Sport

ATOM, DER NEUE DOPPELDECKER VON CPLR

von Matthias Bosshard
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Interview von Matthias Bosshard (MB).

Am Rande der Europameisterschaften in St. Macaire konnte ich mit Christophe und Antonin Paysant-Le Roux über ihr neues Modell sowie die mögliche Zukunft der Kategorie F3A sprechen.



• MB: Welche Grundprinzipien und Ideen standen hinter der neuen Konstruktion?

CPLR: Die Idee, einen Doppeldecker zu konstruieren, ist langsam gereift. An den Weltmeisterschaften 2023 in Australien musste ich erkennen, dass ich mit meinen Eindecker-Konstruktionen mit verschiedenen Hilfsflügeln (Canalizer) an die Grenzen der Einsatzmöglichkeiten gekommen war. Ich musste einsehen, dass der Doppeldecker speziell in den unbekannten Finalprogrammen mit zahlreichen Messerflug-Figuren dem Eindecker überlegen war.

Ich hatte grossen Respekt vor der Aufgabe, denn es ist nie einfach, ein neues Modell zu konstruieren, das dann auch alle Erwartungen erfüllen wird. Mein Bruder Benoît und ich sind also zusammengesessen, um ein Modell für die Zukunft, für meinen Sohn Antonin, zu konstruieren. Unser Hersteller in China, Hui Yang, war mit seiner grossen Erfahrung auch beteiligt. Betreffend Hebelarmen, Profilen und Profildicken waren wir uns schnell einig, doch betreffend Eigenschaften bei Snaps (geschletzten Rollen) und allgemeine Stabilität in verschiedenen Wetterbedingungen hatten wir längere Diskussionen. Wir wollten die Nachteile des Doppeldeckers möglichst gut mitigieren. Die abgerundete Flügelform wollte ich nach guten Erfahrungen mit dem Modell Skybolt übernehmen, Yang brachte die Idee ein, eine grössere Spannweite zu wählen. Da ich anfangs nicht davon überzeugt war, einigten wir uns auf zwei verschiedene Versionen mit 1,80 und 1,90 m Spannweite.

Momentan erkennen wir, dass das grössere Modell in verschiedener Hinsicht dem kleineren klar überlegen ist. Snaps, Vrille und Rollen funktionieren problemlos. Die grössere Spannweite hilft bei der Sichtbarkeit des Modells, da die Flügel vielfach im Flug von der grossen Rumpfsilhouette abgedeckt sind. Das Modell präsentiert eindeutig schöner.


• MB: Du hast eine enorme Erfahrung mit Viertakter-Antrieben; wie war die Umstellung auf den VLV-Contra-Antrieb?

CPLR: Bereits mit dem Modell Oreka machte ich Erfahrungen mit Elektro-Antrieben. Mit dem Contra-Antrieb kam für mich eine neue Freude am Fliegen auf. Die Bremswirkung in den Senkrechten gibt dem Piloten mehr Zeit, die Leistungsannahme ist gleichförmig und immer gleich – es gibt somit keine ungeliebten Überraschungen mehr. Der Betrieb im Governor-Mode (Drehzahlvorgabe) ist wunderbar zu kontrollieren und machte für mich die Umstellung zum reinen Vergnügen. Aufkommender Wind kann mit etwas mehr Leistung problemlos kompensiert werden.



• MB: Antonin, wie bist du mit der Konstruktion deines Doppeldeckers zufrieden?

APLR: Sehr zufrieden, ich profitiere sehr von der Erfahrung meines Vaters und Hui Yang. Ich fliege mit der grösseren Variante des ATOM und schätze seine Flugeigenschaften sehr. Wie gut die unbekannten Figuren gelingen werden, wird sich noch zeigen.


• MB: Christophe, du hast die Kategorie F3A über Jahrzehnte mitgeprägt; was wünschst du dir für die Zukunft?

CPLR: Ich denke, wir stossen langsam an eine Grenze, was die Grösse und die Kosten der Modelle betrifft. Wir benötigen grosse Autos und enorme Transportkisten für internationale Wettbewerbe. Die hohen Kosten schrecken neue Talente ab. Mein Wunsch wäre, dass sich die Kategorie wieder in Richtung einer grösseren Zugänglichkeit für mehr Menschen entwickelt – mit kleineren Modellen. Das würde Selbstbauer wieder ermuntern, selber zu bauen. Heutzutage ist es sehr schwierig, ein so grosses Modell unter 5,5 kg Gewicht zu bauen.

Als ich mit F3A begonnen habe, konnte ich die Modelle selber mit meinem Vater bauen, wir hatten keine Hersteller, die das für uns übernommen haben. Dabei habe ich sehr viel gelernt. Die technische Entwicklung sollte man nicht bremsen; ich selber habe grosse Freude an meinen perfekten Modellen. Es ist jedoch wichtig, dass es auch in Zukunft Hersteller einfacherer und günstigerer F3A-Modelle geben wird, die den Einsteigermarkt abdecken.



• MB: In den 90er-Jahren gab es in Japan Wettbewerbe mit Musik und Freestyle-Figuren. Wäre das eine mögliche Entwicklung?

CPLR: Es waren sehr schöne Wettbewerbe, schön zu fliegen und auch für ein breites Publikum attraktiv. Aber man sieht auch, dass sich diese Disziplin nie wirklich durchgesetzt hat, weil der Trainingsaufwand und die Abstimmung auf die Musik enorm zeitaufwendig ist. Die Schwierigkeit der Bewertung kommt noch dazu.

Vielleicht bin ich etwas altmodisch, aber F3A sollte bei der Geometrie bleiben. Wenn man Freestyle integriert, ist es kein F3A mehr. Man sollte dem ursprünglichen Geist treu bleiben.

Die Modelle könnten kleiner und einfacher werden, für jedermann bau- oder kaufbar sein. Auch die Unsicherheiten betreffend Gyro-Unterstützung müssen beseitigt werden. Es kann nicht sein, dass man bei der Modellkontrolle einfach den Piloten fragt, ob er einen Kreisel einsetzt oder nicht. Entweder man kann das 100%-ig kontrollieren oder man gibt es frei. «Grössere Modelle fliegen besser» war ein Grundsatz der letzten Jahrzehnte. Vielleicht könnte man kleinere Modelle fliegen, dafür mit Kreisel-Unterstützung. Zumindest sollte man es einmal mutig ausprobieren. Die jetzige Praxis scheint mir unbefriedigend.

Persönlich hänge ich sehr an der Geschichte des F3A.

Früher gab es in jedem grösseren Verein F3A-Piloten. Heute nehmen die Teilnehmerzahlen in den europäischen Ländern stetig ab. Wir stehen an einem Wendepunkt. Wenn wir uns nicht grundlegend weiterentwickeln, und damit meine ich nicht nur, die Programme zu ändern oder ein paar Kleinigkeiten


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