Dassault Mirage IIIS Ueli Amacker und Reto Senn
Eine alte Liebe flammt neu auf
In den Neunzigerjahren bekam ich meine erste Mirage IIIS der Schweizer Luftwaffe (im Rohbau), von meinem Kollegen Meinrad Gyr entwickelt. Wir waren als Viererstaffel unter dem Namen «MirageTeam Schweiz» an diversen Veranstaltungen unterwegs. Die Mirage war im Massstab 1:7 und wurde von einem Byron-Impeller mit Rossi-Motor angetrieben. Ich habe damals eine zweite Mirage gebaut, die im Lauf der Zeit, mit einer JPX-Gasturbine und später mit einer Jet Cat P-60 ausgerüstet, viele tolle Stunden in der Luft verbrachte.
Die Liebe zu diesem Modell war und ist immer noch vorhanden. Leider gibt es aber keine Mirage III als Bausatz in vernünftiger Grösse zu kaufen. Da hatte ich den genialen Einfall, einen der besten Modellbauer für Modelle in Holzbauweise zu kontaktieren: Ueli Amacker, er baut sogar die Impeller für seine Modelle selbst. Seine Modelle sind vorwiegend Nachbauten der Schweizer Luftwaffe. Bis dato aber keine Turbinenmodelle. Zuerst hat Ueli alle guten Ausreden gebraucht, warum es nicht möglich sei, die Mirage im Massstab 1:5 zu bauen. Auch dass eine Turbine eingebaut werden sollte, bereitete Ueli allerlei Kopfzerbrechen. Dazu kam noch, dass das Modell zum Transport klein sein musste. Der Rumpf also teilbar und die Flügel und das Seitenleitwerk abnehmbar. Nach einigen Telefongesprächen hat dann meine Überredungskunst Früchte getragen und Ueli hat eingewilligt.
Um das Modell einigermaßen genau zu konstruieren und zu bauen, musste ich ihm eine Dreiseitenansicht im Nachbau-Massstab besorgen. Hier war mein Freund für das Unmögliche wieder einmal derjenige, der es richten konnte. Urs Mayländer, langjähriges Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft (Jet-Scale-Team).
Nach 4 Monaten durfte ich das Rohbaumodell in 100% Balsa und Sperrholz bei Ueli abholen. Nun ging es auch bei mir wieder zurück zu den Modellbauwurzeln. Wann habe ich das letzte Mal mit
Balsaholz gearbeitet? Es waren Jahre her. Staubig wurde es in meinem Hobbyraum und ich habe packenweise Taschentücher gebraucht, so viel musste ich niesen. Endlich konnte ich mit dem Aufbringen des Glasgewebes beginnen. Wie früher gelernt, mit Epoxidharz, welches leicht verdünnt wurde zur einfacheren Verarbeitung. Es ist immer gut, Freunde mit unterschiedlichen Fähigkeiten zu haben. So wurde kurzerhand ein AT-16 Fahrwerk so modifiziert, dass es eben in eine Mirage als Hauptfahrwerk passt. Mir war wichtig, dass die Ansicht von vorne «Mirage-like» war. Gegenüber der ursprünglichen Planung musste die Turbine (eine Jet Cat P-180NX) massiv nach vorne verschoben werden. Im Endeffekt brauchte ich nur wenig Blei in die Nase einzubauen. Wie bringe ich etwas Scale-Look auf das Modell ohne viel Aufwand, war eine Frage. Kurzerhand habe ich Deckel und Blechstösse aus dünner Klebefolie ausgeschnitten. Die Imitation der Schraubenplatzierung habe ich einfach vor dem Aufkleben mit einer Lederlochzange gemacht. Am fertigen Modell dann noch Schrauben eingesetzt.
Nach reiflicher Überlegung sollte das Modell gleich aussehen wie meine damals erste Mirage. Die Version, wie sie von der GRD (heute Armasuisse) als Versuchsflugzeug im Einsatz war. Im Internet fand ich einen Decalsatz für ein 1:72-Modell. Wiederum machte einer meiner Freunde (Ralle Schneider von Tailormade Decals) das Unmögliche wahr und vergrösserte alle Maskierschablonen auf den Massstab 1:5. Mein Freund Oliver Kölla, der mir viele Modelle lackiert, fand eine Farbe, die «Aluminium poliert» heisst. Ein Riesenaufwand im Farbaufbau. Aber Oli wollte mal was Neues machen. Das Ergebnis war super, allerdings musste ich das Modell an diversen Stellen altern, weil sonst teilweise ein Spiegel durch die Luft flog, was fast nicht steuerbar wäre. Empfangsseitig wurde komplett auf Powerbox-Equipment gesetzt. Das Endergebnis kann sich sehen lassen. Ein super Flugzeug mit einem Startgewicht von nur 18,7kg. Danke, Ueli Amacker, für dieses Traum-
Ueli Amacker, Erbauer der Mirage IIIS.
Im Frühjahr 2021 kam dann der grosse Moment mit dem Erstflug. Jahre lang habe ich nur Flugzeuge mit Landeklappen usw. geflogen. Ja, ganz einfach: Fahrwerk raus, Landklappen ausfahren und schon kommt der Flieger gemütlich angeflogen. Ich konnte mich noch aus meiner frühen Mirage-Zeit daran erinnern, dass es wichtig war, in der letzten Kurve vor dem Aufsetzen die Nase anzustellen und dann mit Gas reinzukommen. Eine Ungewissheit war noch, ob die Mirage genügend angestellt war, dass sie denn auch gut abhebt. Ich habe mich noch mit Ueli und einigen Mirage-Piloten ausgetauscht. Nach deren Aussagen hatte ich alles richtig gemacht.
Also Reichweitentest, letzte Ruder- und Triebwerkkontrolle und das Briefing mit meinem Sohn, der als Helfer bei mir war. Was, wenn das Triebwerk ausgeht, wann wird das Fahrwerk ausgefahren, Ziele des Fluges wie Trimmung, Abschmierverhalten usw. Dem Erstflug stand nichts mehr im Wege. Ich stellte mich in die Hälfte der Piste, damit ich

sehen konnte, wenn das Bugrad leicht wird, mit dem Ziel, möglichst vor mir abzuheben. Ich habe von Anfang an voll gezogen, Vollgas gegeben und los ging's. Nach etwa 60m wurde die Nase leicht und das Flugzeug hob sanft ab. Nur moderate Trimmungen waren nötig. Dies macht immer der Helfer, damit die Hände am Knüppel bleiben können. Wie selten bei einem Erstflug war das Gefühl für das Flugzeug gut und ein Rückenflug (Schwerpunkttest) wie auch einige Rollen waren möglich. Schon piepste die Uhr zur Landung. Saubere Landevolte wie immer und der Endanflug war da.
Die Anweisungen von Adi kamen sachlich. Schon war sie unten. Wow, was für ein Flugzeug! Die nächsten Flüge dienten dann den Einstellungen der Ruderwege und des Kreisels. Der Wahnsinn bei der Mirage ist, dass sie nicht abschmieren kann. Alles, was sie tut, ist mit hohem Anstellwinkel und hoher Sinkrate Richtung Erde zu kommen. Gas rein und alles ist wieder normal. Selbstverständlich musste Adi, wie auch sein Freund Andreas, die Mirage fliegen, weil mich der Kommentar der Profis interessierte. Beide sind hell begeistert nach ihren jeweiligen Flügen.

Nun hat die Mirage circa 30 Flüge. Regelmässig wird bei mir die Zelle überprüft, um zu sehen, ob noch alle Holzverbindungen gut verleimt sind und alle Komponenten funktionsfähig sind. Ich mache das bei allen Modellen. Bei personentragenden Flugzeugen ist das normal. Bei unseren Modellen fallen die gleichen Kräfte an und die Komponenten werden auch anständig gebraucht. Also macht es Sinn, im Bezug auf die Sicherheit diese Überprüfung auch zu machen. Wir wollen alle noch ewig unserem Hobby frönen.
Mittlerweile hat Ueli die 3. «grosse Mirage III» ausgeliefert und mir verboten, zu schreiben, dass er noch Bestellungen entgegennehmen würde, denn er hat genug von diesem Modell, er möchte sich etwas handlicheren Modellflugzeugen widmen. Warten wir mal ab, ob es jemandem gelingen wird, Ueli erneut zu irgendetwas Unerwartetem zu überreden.

| Massstab: | 1:5 |
| Spannweite: | 160 cm |
| Länge: | 290 cm |
| Gewicht: | 18,7kg Startgewicht/ Leergewicht 15kg |
| Equipment: | Powerbox Pioneer mit iGyro Sat, Powerbox Empfänger und Akkus |
| Fernsteuerung: | Powerbox Core |
| Turbine: | JetCat P-180NX |
| Tank: | Beuteltank Jens Pohle (fuelbag.de) |

Der Flugtag von Triengen vom 4. September, hervorragend organisiert von der MG Schöftland, bot mir nach langer Wartezeit endlich einmal die Gelegenheit, die Mirage IIIS vor die Linse zu bekommen. Das Gemeinschaftswerk von Ueli Amacker und Reto Senn stand schon lange auf meiner Wunschliste. Mein Vereinskollege Ueli hatte mir schon länger berichtet, dass er sich erweichen liess, eine Turbinen-Mirage zu bauen. Die aufwendig lackierte Mirage funkelte richtiggehend am Himmel über Triengen. Das Warten hatte sich gelohnt!
*Markus Nussbaumer*


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