Sport

F5J-/FAI-Europameisterschaften 2022 in Szeged, Ungarn

von Emil Giezendanner
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F5J wurde schon früh – in vereinfachter Form – in den osteuropäischen Ländern geflogen. Sie waren es auch, welche in der CIAM (FAI) für eine offizielle Klasse geworben haben.



Schnelle Geburt

Nach rund einjähriger Arbeit einer Arbeitsgruppe des F5-CIAM Subcommittee lag ein brauchbares, aber etwas kompliziertes Regelwerk vor. Das Wesentliche daran war, dass statt eines Energie-Limiters, wie in F5B, ein Höhenlogger eingebaut ist. In sehr «einfacher» Sprache nennen sich die Wunderflieger «THERMAL DURATION GLIDERS WITH ELECTRIC MOTOR AND ALTIMETER/MOTOR RUN TIMER (AMRT)».

Vereinfacht erklärt: Der Motor darf nur 30 Sekunden laufen – muss aber nicht. Bis zu einer Höhe von 200 m wird pro Meter ein Punkt abgezogen, darüber 3 Punkte. Dazu wird die Flugzeit gemessen sowie die Landung.

In kurzer Zeit wurde diese Klasse zum grossen Erfolg. In der Schweiz habe ich bereits 2015 einen ersten Versuchswettbewerb lanciert. Um die Sache zu beschleunigen, den Teilnehmern leihweise Logger zur Verfügung gestellt. Das habe ich in den folgenden Jahren mehrmals wiederholt, was zu einer raschen Verbreitung sicher auch beigetragen hat. Das Wichtigste war, dass die Zeit für eine modernere Elektroflug-Wettbewerbsklasse ganz einfach reif war.


Grosse Fortschritte

In der Funktion als Präsident der FAI-Jury konnte ich bis jetzt an sämtlichen F5J-Grossanlässen der FAI (WM/EM) dabei sein. Das gibt Vergleichsmöglichkeiten über einen Zeitraum von vier Jahren.

Bereits an den ersten FAI-Europameisterschaften in Bulgarien (2018) konnte ich unschwer feststellen, dass nicht nur die Konkurrenten und Mannschaftsleiter noch viel lernen mussten, sondern auch die Organisatoren. Dazu wurden ein paar reglementarische Lücken entdeckt. Die ersten Probleme tauchten bereits an der Mannschaftsleitersitzung auf, als einige Teilnehmer kurzerhand lokale Regeln erlassen wollten. Bereits 2019 an der WM in der Slowakei lief schon alles professioneller. In Szeged, Ungarn (2022), wurde mit einfachsten Mitteln ein wunderschöner Wettbewerb durchgespielt. Das kann nicht genug gewürdigt werden. Flexibilität und straffe Leitung waren das Markenzeichen. Keine grösseren Probleme, keine Proteste, keine Unfälle.

Das Fluggelände auf dem Flugplatz Szeged ist für den Aviatiker ein Traum – nicht nur für uns Modellflieger. Eine riesige Ebene.


Erkennbare Trends

Keine verbotenen Zonen

An allen drei Grosswettkämpfen wurden keine verbotenen Zonen (restricted flying areas) festgelegt. Geflogen wurde über Zeltplätzen, über den Pilotenzelten, über den Hangars, dem Verpflegungszelt usw. (leider liess ich mich dazu in San Vittore überschwatzen – es ging um die Autobahn). Eine gerechte Kontrolle wäre nur über Visiere oder Tracker möglich, was kaum jemand auf sich nehmen möchte. Alles andere wäre Spekulation – teils gehässige Diskussionen die Folge.


Getriebe – und tschüss

Das Getriebe hat meines Erachtens ausgedient. Steigen wie Helikopter ist vorbei und sinnlos. Um Thermik zu erkunden, wird mit viel Zug auf Höhen unter 50 m das Gelände abgesucht. Getriebelose Motoren lassen ein hohes Mass an Dynamik zu. Während sich Getriebemotoren mit grossen Propellern auf eine bestimmte Geschwindigkeit einstellen, passen sich die getriebelosen Motoren mit kleineren Propellern der gewünschten Geschwindigkeit an. Kommt dazu, dass kleine Propeller in der Segelstellung wesentlich weniger Luftwiderstand haben. Das langsame Herumdümpeln wird mehrheitlich durch schnelles Kreisen und ebenso schnelles Wechseln von Ort zu Ort abgelöst. Kommt dazu, dass Motoren und Propeller kostengünstig sind.



Zu den Teams

Eine erfreuliche Überraschung war für mich, dass die Mannschaften ganz generell sehr viel besser organisiert waren als in den Jahren zuvor. Die ganzen Abläufe wurden dadurch erleichtert. Die Piloten und ihre Mannschaftsleiter/innen standen Minuten vor ihren Einsätzen an der Wartelinie bereit. Ganz selten «verirrte» sich ein zweiter Helfer zum Pilotenstandort. Das deutsche Team war vorbildlich und perfekt organisiert. Überrascht hat die schwedische Mannschaft mit ihrem 3. Rang. Die Schweizer haben sich zwischen den Rängen 30 und 52 (bei 72 Teilnehmenden) im Mittelfeld platziert – weder gut noch schlecht. Mit «Pech» dies beschönigen zu wollen wäre Augenwischerei. Klar, bei dieser Leistungsdichte gibt es höchstens einen Ausreutscher. Meine Empfehlungen: Noch früher vor einem Einsatz bereit und konzentriert zu sein. Ohne Smartphones. Unser Junior (siehe Seite 40 und 41) hat gut gekämpft. Schön wäre es, einen zweiten Junior im Team zu haben. Sie könnten sich gegenseitig motivieren. Für die Zukunft haben unsere Leute den Grundstein gelegt. Sie müssen bezüglich Trainingsgeländen mit eher suboptimalen Voraussetzungen leben. Allerdings haben sich in diesem Jahr die Besten auch in schwierigem Gelände durchgesetzt. Trotzdem liegen weitere Verbesserungen bei allen vier Sportlern drin. Da bin ich überzeugt. Viel Erfolg.



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