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David gegen Goliath 0:1

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Ein vermeintlicher Fehler der Nasa wird zur Blamage für die europäischen Medien.


*Spe.* Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa ist eine mächtige Institution. Und als solche hat sie viele Neider. Jeder Fehltritt der Nasa wird deshalb von den Medien genüsslich ausgeschlachtet. Anfang April war es wieder einmal so weit. Unter der Überschrift «Ich hab den Weltuntergang ausgerechnet ... und die Nasa hat gesagt, ich habe recht», berichtete die «Bild»-Zeitung in Deutschland über einen 13-jährigen Schüler aus Potsdam, der im Rahmen des «Jugend forscht»-Wettbewerbs berechnet hatte, mit welcher Wahrscheinlichkeit der Asteroid Apophis im Jahr 2036 auf der Erde einschlagen wird. Die Einschlagswahrscheinlichkeit betrage 1:450, behauptete der Schüler, und sei damit hundertmal grösser als von den Experten der Nasa berechnet.

Eine Woche später hiess es in den «Potsdamer Neuesten Nachrichten», die Nasa habe ihren Fehler eingestanden. Ungeprüft wurde diese Geschichte von der französischen Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP) aufgegriffen, und sie verbreitete sich anschliessend wie ein Lauffeuer um die Welt.

Nur einen Tag später, am 16. April, dementierte die Nasa allerdings, jemals in dieser Angelegenheit angefragt worden zu sein, und hielt ausdrücklich an ihren ursprünglichen Berechnungen fest. Auch diese Meldung verbreitete sich in Windeseile – diesmal allerdings mit einem medienkritischen Unterton.

Es ist nicht das erste Mal, dass Apophis für Schlagzeilen in den Medien sorgt. Für kurze Zeit hatte es nämlich durchaus so ausgesehen, als könne der etwa 250 Meter grosse Asteroid zu einer Gefahr für die Erde werden, wenn er sich



dieser im Jahr 2029 erstmals nähert. Später gab die Nasa allerdings Entwarnung. Apophis wird im Jahr 2029 in einem sicheren Abstand von mehr als 30 000 Kilometern an der Erde vorbeifliegen. Wie gross die Kollisionswahrscheinlichkeit sieben Jahre später ist, wenn sich der Asteroid ein zweites Mal der Erde nähert, ist nicht so einfach zu berechnen. Sie hängt nämlich davon ab, wie stark seine Bahn beim ersten Vorbeiflug gestört wird. Hier hakte der 13-jährige Schüler ein. Er berechnete, wie sich das Risiko verändert, wenn man berücksichtigt, dass der Asteroid 2029 mit einem Satelliten im geostationären Orbit kollidieren könnte. Was der Schüler nicht wusste: Die

Nasa hatte diese Möglichkeit aufgrund der Bahn des Asteroiden mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit ausschliessen können.

Auch manche jener Medien, die die Geschichte aufgegriffen haben, bekunden Mühe damit, ihren Fehler einzugestehen. So hat das deutsche Nachrichtenmagazin «Focus» die Falschmeldung zwar noch am gleichen Abend von seiner Website genommen. Für eine Richtigstellung sei die Meldung aber nicht wichtig genug gewesen, heisst es auf Nachfrage in der Online-Redaktion. Dass die mächtige Nasa die Oberhand behält, lässt sich eben nicht so gut verkaufen wie ein Sieg Davids gegen Goliath. *Aus NZZ 23.04.08*




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