Sport

Quo vadis Modellflug-Leistungssport Schweiz?

von Emil Giezendanner
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Die internationalen Erfolge unserer Modellflugsportler im Rahmen der FAI-Europa- und Weltmeisterschaften der FAI – World Air Sports Federation können sich ohne Zweifel sehen lassen. Gerade im vergangenen Jahr kann von einem eigentlichen Medaillensegen und vielen guten Rängen gesprochen werden. Das darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich noch einiges verbessern lässt. Dazu nachfolgend ein paar Gedanken.



Überdenken in guten Zeiten von Vorteil

Das Umfeld unseres Modellflug-Leistungssports hat sich in den letzten Jahren stark verändert. In einigen Disziplinen haben insbesondere die Sportler der osteuropäischen Länder enorm aufgeholt. Viele gehören zur absoluten Weltspitze. Auch in Asien, wie z.B. Korea, China und Japan, scheint ein unerschöpfliches Reservoir an Talenten vorhanden zu sein. Dazu kommt noch, dass die Anzahl der FAI-Kategorien jedes Jahr wächst und schon bei 28 (mit IJMC 31) ist. Damit wird die gezielte und konsequente Förderung unserer Sportler immer wichtiger. Diese klare Forderung stösst jedoch zusehend an die finanziellen Grenzen unserer Verbände (AeCS, SMV und Regionen). Nicht nur Sparen ist angesagt, sondern auch der wirklich effiziente Einsatz der vorhandenen Mittel für unsere Nationalmannschaften.


Leistungskriterien unabdingbar

Wenn wir auf der Basis von sogenannten Selektionsranglisten weiterhin ein Team mit drei Mitgliedern bilden – egal wie weit hinten die sogenannten Selektionierten auf der Rangliste zu finden sind – ist das eventuell gut gemeint. Wir wollen Chancen geben – z.B. einem Junior. Oftmals handelt es sich aber um eine reine Umsetzung des überholten Reglements, die den SMV eine Stange Geld kosten kann. Wer sich beim Leistungssport anderer Sportverbände umsieht, wird feststellen, dass im obersten Kader ohne hartes Leistungslimit nichts geht. Für die übrigen werden «B-Kader» oder ähnliche Leistungsstufen gebildet. Diese Limits sollen sich z.B. nach den Resultaten der letzten Weltmeisterschaften richten. Für die NM-Qualifikation muss ein bestimmter Prozentsatz erreicht werden. Die Fakos sind gefordert, und der Sportchef überprüft die Vorgaben.


Regionale Leistungszentren bilden

Die Förderung von Talenten kann nur in den Vereinen anfangen und müsste konsequenterweise von den Regionalverbänden unterstützt werden. Verschiedene Regionen sind in der Lage, vermehrt in die Sportförderung zu investieren. Einige regionale, historisch gewachsene Leistungszentren sind de facto schon da. Für eine gezielte Unterstützung durch den SMV müssten Leistungsvereinbarungen ausgehandelt werden. Dort, wo die Fachkommissionen (noch) nicht aktiv sind, müssen die Zentren mit Fako-Geldern finanziert werden. Als Beispiele denke ich an die italienische Schweiz mit ihrer RC-Helikopterszene, an die Freiflugtrainings im Gürbetal, den Fesselflug in Breitenbach, die F3J-Aktivitäten im Freiburgischen oder in F4 Scale in Interlaken usw. Entscheidend für den Erfolg ist die Zusammenarbeit mit den Fachkommissionen und Regionen, welche in den bereits bestehenden Zentren schon recht gut funktionieren. Die geografische Konzentration der einzelnen Kategorien soll so gestaltet werden, dass sich die Anreisedauer in Grenzen hält. Die Familie der Juniorin/des Juniors wird trotzdem gefordert.


Talente zeichnen sich früh ab

Eigentlich beginnt der Leistungssport, wie oben schon erwähnt, in unseren lokalen Vereinen. Soll mir keiner erklären, dass sich Begabung und Einsatz von Junioren nicht schon früh bemerkbar machen. Sie bewegen sich spielerisch und oft auch etwas frech auf unseren Plätzen. Doch ist möglichst tiefes Vorbeifräsen nur eine vorübergehende Betätigung – Weiteres muss folgen. Unterstützt nach Möglichkeit und ermuntert sie, über den Verein hinaus neue Herausforderungen anzugehen. Kleinere Wettbewerbe auf regionaler Stufe bieten sich dazu hervorragend an. Auch Gruppenwettbewerbe oder Trainings. Bitte nicht vergessen, jeder Verein trägt eine grosse Verantwortung für unseren Nachwuchs – sonst machen wir uns längerfristig selber unnötig.


Zu hohe Belastung der SMV-Finanzien durch den Sport

Bereits heute fliesst mehr als die Hälfte der Mitgliederbeiträge in den Sport. Meines Erachtens können wir dieses Verhältnis auf die Dauer nicht halten.

Wie es aussieht, läuft die Inflation neuer Wettbewerbsklassen ungebremst. Wir müssen nach neuen Geldquellen suchen. Vielleicht den in das Startgeld integrierten Nationalmannschaftsfranken wieder einführen – diesmal mit 10 Franken – oder die obligatorischen Sportlizenzen ab Stufe SM usw. (Unverständlich, weshalb diese seinerzeit gestrichen wurden.) Der vom SMV finanzierte Leistungssport benötigt eine Plafonierung. Damit würde der Kuchen unter immer mehr Wettbewerbsklassen verteilt. Eine Begrenzung neuer Klassen bzw. sogar eine Reduktion wäre eine harte Realität. Unsere Wettbewerbe in der Schweiz kosten zu viel. Schweizer Meisterschaften mit Punkrichtern kosten 3000 bis 5000 Franken, was bei den aktuellen Teilnehmerzahlen schnell einmal 200 und mehr Franken kosten kann. Auch da werden wir über die Bücher müssen. Ideen sind gefragt.



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