschenden starken Querwinde eine echte Herausforderung. Nicht zu vergessen, dass das Swiss Team von einem 20-köpfigen Fanclub unterstützt wurde. Welche Modellflugklasse kann da schon mithalten?

In der 20-kg-Kategorie waren 35 Piloten am Start und in der 13,5-Klasse deren 20. Jüngster Teilnehmer war der siebzehnjährige Schweizer Tim Rütimann.


Lebendige Jet-Scale-Szene Schweiz

Reto Senn als Vice Chairman des International Jet Model Committee IJMC und Mitglied der SMV-Scale-Fachkommission bezeichnet die schweizerische Jet-Szene als «grosse Familie». Ohne Generationenprobleme. Damit ist unsere Je-Gemeinde nicht allein. Auch in anderen Modellflugkategorien haben sich über viele Jahre kleinere, eingeschworene Gruppen gebildet. Sie können durch Konzentration auf ein Thema sehr viel bewirken. Wichtig dabei ist, sowohl die internationalen Kontakte zu pflegen als auch in unseren nationalen und regionalen Organisationen regelmässig zu informieren, was da und dort leider zu wenig wahrgenommen wird. Das Engagement unserer Schweizer Jet-Experten sowohl beim IJMC als auch in der FAKO-Scale ist in dieser Hinsicht ein grosses Plus. Neben den Schweizermeisterschaften treffen sich die Aktiven an Trainings im In- und Ausland, am Jet-Symposium und an weiteren Meetings. Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern ist bei uns die Integration der Jet-Klasse in die bestehende Modell-Sportstruktur gut gelungen. →



Erfahrungen des Meisters

Die Schweiz hat seit 2017 mit Walter Gähwiler einen neuen Gewinner der Jet World Masters in der 13,5-kg-Klasse. Im Gespräch mit dem Meister lässt sich der riesige Aufwand, der heute erbracht werden muss, um an den World Masters vorne mitmischen zu können, nur erahnen. Walter ist an den JWM mit seinem selbst erbauten Hawk im Mass-Stab 1:4 gestartet. Der Weg dazu begann bereits 2005 mit Zeichnen (CAD) und Konstruieren sowie schliesslich mit dem Bau des Urmodells aus Schaumstoff mit allen Details, wobei auch 3D-Druck zum Einsatz kam. Auch in dieser Klasse spielt der ewige Kampf mit dem Gewicht eine wichtige Rolle. Für die 13,5-kg-Klasse war das Modell mit 14,7 kg zu schwer, was Walter kurzfristig dazu bewogen hat, einen neuen Flügel zu bauen – diesmal komplett aus Kohle. Damit gelang es ihm, das Gewicht von rund 2 kg auf 1300 g zu reduzieren! Im Rumpf verblieb nur noch das Nötigste und viele Bauteile wurden durch leichtere ersetzt. Kein anderer Hawk in diesem Mass-Stab wurde in der Jet-Szene je so leicht gebaut. Das Modell wird von einer

BEHOTEC (ca. 180 N Schub) angetrieben. Ein Powerbox-Dreiachskreisel, der auf Seitenruder und auch auf das Bugfahrwerk wirkt, ist in der Klasse nicht wegzudenken – sehr gut fliegen muss der Pilot trotzdem können. Walter setzt die FUTABA-18 MZ-RC-Anlage ein.


Flugprogramm bringt die Hälfte

Die maximale Punktezahl für die Flüge beträgt – wie auch für das Modell selber – 1500, wobei die Static-Bewertung noch mit Bonuspunkten aufgebessert werden kann. Es werden nur die Zentralfiguren bewertet, während das Wenden im Gesamteindruck berücksichtigt wird – wer erinnert sich an die feine F5A-Kunstflugklasse? Walter bringt für den Jet-Scale-Flug ein hohes Mass an Wettkampferfahrung mit. Denn er gehörte über viele Jahre zu den F3A-Spitzenpiloten der Schweiz. Die Erfahrung in der technischen und fliegerischen Vorbereitung sowie in der mentalen Einstellung auf Wettkämpfe ist in diesem Zusammenhang von grosser Bedeutung. Im Gegensatz zu vielen anderen Klassen der FAI mit Figurenbewertung sind an den Jet-WM zusätzlich wichtige takti-


sche Entscheide zu treffen, wie zum Beispiel die Startnummernwahl innerhalb des Teams oder etwa die Zusammensetzung des Teams für die Nationenwertung. Das macht das Ganze noch interessanter.


...und die Zukunft?

Bei der Jet-Szene Schweiz geht man von einer weiterhin erfolgreichen Zukunft aus. Unsere Jet-Leute sind an den kommenden Scale-Weltmeisterschaften in Meiringen an vorderster Front beteiligt. International kann die siebenköpfige Führungsriege des IJMC mit ihren einfachen und direkten Organisationsstrukturen rasch auf Veränderungen reagieren. Dass bei einer etwa gleichbleibenden Teilnehmerzahl die World Master Events sich nicht gegenseitig zu übertrumpfen brauchen – Olympia-Effekt – hat der Anlass in Finnland bewiesen. Wie in den meisten Bereichen des Sports sind kleinere und unbürokratische Organisationen im Vorteil. Bleibt zu hoffen, dass der Jet-Modellflug in der übrigen Sportwelt, zum Beispiel der FAI oder AMA, nicht als Konkurrenz, sondern als willkommene Ergänzung verstanden wird. Die Gefahr einer «unfreundlichen Übernahme» ist im Moment ohnehin durch das offenbar finanziell noch interessantere Drohnenfieber sehr viel kleiner geworden.

Für Wettbewerbspiloten, insbesondere Teilnehmer der Jet World Masters, wird der technische, finanzielle und arbeitsmässige Aufwand immer grösser. Wer in der 20-kg-Klasse ganz vorne mitmischen will, muss, ohne zu übertreiben, Traumflüge hinlegen. Die Performance bei den Maschinen selbst ist insbesondere durch das russische Team kaum noch zu überbieten. Hingegen sind sowohl fliegerisches Können und Tagesform als auch die Wetterbedingung nicht im gleichen Masse planbar. Das macht das Ganze spannend bis zuletzt.



Technische Daten
Modell:BAe Hawk MK66
Mass-Stab / échelle:1:4
Spannweite / envergure:235 cm
Gewicht / poids:13,5 kg
Fahrwerk:Mechanik Lado-modifiziert, Fahrwerksbeine Eigenbau aus 3D-Druck und Drehteilen.
Train d'atterrissage:mécanique Lado modifiée, jambes de train réalisées à base de pièces imprimées en 3D ou tournées.



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