Gut gelandet
Viel Herzblut steckt im Nachbau der einzigen noch fliegenden Morane D-3801 (HB-RCF). Der Erbauer freute sich deshalb umso mehr auf ein Treffen des Modells und des Originals!

An einem kühlen Spätsommertag stehe ich zusammen mit meinem Bruder und seinem Sohn auf dem Sportflugplatz in Bleienbach. Die Sonne wärmt bereits mit den ersten Strahlen des Tages; es ist windstill. Wir führen die letzten Checks vor dem Erstflug meiner Morane D-3801 durch und starten dann den Motor. Das Startprozedere ist auf Anhieb erfolgreich und der Fiala FM120i2 läuft danach ein paar Minuten warm. Die letzten Momente, um nochmals den Erstflug in Gedanken durchzugehen. Dann ist es so weit: Wir richten das Modell auf der grossen Piste aus und lassen den Motor ein letztes Mal auf Vollgas laufen. Alles okay! Mein Bruder lässt das Modell los und ich geben zügig Gas. Die Morane beschleunigt überraschend schnell und benötigt nur leichtes Seitenruder rechts, um auf Kurs zu bleiben. Dann hebt die Maschine ab und steigt gleichmässig in den Morgenhimmel. Ich lasse das Fahrwerk, wie vorgesehen, noch ausgefahren und beginne mit dem Austrimmen. Zwei Ticks Tiefe und einen Tick Querruder links. Nach 2-3 Kurven kann ich auch die Seitenrudertrimmung als korrekt einschätzen

zen und fahre das Fahrwerk ein. Hoffentlich macht die nachgebaute Einfahrkinematik keine Probleme! Das Fahrwerk verschwindet fehlerfrei in der Tragfläche und ich beginne den Flug zu geniessen. Meine Morane fliegt sehr ausgeglichen und lässt sich schön weich steuern. Nach ein paar weiteren Runden und einem Test der Langsamflug-Eigenschaften in sicherer Höhe, setze ich zu Landung an. Das Fahrwerk fährt ohne Macken aus und nach dem Queranflug drehe ich auf die Piste ein. Ich drossle den

Motor und lasse mir auf der langen Piste Zeit mit dem Ausschweben. Die Morane setzt weich auf der Piste auf und rollt langsam aus. Landung geglückt!
In den 1930-er-Jahren entwickelte der französische Flugzeughersteller Morane-Saulnier das einmotorige Jagdflugzeug MS.406. Das Flugzeug gehörte zur ersten Generation von modernen Maschinen mit Einziehfahrwerk und nicht abgespannten Tragflächen. In der Schweiz wurde der Typ als Morane D-3801 in Lizenz herge-

stellt und im 2. Weltkrieg umfangreich eingesetzt. Von allen Flugzeugen dieses Typs befindet sich weltweit nur noch die HB-RCF, welche lange Zeit von Daniel Koblet geflogen wurde und nun im Besitz von Eric Chardonnens ist, in flugfähigem Zustand.
Vor einigen Jahren durfte ich Daniel Koblet mit seiner Morane D-3801 an einem Flugmeeting bestaunen. Ich hatte eben

meine Pilatus P-2 fertiggestellt und war auf der Suche nach einem neuen Projekt. Das einmalige Flugbild der Morane hatte mich beeindruckt und der Entscheid war somit schnell gefasst!
Ich suchte die notwendigen Unterlagen zusammen (Bilder im Internet, 3-Seiten-Ansichten) und fand einen ausgezeichneten Plan von Jerry Bates, welchen ich umgehend

bestellte. Ich vergrösserte den Plan auf den gewünschten Massstab von 1:3,5 und begann mit dem Aussägen der Teile...
Da das Modell mit über 3 Meter Spannweite und 2,34 Meter Länge eine stattliche Grösse aufweist, habe ich mich für ein abnehmbares Heck und demontierbare Aussenflügel entschieden.
Wie beim Original ist das Heck teilweise bespannt. Hier habe ich Gewebefolie verwendet, auf welcher ich mit Klebestreifen und Zackenbändern die Verstärkungsnähte imitiert habe. Die Kabinenhaube ist mit einzelnen Plexiglaselementen in einem Holz-/GFK-Rahmen realisiert.
Für den Oberflächen-Finish habe ich Glasgewebe mit Bodenversiegelungslack verwendet. Darauf kam dann ein Spritzspachtel, welcher wieder fast vollständig abgeschliffen wurde. Für die Motorabdeckung, die Fahrwerkabdeckungen und einzelne Bereiche am Heck habe ich GFK-Teile angefertigt. Diese habe ich teilweise direkt auf der bereits gebauten Struktur laminiert, oder auf einer einfachen Positiv-Form aus Styropor, welche mit Bügelfolie bespannt war.
Bereits zu Beginn des Projekts war klar, dass ich einen Fiala FM120i2 als Antrieb verwenden würde. Es handelt sich um einen 2-Zylinder-4-Takt-Motor mit 120 cm2 Hubraum. Die Reihenanordnung der Zylinder kommt mir beim Einbau ins Modell zugute. Den passenden Schalldämpfer habe ich aus PKW-Ölfiltergehäusen und passenden

Stahlrohren zusammengelötet. Warbirds weisen im Original viele kleine Details, Blechstösse, Nieten und Unebenheiten auf. Ich wollte zumindest einen Teil dieser Strukturen auf dem Modell umsetzen. Für die Blechstösse habe ich mit Abdeckband und Spachtel gearbeitet, um so die Kanten und Absätze zu realisieren. Bei Nieten, Schrauben und kleineren Abdeckungen sind selbstklebende Elemente verwendet worden. Für einzelne typische Strukturen habe ich spezielle Silikon-Giessformen hergestellt. In diesen Formen habe ich dann die erforderliche Anzahl Teile mit PU-Giessharz abgegossen.
Nachdem der Oberflächen-Finish beendet und die RC-Komponenten sowie Motor und Fahrwerk eingepasst waren, konnte ich mit dem Lackieren des Modells beginnen. Ich habe mich dabei an der Bemalung der HB-RCF orientiert und die notwendigen Farben beschafft. In der Lackierkabine meines Bruders konnte ich die verschiedenen Farbschichten aufbringen. Hellblau, Dunkel-

grün sowie Rot und Weiss waren relativ schnell aufgebracht und ich freute mich wie ein kleines Kind über das Resultat! Beschriftungen wie z.B. Hinweisschilder oder die Immatrikulation habe ich mittels selbst gedruckter Wasser-Schiebetransfer-Bilder umgesetzt. Zur Versiegelung und zum Schutz wurde dann das gesamte Modell mit einem 2-Komponenten-Klarlack in Seidenmatt überlackiert.

Am 29. Mai 2021 fand das Treffen mit dem Original statt. Mein Kollege Marc Küpfer hatte den Besuch mit Eric Chardonnens und dem Piloten der Morane, Laurent Calame, koordiniert. Es war ein einmaliges Erlebnis mit lebhaftem Austausch und der Möglichkeit, grossartige Bilder zu schießen.
Für mich war dieses Projekt nur möglich durch die Unterstützung meines Bruders und mei-

nes Vaters. Sie sind mir mit professionellem Rat zur Seite gestanden und haben mich mit Material und Equipment unterstützt. Für das Treffen mit dem Original gebührt Marc Küpfer ein grosses Dankeschön; sein Netzwerk hat sich hier wieder
einmal ausbezahlt! Vielen Dank auch an Eric und Laurent für den herzlichen Empfang beim Besuch in Bex. Nicht zuletzt bedanke ich mich bei meiner Frau für das grosse Verständnis, das sie meinem zeitintensiven Hobby entgegenbringt.

| Original Morane D-3801 | Modell Markus Kindler | |
|---|---|---|
| Massstab: | 1:3,5 | |
| Spannweite: | 10,61 m | 3031 mm |
| Länge: | 8,17 m | 2334 mm |
| Höhe: | 3,25 m | 929 mm |
| Flügelfläche: | 16 m2 | 139,6 dm2 |
| Startmasse: | 2540 kg | 23 kg |
| Antrieb: | 735 kW | Fiala FM120i2 mit 7,5 kW |

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