Schnuppi
Etwas für Elektrofluggegner und Kunstflugexperten, die kein Geld für teure Verbrennungsmotoren haben.

Als ich den Schnuppi zu konstruieren begann, sollte daraus ein billiges Sportmodell mit Querrudern werden.
Irgendwie wurde aber ein vollkunstflugtauglicher Flitzer daraus, der alle Erwartungen in den Schatten stellte.
Zu Beginn waren folgende Einzelheiten gegeben:
Motor Jumbo 540 ca. Fr. 17. —
7zelliger Flugakku ca. Fr. 50. —
Luftschaube Taipan 7 x 6
Balsaholzbrettchen mit 1050mm Länge
Empfangsanlage mit 210 Gramm Gewicht (2 Servos und Geist-Schalter)
Um diese Einzelteile herum wurde der *Schnuppi* gebaut. Die Spannweite von 1050mm kommt daher, dass Brettchen gerade diese Länge haben ... Der Motor Jumbo 540 ist ca. 30g leichter und hat mit 7 Zellen ungefähr die gleiche Drehzahl (im Flug) wie ein Jumbo 550 mit 8 bis 9 Zellen. Die meisten Elektroflieger haben jedoch 7zellige Akkus, weil diese direkt ab Autobatterie schnell zu laden sind.
Weil der *Schnuppi* eine hohe Fluggeschwindigkeit hat, ist die Stromaufnahme ziemlich klein, was zu langen Flugzeiten führt!
Die Flugeigenschaften des *Schnuppi* übertrafen sämtliche Erwartungen. So können
zum Beispiel 3 horizontale Rollen hintereinander oder 2 gestossene Loopings (vorwärts!) geflogen werden; auch längerer Rückentiefflugakrobatik steht nichts im Weg!
Da der *Schnuppi* bei einigen Wettbewerben und Veranstaltungen auf ein unerwartet grosses Interesse stiess, entschloss ich mich, einen Bauplan zu zeichnen und eine (bescheidene) Bauanleitung zu verfassen.
Rumpfbau
Wie der findige Leser merkt, hat es auf dem Bauplan keine Rumpfdraufsicht. Dies ist auch gar nicht nötig, denn der Rumpf wird frei (in der Luft) zusammengebaut. Zuerst werden Rumpfvorder- und Hinterteil auf dem Baubrett an den Schäftstellen zusammengeklebt. Anschliessend werden die 3-Kant- bzw. 4-Kantleisten auf die Rumpfsseiten geklebt und über die Schäftstelle kommt ein Nylonstreifen. (Achtung! Achten Sie darauf, dass linke und rechte Seite aus gleichhartem Holz bestehen, sonst gibt es eine Banane!) Die fertigen Rumpfsseiten werden hinten zusammengeklebt und mit Stecknadeln/Klebband (Malerband) fixiert. Erst dann wird der hintere Hauptspant eingeklebt und ebenfalls mit Stecknadeln und Klebband festgehalten. Dann kommt der vordere Hauptspant dran und am Schluss der Motorspant, der 0 Grad Zug und 0 Grad Sturz aufweisen soll.
Wenn das Ganze getrocknet ist, müssen nur noch die entsprechenden Rumpfober- und Unterseiten aufgebracht werden (ebenfalls mit Klebband fixieren). Wie weit der fertige Rumpfhörling verschliffen werden soll, hängt vom jeweiligen Modellbauer ab. Auf jeden Fall soll die Frontpartie kräftig verrundet werden; es macht nichts, wenn der Kopfspant seine Ecken verliert.
Je nach Flügelbefestigungsart werden noch die Führungen für das Schraubenbrettchen oder die Runddübel für die Gummiringe eingepasst.

Am meisten Aufmerksamkeit sollte dem Flügelaufbau geschenkt werden. Wählen Sie für die Tragfläche nur möglichst verzugsfreies Holz! Der Plan wird mit einer Plasticfolie geschützt und darauf der untere Hauptholm und eine Stützleiste von 3mm Dicke 78mm hinter dem Hauptholm auf den Plan geheftet. Dann klebt man die Rippen auf den unteren Hauptholm und fixiert sie mit Stecknadeln. Wenn die Fläche mit Schraube und Dübel befestigt werden soll, werden die beiden mittleren Halbrippen (links und rechts vom Dübel) noch nicht eingeklebt. Anschliessend werden die Verkastungen eingepasst und eingeklebt (Faserrichtung muss senkrecht sein!). Während dieser Trocknungszeit kann der Nasenholm angebracht werden. Vorsicht, dies

SCHNUPPI
Konstruktion: H. Sommerauer

ist eine etwas heikle Angelegenheit! Vor jeder Rippe soll eine Stecknadel stehen, die den Nasenholm in den Ausschnitt drückt. Die Nasenholmverklebungen sollten nach dem Trocknen noch einmal nachgeklebt werden. Der Endholm wird ebenfalls angeklebt, hierbei auf Bündigkeit mit den Rippenenden achten. Derweilen sollten die Verkastungen soweit getrocknet sein, dass der obere Hauptholz eingeklebt werden kann.
Das Einpassen des Flächendübels geht wie folgt vonstatten: Genau in der Mitte der mittleren Holzverkastung wird unter dem oberen Hauptholz ein Loch 5 mm gebohrt. Der Dübel wird hineingesteckt und kreuzt vorne den Nasenholm. Bei dieser Kreuzungsstelle wird dem Nasenholm oben ein Schlitz von der Breite des Dübels eingefeilt, dem Dübel wird unten ein Schlitz von der Breite des Nasenhols eingefeilt, bis der Dübel auf der gleichen Höhe des Nasenhols ist. Jetzt wird der Dübel eingeklebt und links und rechts davon die Halbrippen.
Wenn alles gut (!) getrocknet ist, wird das Gerippe vom Baubrett genommen und die überstehenden Leimreste sorgfältig entfernt.
Das Aufbringen der Beplankung geht folgendermassen:
Die Fläche wird auf dem Rücken auf das Baubrett geheftet, unter den Endholm kommt eine entsprechend dicke Leiste. Anschliessend wird die Beplankung mit Kontaktleim aufgebracht. Zuerst am Hauptholz andrücken, dann schrittweise gegen die Nasenleiste ziehen. Kein zu sprödes Holz für die Beplankung verwenden! Die Oberseite wird genau gleich beplankt, wichtig ist, dass der Flügel genau verzugsfrei auf dem Brett fixiert ist!
Jetzt erfolgt das Einkleben der Bowdenzüge mit Epoxi-Klebstoff (Achtung, keinen 5-Min.-Epoxi verwenden, sonst knicken die Röhrchen infolge der Hitze!). Das Aufkleben der Endleistenbeplankung, Rippenaufleimer und Randbögen mit Kontaktleim beendet weitgehend den Flügelbau. Die Hinterkante der Fläche wird jetzt genau bündig zum Querruder zugeschliffen. Das Mittelteil der Endleiste wird angeklebt und das Loch für die Nylonschraube gebohrt. Nach sorgfältigem Verschleifen (die Profilnase soll ziemlich spitzig bleiben) können die Tragfläche und die Querruder mit Folie bespannt werden. Als Querruderscharnier dient ein wasserfestes Klebband (Tesapack).
Die Leitwerke werden gelocht und sauber verschliffen. Nachdem sie bespannt wurden, werden sie winklig auf den Rumpf geklebt (5-Min.-Epoxi). Der Rumpf kann nach Belieben mit Papier oder Folie bespannt werden. Die Tragfläche wird in den Rumpf eingepasst. Dazu bohrt man das Loch für den Dübel in den vorderen Hauptspant etwas zu klein, anschliessend kommt die Feile zum Zug. Das Brettchen für die Einschlagmutter wird mit der entsprechenden Bohrung versehen. Vorne am Rumpf werden über die dreieckigen Öffnungen die

Kühlhutzen aus Zeichnungskarton geklebt. Das Rumpfenende muss offenbleiben, damit die Kühlluft austreten kann.
Beim Steuerungseinbau können eventuell Probleme auftreten. Am besten wird auf der Rumpfunterseite hinter dem Flugakkuraum eine Öffnung herausgeschnitten, durch die das Höhenruder(-Mini)-Servo und der Empfänger eingebaut werden. Am platzsparendsten werden die Anlagenteile mit doppelseitigem Klebband an die Rumpfwände geklebt. Keinen Schaumgummi verwenden,
die Kühlung könnte beeinträchtigt werden! Die Bowdenzugseele für die Querruder wird durchgehend eingeführt. In der Mitte kommt ein besonderer Beschlag (von Goldberg 0.AE.), der auf die Seele des Bowdenzuges aufgefädelt und in der Mitte festgeschraubt wird. Das Servo wird quer liegend auf die verstärkte Oberseitenbeplankung geklebt und der Gabelkopf des Beschlags am Servo eingehängt. Die Ruderscharniere können aus 1,5mm Sperrholz hergestellt werden. Als Motorschalter empfiehlt sich ein Electronicschalter (aus Platzgründen). Der Empfängerakku sollte nicht über 225 Mah haben (Platz und Gewicht).

Wenn der Schwerpunkt stimmt und der Flügel verzugsfrei gebaut ist, steht dem Erstflug nichts im Weg. Der Schnuppi soll mit einem kräftigen Schwung seinem Element übergeben werden. Vorsicht, die Ruder des Schnuppi reagieren ziemlich direkt! Gerade dieser Umstand lässt Kunstflug auf engstem Raum zu. Die Landeeigenschaften sind völlig unkritisch, der Schnuppi kann ganz ausgehungert werden, ehe er sanft aufsetzt.
Hoffentlich haben Sie viel Spass mit Ihrem Schnuppi!
Holm- und Rippenbruch wünscht der Verfasser.
Der Plan «Schnuppi» mit Bauanleitung ist zum Preis von sFr. 12.50 erhältlich bei: H. Sommerauer, Waserstr. 21, 8053 Zürich.


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