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Ein Freund mit vielfältigen Aktivitäten

von Pierre Bartholdi
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Modellflieger Hansruedi Zeller verstorben

Der Flugplatz Altenrhein war für Hansruedi Zeller und seinen jüngeren Bruder Sämi ein sehr interessanter und auch grosser Spielplatz. Sein Vater war der Flugplatzchef und auch ein leidenschaftlicher Flugmodellbauer und -flieger.


In den Fussstapfen seines Vaters

Damit war klar, dass Hansruedi diesbezüglich in die Fussstapfen seines Vaters treten würde wie auch sein Bruder Sämi. Hansruedi hatte noch eine Schwester, über deren modellfliegerische Aktivitäten ich aber nicht Bescheid weiss.

Nach der Sekundarschule machte Hansruedi bei der FFA, den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein, eine Maschinenzeichnerlehre, welche in die Zeit der Entwicklung und Erprobung des AS Bravo fiel. Hansruedi erhielt den Auftrag, ein massstabgetreues Modell des Bravo zu bauen, mit welchem er dann das Trudelverhalten und Fliegen mit extrem hoher Flächenbelastung testen musste. Dies zum Einsparen von Testzeiten im Windkanal. Im Anschluss an die Lehre absolvierte er das Technikum in Buchs und wurde Ingenieur HTL. Nach dem Studium kehrte er zurück zur FFA als Flugzeugkonstrukteur.


Vom Flugzeug zur Eisenbahn

Mit der Übernahme der FFA durch Schindler wurde der Flugzeugbau eingestellt und Hansruedi beschäftigte sich fortan ausschliesslich mit Schienenfahrzeugen. Wichtigste Geschäftspartner waren Privatbahnen und die RhB. Nach einer weiteren Übernahme durch Peter Spuhler wirkte Hansruedi als Verkaufsleiter der Firma Stadler Altenrhein AG auf Stufe Geschäftsleitung. Unter dem Namen Zeller Bahntechnik gründete er 2010 sein eigenes Beratungsunternehmen. Seine Kunden waren die SBB und Privatbahnen, mit denen er gut vernetzt war.



Meine persönlichen Begegnungen

Wann ich Hansruedi, dem Schwiegersohn meines Göttis, erstmals begegnet bin, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls hatten wir immer viel Gesprächsstoff als Modellflieger; und da wir nicht Tür an Tür wohnten, er in Thal und ich in Dielsdorf, brauchte es meistens einen Anlass, an welchem wir uns treffen konnten, wie an Flugtagen, NOS-Symposien, der Messe Friedrichshafen usw. und natürlich auch im privaten Rahmen. Mit seinen vielfältigen Aktivitäten im MFV Thal, zu deren Gründern er 1963 gehörte, den Siegen an Wettbewerben als Segel-, Motor- und Wasserflieger und als Highlight dem zweiten Platz an der Scale-WM in Oslo 1976 mit seinem zweimotorigen de Havilland DH.88 Comet, war Hansruedi sehr erfolgreich.


Baukurse für Jung und Alt

Mit den Baukursen für Junioren und Senioren, als Testpilot und Einflieger für Allzuvorsichtige, gab er sein Wissen und seine Erfahrung weiter und infizierte eine Vielzahl von Leuten mit dem Modellflugvirus. Unter diesen Leuten war auch der spätere Erbauer und Betreiber des Bucker-Museums in Trogen, Albert Zeller, oder Werner Schmitter, welcher ein Museum mit Teilen von abgestürzten oder notgelandeten Flugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg in Widnau betreibt, oder der bekannte Luftfahrtrechtler Roland Müller. Lange profitierte auch die Gruppe Albatros in Trogen von der Kompetenz von Hansruedi.

Hansruedi war auch immer hilfsbereit. Nach dem gemeinsamen Bau von drei identischen Grossmodellen – lange ist's her – wollten wir die 260-cm-Skyladies in Ruhe und ohne Publikum in San Vittore einfliegen. Ich fragte Hansruedi, di, ob er uns assistieren würde. Natürlich sagte er ja – und wir fuhren an einem Samstag nach San Vittore. Ich über Thal mit Hansruedi und meine beiden Mittäter direkt aus dem Wehntal. Nur, mit in Ruhe und ohne Publikum war nichts, denn die Modellfluggruppe Molinazzo-Bellinzona war dabei, ihren Flugtag auf dem Flugplatz San Vittore durchzuführen. Wir wurden freundlich begrüsst und alle waren neugierig, was wir zu bieten hätten. Nach dem Aufbau meines Modells und den üblichen Tests startete Hansruedi und nach ein paar Metern war die erste Skylady in der Luft. Bei diesem Erstflug flog Hansruedi ein absolut perfektes Kunstflugprogramm mit allen möglichen Figuren und Schikanen. Dank Hansruedi war der Tag für mich als Konstrukteur sehr erfolgreich. Die notwendigen Landeklappen der Skylady bauten wir dann später auch noch ein.


Haus des Modellflugs

So hatte wohl jeder Modellflieger eine Anekdote oder ein erfreuliches Erlebnis, welches mit Hansruedi Zeller zu tun hatte. In seinem Haus in Thal, in welchem er mit seiner Helen lebte, und wo seine drei Töchter aufwuchsen, hatte er einen sehr grossen Bastelraum im Keller eingerichtet. Da er im Laufe der Zeit sicher gut 100 Flugmodelle im Haus hatte, diente ihm auch der Raum über der Garage als Lager.



Aber zu viel Platz hatte er, wie alle Modellflieger, sicher nicht, da er auch immer mehrere Projekte gleichzeitig in Arbeit hatte. Im Weiteren verfügte er über einen enormen Fundus an historischen Unterlagen über Flugzeuge, vor allem von Dornier und FFA. Brauchte jemand Bauunterlagen für einen P 16 oder einen Bücker, wurde dieser bei Hansruedi fündig. Als engagierter und begeisterter Grossvater verbrachte Hansruedi viel Zeit mit seinen neun Enkelinnen und Enkeln und baute mit ihnen im Estrich seines Hauses eine grosse Modelleisenbahnanlage.


Schlechte Diagnose

Vor zwei Jahren wurde er mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. Als Optimist war er sicher, dass er die Krankheit mit den möglichen Therapien besiegen würde. So erklärte er mir bei einem Besuch, dass er noch zu viele Projekte pendent habe, um sich verabschieden zu können. Bei der Besichtigung des Fliegermuseums Altenrhein mit Mitgliedern der Modellflugregion NOS im November traf ich Hansruedi ein letztes Mal. Mitte Januar feierte er im Kreis seiner Familie seinen 74. Geburtstag.

Mitte Februar wurde Hansruedi Zeller nun von seiner Familie, seinen Freunden und einer sehr grossen Trauergemeinde in der voll besetzten Kirche von Staad würdevoll verabschiedet. Wer mit Hansruedi zu tun hatte, wird ihn nicht vergessen.



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