Semi-Scale Wettbewerb in Hausen am Albis
Zum drittenmal traf man sich auf dem Trainings- und Übungsflugplatz der Swissair, in Hausen am Albis, zum international ausgeschriebenen Wettbewerb in der Semi-Scale- und der immer beliebter werdenden Quarter-Scale-Klasse. Organisiert und durchgeführt wurde der Wettbewerb auch diesmal von der MFG Affoltern am Albis.

Der erste Semi-Scale-Wettbewerb wurde im Oktober 1979 abgehalten. Vorgängig wurde dreimal eine Schweizer Meisterschaft für RC-1-Kunstflugmodelle durchgeführt.
Verschiedene Hersteller der Modellbauindustrie haben sehr schöne, vorbildgetreue Flugmodelle in ihrem Sortiment. Ein geschickter Modellbauer hat so die Möglichkeit, an einem Semi-Scale-Wettbewerb teilzunehmen. Da das Flugprogramm (noch) nicht allzu schwierig zu fliegen ist, haben auch durchschnittliche Piloten eine reelle Chance.
Da die Swissair und die ansässigen Fluggruppen ein Wochenende im Oktober den Flugplatz freundlicherweise zur Verfügung stellen, ist es fast ein «Muss», eine solche Veranstaltung durchzuführen. Die Infrastruktur auf dem Platz ist geradezu fantastisch.
Wie grosszügig und in die Zukunft blickend diese Leute der Swissair sind (die meisten Piloten haben ihre Karriere beim Modellfliegen begonnen oder sind heute noch diesem Hobby treugeblieben), sei hier nur am Rande erwähnt.
Dass ein solcher Wettbewerb nicht ohne Probleme, vor allem in der Vorbereitung, vor sich geht, ist sicher allen klar. Aber dass sich bis zwei Wochen vor der Veranstaltung nur ein einziger Pilot angemeldet hatte, war weniger klar. Da dürften selbst die kühlsten Organisatoren warm bzw. nervös werden.
Mit einer Telefonaktion wurden aber doch noch 23 Piloten «angeheuert», sieben davon aus Deutschland.
Semi-Scale
Martin Sannwald, ein sehr junger aber jetzt schon in bezug auf fliegerisches Können ein Spitzenpilot, präsentierte einen Hunter MK58.
Konrad Oetiker flog einen wunderschön gebauten Bücker 133 Jungmeister. Er setzte den Webra-60-Getriebemotor ein. Dieser entwickelt wie alle mit Getriebe ausgerüsteten Modelle einen ganz eigenen Sound.
Das von vielen Luftwaffen und neuerdings auch von der Schweizer Armee bestellte Trainerflugzeug, Pilatus PC-7, wurde von Max Ulrich geflogen. Seine Tiefstflüge bei hoher Geschwindigkeit waren gewagt, wurden aber durch offene Ovation der Zuschauer mit Begeisterung aufgenommen.
Peter Müller setzte das Schweizermeistermodell des Jahres 1980 ein. Seine Douglas SBD-3 Dauntless ist am Boden wie in der Luft eine Schau. Die Reserven, die er in der Baubewertung auf seine Konkurrenten herausgeholt hatte, reichten zum sicheren Sieg.
Werner Ott von der Fluggruppe Balsania Filder ist ein bekannter deutscher Klassepilot. Er flog ein ganz seltenes Flugzeug, nämlich die Tornado MY 102, die grosse Ähnlichkeit zur MBB 209 Monsun hat. Auch unter der Motorhaube war's interessant. Er verwendete den von Webra neu entwickelten Langhubmotor.
Herbert Steinemann aus Schaffhausen flog einen Piper L-4 mit einem 4-ccm-Motor!
Dass die North American T-28B ein beliebtes Wettbewerbsflugzeug ist, weiss man, seit dieser hervorragend detaillierte Baukasten im Angebot der Fachhändler ist. Andreas Gasser benutzte dieses Flugzeug.
Thomas Ott, Deutschland, brachte eine Citabria mit. Vor allem am Sonntagmittag beim kleinen Schaufliegen zeigte er, was mit einem Hochdecker alles möglich ist. So demonstrierte er einen Rückenflug in einer Höhe (Tiefe), die wohl selten gezeigt wird.
Marcel Ansermin, Mendrisio, brachte eine schöne, aber auch laute YAT 28-E, die Turboversion der T-28, an den Start.
Horst Wisst, ein alter Fuchs in Sachen Semi-Scale, vertraute auf seine grosse Zlin 526AS von Pat French. Sehr schön detailliert, aber leider zu grosse Abweichungen zum Original.
Erich Rabe aus Deutschland brauche ich nicht lange vorzustellen. Er flog seinen bekannten Bücker 180 Student. Es ist das erste Modell, das mit einem Viertaktmotor an Wettbewerben teilnahm (1978).
Schade, dass man die exzellent gebaute Cessna 182 von Alex Gyr nur am Boden betrachten konnte. Die Verarbeitung bis hin ins kleinste Detail überzeugte die Zuschauer wie Punktrichter.
Doppeldecker sind für diese Art von Wettbewerb gern benutzte Flugzeuge. Erwin Leutenegger brachte einen PT-17 an den Start. Ein hübsches Modell, an dem lediglich das Resonanzrohr etwas störend wirkte.
Und nochmals ein Doppeldecker wurde von Hans Enzeroth benutzt. Die bekannte Tiger-Moth. Hans Enzeroth flog als einziger mit einem 15-ccm-Motor.
Eine im Massstab 1:7 nachgebaute Lockheed Orion, eine Maschine, die zu ihrer Zeit als «das» Zukunftsflugzeug galt und auch bei der Swissair zum Einsatz kam, wurde von Sven Wiesendanger pilotiert.
Peter Bühler setzte ein mit einem OS-Viertaktmotor ausgerüsteten Piper Super Cup ein.
Quarter-Scale
Die Beliebtheit für diese Kategorie von Grossflugmodellen ist enorm. Der Grundgedanke hinter dieser von Amerika hervorgebrachten Art ist der, dass nicht nur die Details, sondern auch die Flugeigenschaften, dem Vorbild entsprechen sollen. Das heisst relativ grosse und langsame Modelle.
Das grösste Modell war die Rally Commodore, mit einer Spannweite von 2,7 m, 32-ccm-Motor und einem Gewicht von 13 kg. Das Modell baute Kurt Furrer. Leider wurde das Modell nicht geflogen.
Egon Ritz aus Deutschland präsentierte eine sehr schön gebaute Turbulent. Leider genügten die Unterlagen (Dreiseitenansicht, Farbschema usw.) nicht. Dadurch erreichte er bloss 800 Punkte in der Baubewertung. Wie zu erfahren war, hatte er die Unterlagen zu Hause vergessen. Schade!
Jodel BEBE, 2,3 m Spannweite, OS-Zweizylinder-Viertaktmotor, das sind einige Angaben zum «Sieger» der Baubewertung. Wären keine Probleme mit dem Motor aufgetreten, hätte Stephan Wisst bestimmt eine noch bessere Platzierung erreicht.
Peter Bühler flog einen Tiger-Moth. Sauber gebaut und recht vorbildgetreu geflogen.
Bücker 180 Student von Erich Rabe / D.

Schönes Modell einer Newport, das leider am Wettbewerb nicht teilnahm.
Eine «Riesen»-Bücker-131-Jungmann mit 2,2 m Spannweite wurde von Sven Wiesendanger demonstriert. In der Luft ist das Modell kaum vom Original zu unterscheiden.
Das amerikanische Kunstflugzeug Laser 200 wurde vom talentierten Martin Sannwald aus Fehraltorf geflogen, und zwar so perfekt, dass er mit Abstand die Flugbewertung gewann.
Ebenfalls amerikanischer Herkunft ist der Doppeldecker Pitts Spezial von Max Ulrich. Mit diesem Modell gewann er schliesslich den Wettbewerb.

Die Baubewertungsrichter, alles von der FAKO Scale ausgebildete Spezialisten, beurteilten jedes Modell mit grosser Aufmerksamkeit. Viele, die niedrige Punktzahlen hatten, waren einfach schlecht dokumentiert.
Im fliegerischen Teil waren drei Wertungsflüge vorgesehen. Es wurden aber lediglich zwei geflogen. Der Grund war das unsichere Wetter am ersten Wettbewerbstag. Das Flugprogramm wurde in ein Pflicht- und Kür-Programm aufgeteilt. Zur Pflicht gehörten Start, Geradeausflug, 90°/270°-Kurven, Landeeinteilung sowie Landung im 25-m-Rechteck.
In der Kür mussten fünf freigewählte Figuren geflogen werden. Je nach Modelltyp und Können des Piloten wurden unter anderem folgende Figuren gezeigt: Jmmelmann, Looping, Rolle, Rückenflug, Abschwung, tiefer Vorbeiflug usw.
Ein kleines Schaufliegen am Sonntagnachmittag bildete den Abschluss der gelungenen Veranstaltung.
| Rg. | Name | Gruppe | Baubew. | Flugbew. | Total | Modell | Motor | Gewicht | Bemerkungen |
| 1. | Müller P. | Fehraltdorf | 1707.5 | 1274.9 | 2982.4 | Dauntless | OS 60 | 5.2 kg | Schw. Meister Mod. 1980 |
| 2. | Ott W. | Balsamia (D) | 1425 | 1468.5 | 2893.5 | Tornado | Webra | 5.9 " | Langhubmotor |
| 3. | Gasser A. | Thal | 1357.5 | 1428.9 | 2786.4 | T-28-B | OS | 4.5 " | |
| 4. | Oetiker K. | Thal | 1582.5 | 1164.9 | 2747.4 | Bü 133 | Webra | 5.9 " | Getriebemotor |
| 5. | Steinemann H. | Schaffhausen | 1475 | 1191 | 2666 | Piper | OS 25 | 2.4 " | |
| 6. | Rabe E. | Balsamia (D) | 1272.5 | 1219.05 | 2491.55 | Bü 180 | OS | 3.8 " | Viertaktmotor |
| 7. | Ott T. | Balsamia (D) | 1220 | 1186.5 | 2406.5 | Citabria | OS | 4 " | Viertaktmotor |
| 8. | Wiesendanger S. | Fehraltdorf | 990 | 1336.5 | 2326.5 | Orion | Webra | 4.5 " | |
| 9. | Ulrich M. | Fehraltdorf | 1065 | 1250.7 | 2315.7 | PC-7 | Rossi | 4.5 " | |
| 10. | Wisst H. | Balsamia (D) | 1035 | 1149 | 2184 | Zlin | HP | 5.9 " | |
| 11. | Enzeroth H. | Zumikon | 1172.5 | 943.95 | 2116.45 | Tiger-M | OS | 5.2 " | Doppeldecker |
| 12. | Ansermin M. | Mendrisio | 902.5 | 1138.5 | 2041 | YAT-28 | ST | 4.9 " | |
| 13. | Sannwald M. | Fehraltdorf | 692.5 | 1157.2 | 1849.7 | Hunter | OS | 4.6 " | Bremsschirm |
| 14. | Zeier B. | 915 | 744 | 1659 | |||||
| 15. | Gyr A. | Affoltern a/A | 1647.5 | 1647.5 | Cessna | 5 " | |||
| 16. | Bühler P. | Dietikon | 690 | 928 | 1618 | Piper | OS | 4.5 " | Viertaktmotor |
| 17. | Leutenegger E. | Affoltern a/A | 955 | 588 | 1543 | PT-17 | Enya | 5 " | Doppeldecker |
| Rg. | Name | Gruppe | Baubew. | Flugbew. | Total | Modell | Motor | Gewicht | Bemerkungen |
| 1. | Ulrich M. | Fehraltdorf | 1450 | 894.6 | 2344.6 | Pitts | Rossi | 7.2 kg | Getriebemotor |
| 2. | Sannwald M. | Fehraltdorf | 940 | 1256.85 | 2196.85 | Laser | OS 90 | 4.8 " | Mitteldecker |
| 3. | Wiesendanger S. | Fehraltdorf | 1035 | 1066.8 | 2101.8 | Bü 131 | Moki | 8.5 " | Doppeldecker |
| 4. | Wisst S. | Balsamia (D) | 1535 | 507.15 | 2042.15 | BEBE | OS 120 | 6.5 " | Zweizylinder Viertaktmotor |
| 5. | Bühler P. | Dietikon | 925 | 1052.10 | 1977.10 | Tiger-M | Quadra | 10.5 " | Doppeldecker |
| 6. | Ritz E. | Balsamia (D) | 800 | 1064.7 | 1864.7 | Turbulent | OS 120 | 6 " | Zweizylinder Viertaktmotor |
| 7. | Furrer K. | Müswangen | 432.5 | 432.5 | Rally | Quadra | 13 " |

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Stimmung während des ganzen Wettbewerbes ausgesprochen gut und gelöst war. Für die Teilnehmer und die Zuschauer war es bestimmt ein grosses Erlebnis, dabei gewesen zu sein.
Dass die Modellfluggruppe Affoltern am Albis gute Wettbewerbe organisieren kann, bewies sie auch in diesem Jahr. Der Swissair sei an dieser Stelle ganz besonders gedankt. Falls sie und die Fluggruppen an einem Wochenende auf ihren Flugplatz «verzichten» können, wird es sicher auch im Oktober 1982 zu einem «Happening» kommen. Voraussichtlich wieder in den Klassen Semi-Scale und Quarter-Scale. Es lebe der Wettbewerb 82!


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