Heinz Keller ist tot
Der Vater des «Keller-Motors» starb am 5. Oktober 2012 im Alter von 82 Jahren in der Nähe von Hanau, dort wo er aufgewachsen und die meiste Zeit seines Lebens aktiv war. Er zählt zu den grossen Pionieren des Elektroflugs.
Der 1929 geborene Heinz Keller hatte nach seinem Abitur erst mal eine Lehre bei der Hanauer Vakuumschmelze absolviert, um dann nach einem Physikstudium an der Goethe-Universität in Frankfurt wieder in den Dienst seiner Ausbildungsfirma zu treten. Dort hat sich der Diplom-Physiker Keller frühzeitig mit Legierungen aus den seltenen Erden-Metallen Kobalt und Samarium befasst und erkannte rasch das Potenzial dieser damals neuartigen Magnetwerkstoffe für den Bau drehmomentstarker Elektromotoren. Der Impuls, es mit dem Selbstbau eines Motors zu versuchen, kam aus dem Modell-Rennboot-Hobby, dem er in seiner Freizeit beim Schiffs-Modell-Club Fulda frönte.
Sehr bald schon, es war wohl 1978, entdeckten auch die Elektroflieger die Bedeutung dieser Innovation. Bis dahin hatte man zumeist mit japanischen Mabuchi-Motoren, die für Elektrowerkzeuge konzipiert waren, um Höhenmeter gekämpft. Die Keller-Motoren brachten ganz neuen Schwung in die zuvor oftmals wegen Leistungsmangel belächelte Elektroflugszene. Bald war ohne Keller-Motor kein Wettbewerb mehr zu gewinnen. Die Nachfrage explodierte, sodass Heinz Keller zu seinem 25-jährigen Firmenjubiläum seine sichere Anstellung bei der Vakuumschmelze kündigte und eine eigene Motorenfirma gründete. Dem legendär gewordenen «Keller 50/24» folgten zahlreiche Motortypen für diverse Einsatz- und Leistungsklassen. Dabei blieb der kaufmännische Elan stets hinter dem des Konstrukteurs und Tüftlers zurück. Heinz Keller kümmerte sich nicht um Verkaufsförderung im heutigen Sinne, er unterstützte stattdessen lieber jugendliche Wettbe-

werbspiloten. Einen Keller-Motor zu bekommen war nicht immer ganz einfach; der Service glich eher einem Förderprogramm für Mitbewerber.
1989 verkaufte Heinz Keller seine Motorenfertigung an Robbe und beschäftigte sich in den Neunzigerjahren nur noch hobbymässig mit Elektroflug. Er wandte sich forschend den damals gängigen Nickel-Cadmium-Zellen zu. Mit grossem Engagement sammelte er Messdaten und publizierte die so erworbenen Erkenntnisse in einem Fachbuch. Auch da-
nach besuchte er immer wieder Elektroflugveranstaltungen, stets im unverwechselbarem Outfit. Man erlebte ihn dann oftmals als sehr zeitgeistkritischen Mitbürger.
Obwohl Heinz Keller sich in seinen letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen immer mehr ins Privatleben zurückgezogen hatte, werden sein Name und die damit verbundenen Verdienste um den Elektroflug der Nachwelt unauslöschbar in Erinnerung bleiben. ■
*Ludwig Retzbach*

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